Die Berninabahn, Königin der Eisenbahnen, 07.07.2014

Edolo Aprica Apricapass Blick ins Veltlin aus dem BusTrenord BF im Veltlin interessante Vegetation auf den Gleisen im Veltlin Edolo Aprica TiranoTirano Stazzione FS Binario 1 Tirano Stazzione FS Tirano Stazione Biglieteria FS Tirano Stazzione FS piazzaTirano Stazzione RhB Tirano Stazzione Biglieteria RhB Berninabahn in Bahnhof Tirano Anfahrt mit FS nach TiranoStrassenbahn in Tirano Madonna di Tirano die Gleise ueber den Platz Madonna di Tirano Berninaexpress Madonna di Tirano 6 Madonna di Tirano 5 Madonna di Tirano 4 Madonna di Tirano 3 Madonna di Tirano 2 Madonna di Tirano 1 Berninabahn durch Madonna di TiranoBerninabahn in Italien Berninabahn Kehre von unten Berninabahn offene Kehre Berninabahn StillebenLago di Poschiavo Berninapasshoehe Bernina Strassenbahn Berninabahn als Strassenbahn durch das DorfPoschiavo Ausfahrt Poschiavo von oben aus Zugfenster Bernina der Blick aus dem Zug lohnt immer Bernina Bergfahrt 2 Bergfahrt in Serpentinen Almen bei Cavaglia BF CavagliaAlp Gruem Kehreinfahrt von Sueden Alp Gruem Impressionen Alp Gruem der Berg ist nah Alp Gruem Blick ins Puschlav und Veltlin Alp Gruem Bergbahnhof Alp Gruem Bahnhof Ospizio BerninaLago Bianco 3Lago Bianco 2Lago Bianco 1Deutsch ist hier gar keine AmtsspracheBlick ins Engadin aus der SeilbahnEinfahrt Bernina DiavolezzaDiavolezza Winter oder Sommer?Diavolezza TalstationDiavolezza Neuschnee im JuliDiavolezza ImpressionenDiavolezza - der Reisende zum zweiten Mal im SchneeDiavolezza BerghotelBergwelt Diavolezza aus SeilbahnTalgrund bei BF MorteratschMorteratsch mit BahnuebergangMorteratsch GletscherMorteratsch BahnhofBernina Suot BerggasthofWasserfall direkt aus dem ZugfensterSurovas WanderwegeSurovas Haltestellenhaeusle in HolzSurovas Haltepunkt Warteraum in HolzSurovas BerninastreckeSurovasPontresina mondaenkurz vor Pontresina aus dem ZugfensterPontresina BahnsteigBF Pontresina und die RhBBF Pontresina RangierenBF Pontresina PortalBF Pontresina Gleis einsBF Pontresina Ausfahrt Berninaexpress Ri SamedanBei einem Blick auf die Eisenbahnstreckenkarten dieser Welt ist es vielleicht auch schon Anderen aufgefallen, nicht weit von Tirano entfernt hat eine italienische Nebenbahn, von Brescia kommend, ihren Endbahnhof in Edolo. Die Entfernung zwischen Edolo und Tirano scheint nur ein Katzensprung zu sein. So fragte sich vielleicht schon mancher Reisende, welcher von Norden aus mit der Berninabahn nach Italien kam und dessen Ziel östlich, vielleicht in Venedig, lag, ob es nicht möglich wäre entweder per Bus oder Taxi von Tirano aus Edolo zu erreichen um so den Umweg über Westen, über Mailand, abzukürzen und stattdessen in Brescia auf die Hauptstrecke nach Venedig umzusteigen. Auch wenn die Strecke von Tirano nach Milano/Mailand über Sondrio eine sehr schöne ist, so ging mir dieser Gedanke auch schon lange durch den Kopf, via dem „Bypass“ Tirano-Edolo auf den Genuß zu kommen auch die Strecke Edolo-Brescia zu erleben. Im Zuge der Rückreise aus dem Iran bot sich mir nun die Gelegenheit diese Idee von Süden aus anzugehen. Nur wegen dieser Idee landete ich überhaupt erst an den Ufern des Lago d’Iseo und konnte dort eine sehr schöne Ecke der Südalpen entdecken. Eine so lange und außergewöhnliche Bahnreise in den Iran und zurück mit der Krönung des Berninapaß abzuschließen ließ mir die Möglichkeit mir ein echtes Leckerli für den Schluß aufzuheben.

Der Reisebericht dieses Kapitels beginnt am Bahnhof von Edolo. Da nicht jeder Zug einen Busanschluß ins Veltlin hat, sollte man sich im Vorfeld informieren. Aber immerhin, mehrmals täglich wartet der Bus von Trenord vor dem Bahnhof von Edolo. Die Fahrt startet sofort, es verbleibt keine Zeit sich noch im Ort umzusehen. Um von Edolo aus das Veltlin zu erreichen muß der Apricapaß überquert werden. Die Straße ist teilweise schmal, die Landschaft schön. Auf einmal wird der Blick ins tief liegende Tal des Veltlin frei. Das Tal wird erreicht in der Mitte zwischen Sondrio und Tirano. Obwohl Sondrio die Provinzhauptstadt ist und damit deutlich größer als Tirano, steuert der Bus Tirano an und Sondrio kann nur durch umsteigen auf die Bahn erreicht werden. Dies zeigt die Bedeutung der Buslinie für Umsteiger auf die Berninabahn. Da ich Tirano aber lieber per Bahn erreiche, steige ich am Bahnhof Tresenda-Aprica-Teglio auf die Veltlinbahn um und nach wenigen Minuten Fahrt ist Tirano erreicht. Die gesamte Kleinstadt liegt völlig im Schatten des Berninaexpress, die Restaurants richten sich nach dem Fahrplan der Berninabahn aus.

Ich fuhr schon in vielen Ländern mit der Bahn, aber ich erlebte nie eine interessantere Strecke als die Berninabahn. Auch die Route des Glacier hält da nicht mit, zumindest nach meiner Meinung. Einmalig ist die Durchfahrt der Bahn durch den Vorort Madonna di Tirano. Der Vorplatz der Basilika wird wie eine Straßenbahn gequert, verlassen wird der Platz über die Berninapaßstraße, immer noch wie eine Straßenbahn. Photographen lieben das Motiv der Wallfahrtskirche als Hintergrund eines Zuges der Rhätischen Bahn. Die Basilika selbst ist voll von Barock. Aber die meisten Reisenden kommen wegen dem Zug. Direkt neben dem Bahnhof der FS liegt der Bahnhof der RhB. An deren Schaltern ist meist mehr los, da hier viele Überseereisende ihre Reservierungen für den Berninaexpress einlösen wollen. Vor mir ein Ehepaar aus Australien, dessen Reservierung im System einfach nicht gefunden werden kann. Die Grundfahrkarte haben die beiden bereits. Der Mitarbeiter der RhB empfiehlt einfach die Nutzung von Regionalzügen, weist aber darauf hin, das dann bis Chur zweimal umgestiegen werden muß. Das weisen die beiden brüsk von sich, sie seien schließlich extra aus Australien gekommen um mit dem Bernina zu fahren. Der Einwand des Mitarbeiters, es handele sich ja um dieselbe Strecke, wollen sie nicht verstehen. Und begehen damit den Fehler vieler Touristen, welche sich nicht die Mühe machen, sich mit dem Thema Bahn etwas intensiver zu befassen. Denn die RhB verlangt für die Nutzung ihrer Schlachtrosse „Berinaexpress“ und „Glacierexpress“ hohe Aufschläge, dafür kann der Platz nicht gewählt werden und man kann Glück oder Pech haben. Häufig sind die Züge aber bis auf den letzten Platz mit Touristengruppen aus aller Welt belegt und bieten wenig Reisekomfort. Die Regionalzüge dagegen sind meist leerer, bieten freie Platzwahl und man kann damit das Erlebnis viel intensiver genießen, auch lassen sich meist die Fenster öffnen. Am besten eignen sich die Radabteile zur Mitfahrt, sie sind oft komplett leer und alle Fenster lassen sich öffnen.

Hier ein bildliches Erlebnis meiner Bergfahrt der Berninabahn:

https://www.youtube.com/watch?v=Zek5SqfLAd0&list=UUqK_CJ7u_fGl98_c-jy6Fww&index=6

So lasse ich die beiden Berninaexpresse nach Chur ohne mich abfahren und nehme Platz in einem späteren Regionalzug. Zirka zwei Kilometer nach der Abfahrt wird die Grenze zur Schweiz erreicht. Nun befinde ich mich an einem der Südzipfel Graubündens, im Puschlav. Gleich darauf wird die offene Kehre erreicht, welche weltberühmt ist. Und wieder wenige Minuten später wird das Ufer des gletschergrünen Lago di Poschiavo erreicht. Nochmals werden einige Straßendörfer wie eine Straßenbahn durchfahren, der Gehsteig dient zugleich auch als Bahnsteig. Der Bahnhof des Hauptortes Poschiavo ist sehr modern, nüchtern und nicht gerade einer der Höhepunkte der Strecke. Danach beginnt das endlose Hin- und Herfahren in Schienenserpentinen um an Höhe zu gewinnen. Dörfer werden keine mehr erreicht, so weit oben liegen nur noch einsame Bauernhöfe. Noch immer sind die Bergwälder tief grün. War es in Tirano noch T-Shirt-warm, so muß nun langsam eine Jacke angelegt werden. Die gesamte Strecke ist bis Sankt Moritz gerade etwa 60 Kilometer lang, bis zur Paßhöhe nur etwa 40. Aber auf diesen 40 Kilometern müssen 2000 Höhenmeter geschafft werden. Das merkt der Reisende nicht nur an der Veränderung der Außentemperatur, auch die Vegetation verändert sich. Gefühlt ist die Strecke viel länger. Mit Cavaglia hält der Zug nochmals an einer Alm, viele Wanderer nutzen die Station. Die Berge rings um das Tal herum erreichen nun solche Höhen, das immer im Jahr Schnee liegt. Bei der Station Alp-Grüm wird der Blick auf den ersten Gletscher frei, welcher nicht sehr viel höher als die Gleise zu liegen scheint. Seit der Eröffnung des Furka-Basistunnels ist dies der eigentliche „Glacierexpress“. Alp-Grüm besteht nur aus einigen Almhütten und einem Restaurant, welches im Bahnhofsgebäude liegt. Gleich danach wird die Baumgrenze überschritten und der Zug durchfährt eine gefühlte Mondlandschaft. Und schon ist mit dem Ufer des künstlichen Lago Bianco die Paßhöhe erreicht. An dessen Ufern liegt auch der höchstgelegene Bahnhof „Ospizio Bernina“. Mir ist keine zweite Bahnstrecke über einen Paß bekannt, welche völlig ohne auch nur den kleinsten Scheiteltunnel auskommt und die Paßhöhe völlig offen überschreitet. Ebenso verläuft hier eigentlich auch die Sprachgrenze von Italienisch zu Rumantsch. Trotzdem wird das Überschreiten der Wasserscheide mit einem Schild in Deutscher Sprache angezeigt. Nun beginnt der kurze Abstieg hin zum Engadin, kurz nach dem Überschreiten der Paßhöhe wird die Baumgrenze wieder erreicht.

Es folgen nun noch diverse Bahnhöfe mit dem Namen „Bernina“, wie „Bernina Lagalb“. Meist bestehen sie aus einem Bergrestaurant, einer Bushaltestelle an der Paßstraße und dem Anschluß zu einer Gondelbahn. So auch „Bernina Diavolezza“. Hier lege ich eine Pause ein und steige auf die Seilbahn um. Es ist nun Anfang Juli, aber es findet gerade ein kleiner Wetterumschwung mit einem starken Regentief statt. Dieser Regen fällt auf der Diavolezza selbstverständlich in Form von Neuschnee. Gute zehn Zentimeter sind es, die Terrasse des Bergrestaurants muß wie im Winter per Schneeschnippe geräumt werden. Ich erinnere mich nun an meinen Ausflug in den Norden Tehrans, bei welchem ich per Seilbahn ganz ähnliche Höhen erreichte. Zum zweiten Mal stehe ich auf meiner „Sommerreise“ mitten im Schnee. Wieder unten kommt bald der nächste Zug. Kurz darauf fällt der Blick auf den Morteratschgletscher, besonders beliebt ist dieses Motiv mit dem berühmten Bahnübergang im Vordergrund. Gleich darauf geht es direkt unter einem Wasserfall hindurch. Und schon sieht man aus der Ferne die ersten Häuser von Pontresina, es handelt sich hier um die erste Ortschaft seit Poschiavo. Aber bevor der eigentliche Bahnhof erreicht wird, hält der Zug an der Haltestelle „Surovas“. Surovas besteht aus einem wunderschönen Bahnhofshäuschen aus Holz, ein schmucker Wartesaal im alten Stil steht den Reisenden noch immer offen. Einen Ort mit dem Namen Surovas gibt es nicht, im Grunde könnte man diese Station auch „Pontresina Süd“ nennen, der Fußweg in die Ortsmitte ist ab hier sogar kürzer als vom Bahnhof. Der Zug verkehrt noch durch eine Kehre und dann ist der Bahnhof Pontresina erreicht. Hier kann umgestiegen werden ins Unterengadin, ich steige aber aus. Denn in Pontresina befinden sich mögliche Unterkünfte direkt am Bahnhof, während die Wege zu den Hotels von Sankt Moritz ab dessen Bahnhof deutlich länger sind.