Ich bin ein politischer Mensch – aber ohne Partei!

Dem laufenden politischen Geschehen auf diesem Planeten folge ich bereits seit Jahrzehnten, oft regte ich mich über die naiven Politiker auf oder fühlte mich mit meinen Bedürfnissen nicht ernst genommen. Gewählt habe ich immer ganz strategisch, mal dies, mal das, aber eigentlich nie die CDU. Dann brach über Stuttgart ein unsinniges Bahnprojekt herein. Ich liebte den Stuttgarter Kopfbahnhof, auf eine sehr emotionale Art und Weise, welche ganz pragmatisch denkenden Gegnern von S 21 nicht nachvollziehen können. Daher war ich schon ab dem ersten Tag, nachdem dieses „Wunderprojekt“ aus der Taufe gehoben wurde, sein Gegner. Selbstverständlich habe ich damals noch in keiner Weise ahnen können wie teuer und unsinnig die Sache einmal ausarten würde. Kurz nach der Jahrtausendwende war ich sogar einmal kurz davor mich mit der Sache abzufinden, da ich mir sagte ich könne und dürfe mich ja nicht aus rein egoistisch-emotionalen Gründen gegen den Fortschritt stellen. Da ich aber schon immer sehr viel Bahn gefahren bin begann ich genau in diesem Moment die Sache einmal aus Sicht eines Bahnfahrers und hinsichtlich der Kapazität des Tunnelbahnhofs und seiner Zulaufstrecken zu sehen. Das war genau in der Phase als der Bahnchef gerade Ludewig hies und das Geld knapper wurde – und Ludewig daher das Projekt hinsichtlich der Kapazität zu kappen begann. Da wurde mir klar das die Versprechungen hinsichtlich der erhöhten Kapazität und des Fortschritts Lügen sind – und Widerstand ein Dienst am Bürger und Steuerzahler. Daher nahm ich, auch aus der Ferne in Frankreich, einen engen Mailkontakt mit dem geistigen Vater des Widerstandes, Gangolf Stocker, auf und gab ihm den entscheidenden Impuls per Unterschriftensammlung ein Bürgerbegehren zu initieren. Es wurden dann 67.000 Unterschriften gesammelt, 20.000 wären laut Gesetz notwendig gewesen! Trotzdem bügelte der Stadtrat den Bürgerwillen mit Formaljuristischen Argumenten nieder. Dies war der Start der massiven Demonstrationen auf der Straße, welche im schwarzen Donnerstag am 30.09.2010 ihren negativen Höhepunkt und in der Abwahl der seit 58 Jahren herrschenden CDU-Feudalregierung im März 2011 ihren positiven Höhepunkt fanden. Dann bekamen wir Kretschmann, seine Grünen und endlich einmal einen Landesvater welcher seinen Bürgern zuhören wollte. Aber Stuttgart 21 haben wir noch immer und Kretschmann meint für ihn „sei der Käs gessä!“.

Zum Glück widerstand ich damals meinem Impuls mich den Grünen anzuschliessen. Es zeigt sich heute, gerade auch in Stuttgart, wie sehr auch die Grünen vom kapitalistischen System aufgefangen wurden. Die CDU war mit der FDP schon immer die Partei der Banken und der transatlantischen Arschkriecherei, nebenbei betätigt man sich noch als Kanzlerwahlverein. Die SPD meint in der Opposition immer alles besser, sobald sie aber in der Regierung ist verwandelt sie sich in den Schoßhund der Union. Sie hat noch nicht einmal die Eier eine linke Mehrheit im Parlament, welche die Verwirklichung ihres Wahlprogramms sehr einfach machen würde, zu sondieren. So geschehen 2005 und nun wieder 2013. So kam Merkel überhaupt erst durch das fehlende Rückgrat der SPD ins Kanzleramt. Dann mußten wir uns von 2009 bis 2013 von denen anhören wie schlimm und schlecht die Merkel doch als Kanzlerin für Deutschland ist – um sie letzten Herbst gleich wieder im Amt zu bestätigen! Mir tun die einfachen Mitglieder der SPD leid, welche im Wahlkampf in ihren Ortsvereinen mühsam Plakate kleben. Und die Grünen haben wild, frech und außerhalb des Systems angefangen um heute eine rein bürgerliche, langweilige Partei der Besserverdienenden zu sein mit nach außen grünem Farbanstrich.

Dann kamen die Piraten. Das war die Chance, auf welche ich gefühlt so lange gewartet habe. Ich trat von Frankreich aus dieser Partei bei und bewarb mich um die Aufnahme in die Landesliste zur Bundestagswahl. Wenige Tage vor der Aufstellung sondierte ich die Aussagen von sämtlichen meiner Mitbewerber, da ich ja nicht nur mich selbst wählen wollte, sondern dafür sorgen wollte aus meiner Sicht die bestmöglichste Liste aufzustellen. Ich schrieb dann die Top 20 meiner Auswahl an um sie erstens darüber zu informieren daß sie mit meiner Unterstützung rechnen können und sie ebenso auf meine Positionen aufmerksam zu machen, da ich um Umkehrschluß meinte wenn diese zu mir passen dann müßte ich doch auch zu ihnen passen. Dies bekam eine der angeschriebenen Personen allerdings in den falschen Hals und über mich ging ein kurzer Shitstorm nieder. In dieser Phase war eine sachliche Diskussion nicht mehr möglich und ich zog es vor, um jeglichen Mißverständnissen vorzubeugen, meine Kandidatur zurück zu ziehen. So weit war dies mein Fehler für den ich dann auch gerade stand. Ich trug niemanden deshalb etwas nach. Ich trat nicht aus der Partei aus. Ich nahm Kontakt zu den wenigen Piraten in Frankreich auf, welche in meiner Region wohnen. Zusammen mit diesen wollte ich die regionale Gruppe wieder mit Leben erwecken und die Europawahl vorbereiten. Hier sah ich meine Stärke im grenznahen Ostfrankreich für Kontakte beiderseits des Rheins zu sorgen um sich gegenseitig im Wahlkampf behilflich zu sein. Zuerst sollten die Franzosen den Deutschen bei der Bundestagswahl helfen, danach wäre dann der gemeinsame Europawahlkampf dran gewesen. Um diese Sache auf den Weg zu bringen regte ich ein erstes Zusammenkommen in Strasbourg im kleinen Kreis an. Ich schrieb daher die Kreisverbände und die Wahlkreiskandidaten des Rheintals mit meinem Vorschlag und Einladung an. Als einzige Reaktion erhielt ich unter der offiziellen Mailadresse eines Kreisverbandes eine dümme Schmähmail, welche mich wegen meines vergangenen Fehlverhaltens als unerwünschte Person erklärte, ohne inhaltlich auf das eigentliche Anliegen einzugehen. Es ist also bei den Piraten egal ob jemand ohne eigene Vorteile anderen Helfen will – wenn den Leuten deine Nase nicht gefällt so muß man sich selbst dafür noch entschuldigen. Schlimm fand ich diese eine Antwort aber gar nicht. Denn den einen Idioten gibt es immer und überall. Viel gravierender war und ist das sämtliche anderen Adressaten meiner Mail, darunter eben die Direktkandidaten und selbst die Nummer zwei der Landesliste B-W, welche diesen Mailkontakt mitverfolgen konnten, es nicht für nötig hielten auch nur ein Wort dazu zu sagen. Und da verstand ich das es um diese Partei geschehen ist. Nicht wegen dieser einen Sache, so wichtig war ich nie. Aber solche Vorfälle passieren und passierten bei den Piraten landauf landab täglich. Eine Partei, welche immer darüber klagt wie schlecht es doch um ihre Finanzen bestellt ist und welche daher den Wahlkampf nicht mit einer tollen Werbeagentur durchführen kann, ist allerdings auf die Mitwirkung ihrer sämtlichen Mitglieder angewiesen. Und wenn dann mit diesem einzigen Kapital was einem noch bleibt, dem Humankapital, so umgegangen wird, dann wird man seine politischen Ziele niemals schaffen umzusetzen. Dies wurde mir kurz vor Ostern 2013 klar und ich stellte sämtliche Tätigkeiten ein. Das Wahlergebnis bei der Bundestagswahl und die nachfolgenden Querelen sollten mir recht geben – leider, da ich die Ziele der Piraten auf dem Papier nach wie vor für gut befinde. Aber Anspruch und Realität liegen eben so weit auseinander das daraus nichts Vernünftiges wird werden können.

Seither erkenne ich was politisch interessierte Menschen meinen wenn sie sagen Parteien sind nicht dazu da unsere Probleme zu lösen. Wenn Wahlen was verändern würden oder könnten dann wären sie schon längst verboten. Wer wirklich mitmischen will muß diesem System seine Legitimation entziehen und eben nicht zur Wahl gehen. So gibt man seine Stimme nicht ab sondern behält sie – um sie, bei Notwendigkeit, innerhalb der Legislaturperiode auch zu erheben!

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