Berlin, einmal anders oder du sollst den Kern nicht spalten

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Berlin, wann wirst du endlich fertig? Oder kannst du überhaupt jemals fertig werden? Das Straßenbahnnetz erschließt nur den Osten, das U-Bahnnetz nur den Westen, die S-Bahn wurde von Mehdorn tot gespart und ließ die Berliner sehr oft jämmerlich im Stich und vom Flughafen wollen lieber erst gar nicht anfangen zu reden. Wobei, eben jener Mehdorn, welcher bereits die S-Bahn in den Sand setzte, soll nun wenigstens noch den Flughafen retten. Ob das klappen kann? Hinzu kommt er ist bereits 71 Jahre alt. Da sei die Frage erlaubt ob er aus biologischer Sicht überhaupt noch in der Lage sein wird die Fertigstellung des Flughafens zu erleben. Alternativ könnten wir jetzt auch ganz Berlin nach Kassel umsiedeln, dann hätte diese Stadt zumindest mit Kassel-Calden einen Flughafen der funktioniert, auch wenn ihn niemand braucht. Aber es hilft nichts, auch Berlin ist ein Muß auf den Weg in die weite Welt. Bisher sind meine Besuche in Berlin sehr stiefmütterlich verlaufen, ich hatte selten den Drang dorthin zu gehen, der Weg war einfach so weit und es ist eben kein Teil des Schwabenlandes. Nun muß ich aber irgendwo mein Visum für den Iran abholen und da mein guter Freund Jörg, welchen ich noch aus der gemeinsamen Studien- und Praktikumszeit in Besancon, Franche-Comte, kenne, hier lebt, bot sich ein Besuch an. Jörg arbeitet als Überzeugungstäter für die Agentur für erneuerbare Energien. Auch in Besancon arbeitete er für Energie-Cites, ein Verband europäischer Städte zur alternativen Energieversorgung. Durch ihn habe ich viel über Kernenergie gelernt. Es wird ja viel über das Für und Wider der Kernenergie diskutiert. Je nachdem wie man es sieht oder sehen will schafft es meistens jede Seite die Sache so hinzurechnen, wie es ihr passt. Aber das wichtigste Detail in dieser Debatte ist so banal, das es meist kaum erkannt wird. Selbst wenn es keine weiteren Unfälle mehr geben wird, was passiert mit dem Atommüll? Bis dato hat noch kein einziger Staat eine Lösung für seine Müllfrage finden können. Und dieser Müll muß ca. eine Million Jahre sicher gelagert werden. Wo und wie ist dies möglich? An welchem Ort kann über einen so langen Zeitraum hinweg die Kontinentalverschiebung ausgeschlossen werden? Schauen Sie sich einfach einmal an wie die Welt vor einer Million Jahren ausgesehen hat! Sie werden keinen einzigen heute existierenden Kontinent erkennen bzw. finden. Daher ist eine solche Lagerung entweder unmöglich oder zumindest wirtschaftlich nicht sinnvoll. Ich meine sogar, wenn man die gesamte Kette des Urans von seiner Aufbereitung bis zum Ende seiner Lagerung in ca. einer Million Jahre verfolgt, so kostet dies mehr Energie als dieser eine Brennstab während der kurzen Zeit seiner Verwendung im Reaktor der Volkswirtschaft gebracht hat. So lange die betriebswirtschaftliche Bilanz aber so aussieht, daß die kurzfristigen Gewinne in die Hände der Aktionäre der raffgierigen Warzenschweine eben (kurz RWE) fliessen, die Folgekosten aber von der öffentlichen Hand aufgebracht werden, so lange ist es für die wenigen Profiteure dieser Energie nützlich daran festzuhalten, obwohl die gesamte Volkswirtschaft darunter leidet! Was kostet es einen einfachen Wachmann am Eingang des Endmüllagers über eine Million Jahre hinweg monatlich 2.500 Euro zu bezahlen? Eine übliche Inflationsrate unterstellt mehr als es heute insgesamt Geld auf diesem Planeten gibt! So viel zum Thema billige Kernenergie!

So haben Jörg und ich auch über das leidige Thema der Energieversorgung des Irans nachgedacht. Und landen dann sofort im sog. Atomkonflikt. Jörg und ich sind beide gegen die weitere Verbreitung der Kernenergie. Trotzdem müssen wir anerkennen das der Iran keinerlei internationales Recht oder Vereinbarung, wie den Atomwaffensperrvertrag, bricht wenn das Atomprogramm weiter verfolgt wird. Jedem Unterzeichnerstaat das Atomwaffensperrvertrages steht die zivile Nutzung des Atoms offen. Und obwohl der Iran über sehr viele Primärenergiequellen wie Öl oder Gas verfügt ist die Energieversorgung derzeit prekär. Man hat leider zu wenig in Energieeffizienz und in Kapazitäten zur Weiterverarbeitung investiert. Irgend etwas muß die Regierung also tun. Nur ob das Atom hier die wirklich beste Lösung darstellt, daran seien Zweifel erlaubt. Nur mit einer Verbotsdebatte ist hier nichts zu erreichen. Wenn die westliche Welt weiter suggeriert Tehran dürfe keine Kernkraftwerke bauen dann muß die Iranische Führung schon allein nur um nicht ihr Gesicht zu verlieren und selbst gegen jedes vernünftige Argument die Kernkraftwerke in Betrieb nehmen. Nur wenn wir hier einmal die Emotion und die Polemik beiseite lassen und grundsätzlich das Recht auf die zivile Nutzung des Atoms anerkennen, nur dann sind pragmatische Lösungen möglich. Und die gibt es durchaus. In der Mitte des Irans befinden sich große Wüstenflächen, welche sehr dünn besiedelt sind. Hier liegt ein großes Potential für die Sonnenenergie. Und die Windenergie wird in diesem Kulturkreis gar schon seit Jahrtausenden genutzt. Um die Gebäude zu kühlen wurden Windtürme gebaut, welche die Luft einfangen und direkt in die Keller leiten. Dort wird sie mit unterirdischen Wasserläufen in Kontakt gebracht, was die Temperatur um ca. 15 Grad senkt. Und diese kühle Luft wird anschließend in die Wohnräume geleitet. Alles ohne aktive Energiezufuhr. Hier lägen, insbesondere im Interesse des Irans, die wirklichen Lösungsansätze des Energieproblems. Denn wer mit der Kernkraft erst einmal begonnen hat kommt aus dem Teufelskreis mit der Endlagerung des Atommülls nicht mehr heraus. Und falls der Iran die Potentiale, welche hier für ihn liegen, erkennen sollte, welches Land könnte durch seine eigenen Erfahrungen hier der bevorzugte wirtschaftliche Partner werden? Und würde dies in diesem Land nicht auch Arbeitsplätze sichern?

So war es eine Selbstverständlichkeit gemeinsam an der Demonstration zum dritten Jahrestag von Fukushima teilzunehmen. Eine Demonstration, zu der selbst Teilnehmer aus Japan angereist kamen und bei welcher viele Exiljapaner anwesend waren. So ging der Demonstrationszug ausgehend vom Brandenburger Tor über den Potsdamer Platz bis zur japanischen Botschaft am Tiergarten. Das Wetter war toll und die Farben der Demo leuchteten dazu nur noch heller und bunter.

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