das Iranische Berlin und die ITB

ZahraKhoramivorihrenBildernShayanArkianimGesprächmitmiriranischerBotschafterbeiseinerRedeiranischeMusikdarbietungIranischeKünstlerausderAusstellungIranischeKunst2IranischeKunst1DieReisebloggeraufderITBDanielaundTobiasvonWeltperradIch, eingerahmt vom iranischen Botschafter und dem Vizebotschafterauf dem Iranstand der TouristikmesseAndrea Röschke spricht auf der ITB

Durch einen reinen Zufall fand genau während meines Aufenthaltes in Berlin auch die Internationale Touristik Börse, ITB, statt. So eine Chance konnte ich natürlich nicht sausen lassen und begab mich an einem der Fachbesuchertage vor Ort. Durch diese Seite hier bin ich ja nun auch zu einem Reiseblogger geworden. So fand ich es ganz praktisch das genau an diesem Tag ein Workshop der Reiseblogger angeboten wurde. Diese Veranstaltung entwickelte sich für mich leider eher ernüchternd. Es gibt ein gewisses „Reiseblogger-Kollektiv“. Leider handelt es sich hier, ganz anders als es der Name vermuten läßt, nicht um eine offene Gruppe, in der jeder sich mit seinen Stärken einbringen kann. Es handelt sich vielmehr um eine geschlossene Gruppe von sieben Personen, welche sich lediglich bestmöglich vermarkten wollen. Ja, auch das Reisebloggen wird von Kapitalinteressen eingeholt und ist damit nicht mehr frei. Diese sieben Blogger, welche zu den bekanntesten und meistgeklickten im deutschsprachigen Web gehören, und weitere, haben das Ziel möglichst mit ihren Bloggs ihr finanzielles Auskommen zu finden. Aus Sicht vieler ist diese Vorstellung ein Traum. Aber auch dieser Traum kennt seine Schattenseiten. Denn dann mußt du dich an Unternehmer oder Reiseanbieter verkaufen. Deine Auftraggeber entscheiden wann, wie, wohin du reist, was du vor Ort zu besuchen hast und zahlen dir hierfür Tagessätze von 300 bis 500 Euro. Zusätzlich können Sie gegen weiteres Geld Eigentum an deinen Texten und Bildern erwerben. Aber auch wenn sie dies nicht tun, ein solcher Blogger kann es sich nicht leisten ehrlich negative Eindrücke wiederzugeben so es solche vor Ort geben sollte. „Wessen Geld ich nehme dessen Lied ich sing“, gilt auch hier. Da engagieren Regionen wie Rhone-Alpes in Frankreich oder wie die Emiglia Romana in Italien einen Blogger um ein cooles Bild über sich selbst zu reproduzieren oder die Fährgesellschaft von Kiel nach Oslo fragt sich wie viel von ihrem Marketingbudget es wohl kosten würde einen Blogger nach Norwegen zu schicken. Nichts gegen Norwegen, aber man darf nicht ignorieren das betreffender Blogger zu diesem Zeitpunkt vielleicht viel lieber nach Chile geflogen wäre um dort seiner Reiselust zu frönen. Weil nun aber Kapitalinteressen ins Spiel kommen muß es eben nach Oslo gehen und es darf kein negativer Eindruck zu dieser Reise entstehen.

Ganz ehrlich, für mich wäre es auch toll wenn ich mein aktuelles Projekt nicht aus der eigenen Tasche finanzieren müßte, aber bevor ich dann nicht mehr frei bin dahin zu reisen wo ich es will und mir jedes halbwegs kritische Wort verkneifen müßte, lasse ich es lieber ganz bleiben oder investiere eben mein eigenes Geld. Unsere Blogger mußten all die Tage der ITB auch nur von Termin zu Termin hetzen, kaum war dieser auf eine Stunde angesetzte Workshop beendet waren sie auch sofort entschwunden mit der Frage „wo müssen wir jetzt hin?“ Kein „wo wollen wir denn jetzt hin“ oder ein „haben wir jetzt überhaupt noch Lust oder lassen wir es für heute lieber sein und kommen morgen entspannt wieder?“. Und an meine Leser geht klar das Versprechen das ich nur meinem eigenen Herzen folge und niemandem nach dem Mund reden muß. Aber Vorsicht bei anderen Reisebloggs, manchmal findet man es im Kleingedruckten wer diese Reise gesponsert hat. Dann bedeutet dies nicht sämtliche Informationen sind falsch, aber man sollte trotzdem immer wissen mit was man es zu tun hat.

Dann ging es für mich weiter zum Stand des Iran. Ende des Jahres 2013 meinte ein politischen Kommentator im Spiegel das auch wenn dieses Jahrhundert im Gesamtkontext eher ein chinesisches sei im folgenden Jahr 2014 trotzdem der Iran die politische Big Story sein wird. Und in der direkten Folge auch die touristische Big Story des Jahres 2015! So darf man auch die Inschrift über dem Messestand verstehen, die da lautete „Visit Persia 2015“. Direkt nachdem die Pressemeldungen letzten November zu dem Übergangskompromiss im Atomstreit über die Bildschirme flatterten meldeten die wenigen Iran-Reiseanbieter eine Verdreifachung der sonst üblichen Nachfrage. Aktuell ist der Iran komplett ausgebucht. Wie arg doch die Psychologie auch in diesen Lebensbereich hinein wirkt. Ist der Iran heute doch noch immer das gleiche Land als während der letzten Jahre und sind die Iraner ja nicht erst seit diesem Jahr besonders gastfreundlich. Aber seit der Iran einen neuen Präsidenten hat, welcher von der westlichen Presse hochgelobt wird (während dessen Vorgänger immer schlecht geredet wurde), ist eben gefühlt alles anders. Und Reiseveranstalter verkaufen ja nicht nur eine Kombination aus Flug, Kultur und Hotel sondern immer auch ein Lebensgefühl. Dies soll nicht darüber hinweg täuschen das die absoluten Zahlen an Iran-Touristen noch immer sehr niedrig sind, die Dynamik ist derzeit aber sehr hoch. Wenn der aktuelle Trend anhält so muß der Iran bis zum nächsten Jahr große Investitionen in seine touristische Infrastruktur tätigen, ansonsten wird er der Nachfrage kaum Stand halten können. Selbstverständlich steht diese positive Prognose noch immer unter dem Vorbehalt das es der hohen Diplomatie im Laufe dieses Jahres gelingen wird eine endgültige Lösung im Atomstreit zu erzielen oder diesen Konflikt zumindest nicht weiter anheizen. Und natürlich müssen die USA auch weiterhin den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu davon abhalten mit seinem nervösen Zeigefinger am Abzug Zuckungen zu erleiden und so einen diplomatischen Amoklauf herauf zu beschwören.

Na ja, sage ich mir, dann komme ich ja mit meinem aktuellen Projekt gerade noch in letzter Sekunde bevor es Mainstream wird. Tags zuvor hörte ich von anderen in Deutschland lebenden Iranern das es auf der ITB an diesem Abend einen kulturellen Abend mit prominenten Gästen geben soll und ich solle doch einfach mal nachfragen ob ich nicht spontan dabei sein kann. Ich mache das frech und bin sofort dabei. So mache ich die Bekanntschaft des Botschafters und Vizebotschafters des Iran, ich lerne Hartmut Niemann kennen, den Autor des in meinen Augen sehr gelungenen Iranreiseführers „Reise Know How“. Sehr interessant war auch der bewegende Vortrag von Andrea Röschke, welche in den letzten Jahren zweimal in den Iran reiste und von den Eindrücken mehr als nur ein wenig fasziniert war. Sie faßte ihre Bilder in einem Buch zusammen, welches ich jedem der einmal eine andere Geschichte über den Iran hören will als das täglich grüßende Murmeltier in unseren Medien. Weitere Informationen finden Sie hier: www.asroeschke.de . Zum Schluß bleibt lediglich noch zu sagen das mein erstes persisches Buffet einen gelungen Abschluß meines Besuches auf der ITB wurde. Ich ging mit vielen Kontakte (sogar eine nette Unterhaltung mit dem Vizebotschafter war möglich und ein Bild mit dem Botschafter) und wichtigen Informationen und Eindrücke nach Hause. Ein Gewinn auf ganzer Linie, wenn man bedenkt das ich auf der ITB nur zufällig gelandet bin.

Bereits Tags zuvor war ich Gast im Forum Factory, wo eine Ausstellung zeitgenössischer iranischer Kunst stattfand. Jörg machte mich dankenswerterweise darauf aufmerksam. Dort erhielt ich auch den wertvollen Hinweis mit dem iranischen Abend auf der ITB. Aber ich hatte Glück, es waren viele der ausstellenden Künstler selbst vor Ort und konnten mir dabei nicht nur ihre Werke erklären lassen. Auch die Kultur unserer beiden Länder, die hohe Politik, Gott und die Welt waren unterhaltsame Themen. Die Idee zu dieser Ausstellung ging von Simin Afsharnia aus, einer weiteren in Deutschland lebenden Iranerin, welche sich im Hafis Institut für Kultur und Dialog engagiert. Von ihr erhielt ich viele konkrete Tipps zu meinem Aufenthalt im Iran. Liebe Simin, ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen, bei dem wir Gelegenheit haben werden mein persönliches Iranbild, vor und nach meiner Reise, ausführlich zu besprechen. Link: http://www.hafis-institut.de

Mein letztes Treffen mit dem iranischen Berlin war mit Shayan Arkian, dem Chefredakteur von www.irananders.de . Dieses Nachrichtenportal versucht im deutschsprachigen Raum das scheinbar unmögliche, eine etwas ausgewogenere Berichterstattung unter die Menschen zu bringen. Der Iran wird nicht über den grünen Klee hinweg gelobt, aber die Stärken und guten Seiten dieses Landes werden nicht verschwiegen. Und das ist, bei dem Iranbild welches in unseren auflagenstarken Medien verbreitet wird, auch dringend notwendig. Irananders finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, nicht durch Zuwendungen der Regierung in Tehran. Wer, meinen Sie jetzt, wäre so blöd und würde für ein solches Portal freiwillig spenden? Und jeder, der sich genau in diesem Moment diese Frage stellte, ist hier wieder unbewußt zum Opfer der Medienmanipulatur geworden. In unseren Augen muß der Iran nicht nur ein schreckliches Land sein, sondern auch ein kaputtes Land auf dem Niveau der dritten Welt. Wenn man aber einmal Leute fragt, welche in diesem Land waren was sie am meisten überrascht hat dann ist eine häufige Antwort in einem hoch entwickelten Land mit guter Infrastruktur gelandet zu sein. Im Iran liegen für die deutsche Wirtschaft große Potentiale, welche derzeit durch die politischen Restriktionen versperrt sind. Und es gibt eben Unternehmer und Unternehmen in Deutschland, welche dies wissen und hoffen dort einmal tätig werden zu können ohne Probleme mit der US-Justiz zu bekommen. Und diese Leute wissen der erste Schritt hierzu ist ein gutes Image des Landes in der Öffentlichkeit. Und dies versucht Irananders zu leisten. Weshalb es dann nicht auch mit Spenden unterstützen?

Am folgenden Abend fand im Rahmen des ADFC die Vorstellung einer großen Radreise statt. Hier zeigten Daniela Schmidt und Tobias Klein viele eindrucksvoller Bilder ihrer weiten Reise über drei Kontinente. Interessant für mich, da es auch durch den Iran ging. Ihre interessanteste Beobachtung im Iran im Vergleich zu Pakistan: Obwohl im Iran die Frauen einer klaren gesetzlichen Kleiderordnung unterliegen wird diese nur sehr lax gehandhabt und ansonsten bewegen sich die Frauen ganz normal im öffentlichen Leben. An anderer Stelle wurde mir versichert das es heute in den großen Stätten des Irans auch möglich ist das an alleinstehende Frauen Singlewohnungen vermietet bekommen. Ganz anders Pakistan. Hier unterliegen die Frauen keiner gesetzlichen Einschränkung, dafür aber einer gesellschaftlichen, und diese ist oft deutlich härter. In Pakistan sind so gut wie keine Frauen auf den Straßen oder im öffentlichen Leben anzutreffen. Und wenn, dann ganz streng verschleiert, wie es dem Taliban das Herz höher schlagen lassen würde. Wir im Westen beißen uns eben oft an der iranischen Gesetzgebung. Das die schlimmsten Gesetze, auch im Westen, aber oft gar nicht vom Staat, sondern von der Gesellschaft erlassen werden, ist uns selten bewußt. Wer sich für die weitere Reise von Daniela und Tobias interessiert wird hier fündig werden www.weltperrad.de .

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2 Gedanken zu “das Iranische Berlin und die ITB

  1. Hallo,
    bei meiner Suche nach Informationen über mein nächstes Reiseziel landete ich in diesem Blog.
    Herzlichen Dank für die sehr nützlichen Informationen und Anregungen sowie die erfrischend persönliche Sichtweise.

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