Sonntag, 30.03.2014 Kapitel eins

Blick auf Poligny Blick von oben auf die Kirche das Donjon, der Gefaengnisturm als Teil der Stadtmauer die Felsen ueber Poligny die Grande Rue von Poligny die Stadtmauer von Poligny es trifft sich a...weniger jung mit jung die Kirche von Poligny es trifft sich jung and a...weniger jung es wird hochprozentig Im Pub von Poligny3 Im Pub von Poligny2 Im Pub von Poligny1 Gare SNCF de Poligny Im Pub von Poligny4 Im Pub von Poligny5 Im Pub von Poligny6 In den Reeben von Poligny in einem Park von Poligny Jaegermeister ist beliebt im Pub von Poligny Lifekonzert im Pub Markt in Poligny1 Markt in Poligny2 Notre Dame, das aelteste Gebaeude der Stadt Zoom auf die Kirche von Poligny Sergentrieturm als Teil der Stadtbefestigung Rue des Moulins, das Gelaender kam erst 2004 Poligny ist Kaesehauptstadt pittoreskes Viertel von Poligny

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Poligny bis Neuhausen auf den Fildern, nicht ganz auf dem direkten Weg

Der reale Ausgangspunkt meiner Studienreise ist Poligny in Frankreich, mein Wohnort während der letzten 10 Jahre. Zum Glück verfügt Poligny über einen Bahnhof, da ich während vieler Jahre meines Lebens in Deutschland darunter gelitten habe in einem Ort ohne Bahnanschluß zu leben. Poligny liegt im Süden der Franche-Comte, am Jurafuß in landschaftlich sehr attraktiver Lage. Die kleine Stadt hat derzeit ca. 4.400 Einwohner und ist in meinen Augen eine der schönste Kleinstädte des Landes. Im Mittelalter wurde die Stadt komplett befestigt und war ein wichtiges religiöses und administratives Zentrum der Region. In der Stadtkirche befindet sich die größte Sammlung von den berühmten burgundischen Statuen flämische Bauart, welche frei zugänglich ist (weltweit). Eine dieser für Poligny entstandenen Statuen befindet sich heute im Metropolitain Museum of Art in New York. Heute sieht man dies der gesamten Altstadt bei jedem Schritt noch an, der Hauch des Mittelalters folgt auf Schritt und Tritt, da es seit ca. 400 Jahren keine kriegerischen Aktionen mehr im Stadtgebiet stattfanden.

Die Besonderheit der Stadt (und ich benutze bei wenige als 5.000 Einwohnern ganz bewußt das Wort „Stadt“) ist ihre Agilität. Obwohl Poligny in einer sehr dünn besiedelten Gegend liegt, in welcher sich Katz und Igel gute Nacht sagen, pulsiert in der Stadt das Leben. Die Bars sind ab Mittwoch abend bis nach Mitternacht gut gefüllt, es gibt häufig Konzerte und Feste und ein reges Vereinsleben. Dies ist möglich weil sich in der Stadt zwei überregionale Ausbildungscenter befinden, welches über 1.000 junge Menschen aus dem gesamten Osten Frankreichs in die Stadt führt.

Der andere Vorteil liegt trotz diesem jungen, aktiven Leben darin das man eben doch häufig Leute trifft, welche man bereits vorige Woche traf. Man muß sich also nicht jedes Wochenende neue Freunde für nur einen Abend suchen, nein, man hat Freunde und Bekannte an jeder Ecke. In einem vergleichbarem Ort im Schwabenland wäre nun ein einzeln zugezogener Franzose zwar bekannt, aber er wäre eben auch noch zehn Jahren noch immer ein „Roigschmeckter“. Man darf im Schwabenland zwar dabei sein, aber man hat nur zu Reden wenn man von den Einheimischen (das sind die, welche mindestens 7 Generationen auf dem heimischen Friedhof liegen haben) ausdrücklich dazu aufgefordert wird. Ansonsten hat man dem Einheimischen in allem zuzustimmen, denn er hat immer recht. Ganz anders in Poligny. Obwohl die Gestapo auch dort schlimm wütete (nicht umsonst heißt der zentrale Platz der Stadt „Place des Deportes“), ein hier lebender Deutscher gehört dazu, schon nach weniger Wochen wird man akzeptiert wie man bereits immer hier gelegt hätte. Ich konnte die besten Gespräche mit sehr netten, gleichaltrigen Franzosen führen, bei einem Bier oder Wein an der Bar, wir waren für diesen Abend die besten Freunde, und ganz nebenbei wird mir ohne Häme oder Haß gesagt der eigene Großvater ist von der Gestapo in den Osten deportiert worden. Andere Männer spendierten mir freundschaftlich Getränke und meinten sie hätten es sich nie vorstellen können einmal einen Deutschen auf ein Glas einzuladen. Aber auf einmal stand er da, in voller Lebensgröße, und er sah gar nicht anders aus. Bei vielen Diskussionen über lokalen Themen (insbesondere auch die Politik) konnte ich mich mit meiner Meinung einbringen wie jeder andere auch. Einzige Voraussetzung: Sprachkenntnisse. Aber bei vielen netten Abenden in den Bars wuchsen die Sprachkompetenzen mit jedem zehntel Promill. Der Alkohol verflog am nächsten Morgen wieder, das Sprachwissen blieb.

Poligny ist bislang vom Tourismus noch nicht erkannt worden. Auch die ganze Region führt ein Schattendasein neben Paris, der Provence oder dem Elsass. Viele bleiben nur durch Zufall für eine Nacht auf dem Weg zum Mittelmeer, und merken dabei gar nicht was sie übersehen. Die direkte Nachbarstadt von Poligny ist Arbois. Arbois verfügt nicht über so ein Potential an Auszubildenden und Studenten wie Poligny und setzt daher verstärkt auf Tourismus. Kein Vergleich zum Süden, aber im Hochsommer kommt mir Arbois nicht mehr wie ein Geheimtipp vor. Poligny ist der Geheimtipp. Hier putzt sich niemand für den Touristen heraus, alles ist Original und eben trotzdem oder gerade deswegen wunderschön.

Die Region Franche-Comte ist eine besonders freiheitsliebende Region. Die Lebenseinstellung ist lässig, die Natur bezaubernd, die Winter hart und die Küche deftig. Über lange Zeit befand sich diese Region unter der Vorherrschaft des heiligen römischen Reiches Deutscher Nation. Als es mit Kaiser Karl V eine Personalunion zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Spanischen König gab sah der König von Frankreich sich eingekesselt. Gleichzeitig brach in Deutschland durch Luther die Reformation aus. Der Kaiser hatte also alle Hände voll zu tun und hatte nicht wirklich Zeit auch noch über die Territorien der Grafen von Burgund zu regieren. Daher hatte in dieser Phase die Grafschaft einen hohen Grad an Unabhängigkeit. In der damaligen Hauptstadt Dole konnte ein Parlament etabliert werden. Später wurde diese Region durch einen brutalen Krieg vom französischen König eingenommen und unterworfen. Dies haben manche Leute hier noch immer nicht ganz vergessen. Paris ist weit weg, man ist „Franc-comtois“.

Diese Gegend wird mir während der nächsten Monate fehlen. Und wie startet man in eine solche Reise? Man beginnt mit dem Schwersten, den Schritt aus dem eigenen Haus hinaus! Auf dem langen Fußweg zum Bahnhof von Poligny macht sich mein schwerer Rucksack bemerkbar. Warum musste ich da auch soviel rein stecken? Aber andererseits, ich hatte mir ein striktes Minimum verordnet. Und nun sitze ich im Bahnhof von Dijon und warte auf den Nachtzug nach Venedig. Aber mit welcher Bahngesellschaft fahre ich eigentlich? Früher war es ja einfach, jedes Land hatte seine Bahngesellschaft und internationale Züge wurden an der Grenze übergeben. Aber seit der Liberalisierung haben fast alle Länder ihre Probleme mit der italienischen Ferrovie dello Stato (FS). Land für Land stellte seine Direktverbindungen nach Italien ein oder suchte sich dort vor Ort einen anderen Partner. Der moderne Bahnhof Tarvisio Boscoverde an der Grenze zu Österreich, leer und ungenutzt. Wer von Villach in das nahe Venedig will nimmt in den letzten Jahren den IC-Bus der ÖBB. Die französische SNCF unterhielt gemeinsam mit der FS über viele Jahre hinweg ein Gemeinschaftsunternehmen zur Vermarktung der TGV von Paris nach Milano und der Nachtzüge von Paris nach Roma und Venezia. Dann wurde dieses Unternehmen aufgelöst und seither arbeiten die beiden Unternehmen in Konkurrenz. Die SNCF fährt ihre TGV seither komplett auf eigene Rechnung und die FS gründete gemeinsam mit Veolia „Thello“ zum Betrieb des Nachtzuges nach Venezia. Aber der Halt in Dole ist entfallen und der Zug nach Roma derzeit Geschichte. Und vor allem, kein gegenseitiger Verkauf von Fahrscheinen, keine Assistenz im Falle von Verspätungen, kein „Hopp on the next train“. Das ist sie also, die tolle Zeit des modernen Bahnverkehrs im Zeichen des Hochgeschwindigkeitsverkehres und der von der EU verordneten Liberalisierung.

 

 

 

 

 

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