Montag, 31.03.2014, Venedig

zwei Gondoliere unterhalten sich versteckter Blick auf das Herz der Stadt Verkehr auf dem Canale Grande Touristen in der Altstadt So ruhig kann es sein auf einer Nebeninsel Mitten in der Altstadt Mit dem Linienboot durch die Wasserstrassen der Stadt einsame Insel beim Verlassen der Lagune ein kleiner Gemuesehaendler auf einer ruhigen Insel dunkle und dreckige Gasse direkt fuenf Meter hinter dem Markusplatz der Blick geht in Richtung Markusplatz Canale Grande direkt vor dem Bahnhof Bushaltestelle nur wird hier auf das Linienboot gewartet Blick auf Venedig aus dem Bahnhof hinaus so erblickt der Ankommende die Stadt zum ersten Mal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lagune von Venedig war schon lange bevor die Stadt entstand ein Rückzugsgebiet der lokalen Bevölkerung wenn Gefahr drohte. Über viel Kilometer hinweg ist der Küstenstreifen hier seicht und geschützt und es gibt viele Inseln. Auf einigen dieser Inseln gibt es schon eine über jahrtausende anhaltende Besiedelung. Die eigentliche Stadt, welche sich über die Dimensionen der Insel hinaus ausdehnt (dank einem bewährten System von Holzpfählen), entstand aber erst nachdem das Weströmische Reich am Übergang der Antike zum frühen Mittelalter durch das Eindringen der germanischen Völker zerfiel und die Urbevölkerung in der Lagune Schutz suchte. Zunächst hielten die Venezianer noch Bande mit dem Oströmischen Reich in Konstantinopel. War das Festland zu dieser Zeit bereits fest in der Hand der germanischen Goten und Langobarden (welche der Lombardei ihren Namen gaben), war die Lagune noch der äußerste Vorposten der Byzantiner. Doch schon recht bald emanzipierte sich die Serinissima, kappte die Nabelschnur noch Osten und wurde eigenständige Seerepublik. Von da an blieb das Verhältnis nach Osten zwiespältig. Phasen der gemeinsamen Interessen wurden immer wieder getrübt durch Konkurrenz über die Herrschaft im östlichen Mittelmeer. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts beging Venedig eine folgenschwere Entscheidung, welche die Geschichte Europas noch bis zum heutigen Tage verändern sollte. Als wieder ein Kreuzzug zur „Befreiung“ des heiligen Landes in See stach sorgte Venedig dafür diesen kurzerhand gegen Konstantinopel umzuleiten, da sich dort ja mittlerweile der orthodoxe Glauben ausgebreitet hat und die Menschen damit vom allein selig machenden katholischen Weltbild abgefallen waren. Der Feldzug war erfolgreich und in Konstantinopel konnte das „Lateinische Kaiserreich“ etabliert werden. Die Oströmer zogen sich nach Anatolien zurück, wo sie aber durch die bereits vorrückenden Türken auch nicht viel Platz hatten. Das lateinische Reich selbst blieb auch sehr schwach, da es über keinen Rückhalt unter den Bewohnern der Stadt fand. Ein alter Rivale Venedigs nutzte die Gunst der Stunde um den Byzantinern zu helfen ihre Stadt wieder zu erobern, die Genueser. Nachdem diese Aktion erfolgreich war hatte Venedig keine Freunde mehr in Konstantinopel, der Konkurrent Genua dagegen bekam einen eigenen Stadtteil zugeteilt (hierzu später mehr). Die gesamte Aktion schwächte die Byzantiner aber so nachhaltig und ihnen fehlte diese Kraft nun im Kampf gegen die Türken. Somit trägt Venedig eine große Mitverantwortung am Verlust Konstantinopels für das Abendland und das Vorrücken der Türken auf den europäischen Kontinent. In der Folge wurde das Osmanische Reich zum größten Rivalen. Nachdem der Vormarsch der Türken vor den Toren Wiens gestoppt werden konnte dehnte Habsburg sein Einflußgebiet weit auf den Balkan aus. Damit fiel die gesamte Ostküste der Adria zum einen an Österreich und südlich an die Osmanen. Für Venedig wurde es enger und enger. Eine weitere Schwächung ergab sich für die Stadt da sich mit der Entdeckung Amerikas der Mittelpunkt der Welt weiter nach Westen verlagerte und Venedig strategisch zu isoliert liegen begann. Trotzdem konnte sich die Seerepublik noch sehr lange halten weil sie über einen langen Zeitraum das Handelsmonopol zwischen Ost und West behielt. Das heißt aufgrund von Marktabschottungen konnten viele Waren zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Ostrom, später dem Osmanischen Reich, nur über Zwischenhändler in Venedig abgewickelt werden. Selbstverständlich sicherten sich die Venezianer dabei guten Margen. Auch blieben Venezianer noch über einige Zeit die größten Welterforscher. Man denke nur an Marco Polo, welcher es sowohl bis in persische Isfahan als auch auf die Seidenstraße schaffte. Zuletzt allerdings rückten die Habsburger Venedig eng auf die Pelle. Das heute gerade noch italienische Triest kam unter Herrschaft der Donaumonarchie und sollte dies bis 1918 bleiben. Das Hinterland wurde somit geteilt in das heutige Veneto und Friaul-Julisch Venetien. Napoleon bereitete der Republik dann ihr endgültiges Ende. Nach der Schlacht von Waterloo war die Stadt sogar über einige Jahre unter österreichischer Verwaltung, bevor der Weg in das moderne Italien gefunden wurde.

Gleichzeitig begann die Stadt Gebiete und Städte auf dem Festland einzugemeinden. So fand die Stadt Mestre ihren Weg nach Venedig. Und was wäre Venedig heute ohne Mestre? Mestre ist der Stadtteil welcher direkt auf dem Festland liegt sobald man über die Brücke aus der Lagune kommt. Heute leben in Mestre mehr Venezianer als in der Lagune und der dortige Bahnhof wird von mehr Reisenden genutzt als der Inselbahnhof, welcher wiederum ein einziges Mode-Shoppingcenter ist, welches ganz auf die Touristen abgestimmt ist. Die Stadtteile auf dem Festland gewinnen stetig an Einwohnern, während die Lagune ständig kleiner wird. Die Immobilien in der Lagune sind teuer, häufig in schlechten Zustand, nur kompliziert zu renovieren, für Autos unerreichbar und nicht selten ist das Verhältnis zwischen Touristen und Einheimischen 1:10 (für die Touristen!). In Mestre dagegen lebt es sich wie in jeder anderen Stadt, ganz im Schatten des Touristenrummels, welcher sich allein auf die Lagune konzentriert. Viele Häuser in der Lagune sind im Erdgeschoss gar nicht mehr bewohnbar, da viel zu häufig das Wasser eindringt. Venedig ist eine der wenigen Städte wo keine Werbeplakate aufstellen läßt um Touristen zu sich zu locken sondern um diese vielmehr abzuschrecken. Da heißt es das Wasser in den Kanälen stinkt und sei voller Ratten, die Preise astronomisch, es gibt keine Parkplätze und auf dem Weg in die Stadt nichts als Stau und die Stadt dabei zu zerfallen. Und jeder kann sich davon überzeugen wenn er einmal die wenigen Hauptadern der Touristen um den Markusplatz verläßt das dabei nicht gelogen wurde. Eine Stadt wurde Opfer ihres eigenen Ruhms. Und wo liegt die Zukunft der Stadt? Auf dem Festland! Die Lagune wird wohl früher oder später Opfer des Klimawandels und steigender Meeresspiegel. Oder vorher an Walt Disney verkauft und in einen Freizeitpark verwandelt. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Andererseits was anderes als ein Wunder ist es wenn eine Stadt über mehr als ein Jahrtausend hinweg sich gegen viele Feinde mitten in einer sumpfigen Lagune am Überleben halten konnte?

 

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