01.04.2014, Trieste und Friaul-Julisch Venetien

Zweisprachigkeit in den Doefern ueber der Stadt venezianischer Einfluss Sonnenuntergang von Trieste Schloss Miramare Schloss der Habsburger Relikte des Bahnmuseums Piazza Unita Piazza mia Mischung aus Oesterreich und Italien Kueste bei Miramare Kathedrale ueber der Stadt italienische Kinder wie eh und jeh interessante Speisekarte Habsburger Bauten Gassen der Altstadt Flohmarkt in der Stadt ein wenig Oesterreich ist noch in der Stadt die bezaubernde Francesca der alte Bahnhof Campo di Marzo das roemische Theater von Trieste Canale Grande di Trieste Abendstimmung an der Mole von Trieste

 

Wenn man Venedig verlässt so zeigt sich das Hinterland zunächst eher langweilig und völlig flaché. Wendet man sich entlang der Küste nach Osten so beginnt es irgendwann hügelig zu werden. Dies ist der Beginn der bereits vorher erwähnten Region Friaul-Julisch Venetien, dem österreichischen Teil des Veneto. Der Reiseführer sagt dort seien nicht die Pasti oder die Spaghetti die Nationalspeise, sondern Knödel! Die Hauptstadt Trieste ist geographisch bereits Teil des Balkans, da es die erste Stadt an der Ostküste der Adria ist. Auch geologisch gehört Trieste schon zum Balkan, wie mir beim Erblicken der karstigen Jurafelsen vor dem Erreichen der Stadt auffällt. Trieste war der näheste Meereszugang ab Wien und aus diesem Grund sehr wichtig für die Habsburger. Daher wurde die Wocheiner Bahn vom Wiener Südbahnhof über den Semering bis zum Bahnhof Campo di Marzo am Hafen von Trieste erbaut (der Teil über den Semering ist heute bereits Weltkulturerbe). Heute liegt diese Station südlich der Altstadt, dahinter kommt fast nur noch Ausland. Daher entstandt später ein neuer Bahnhof am nördlichen Ende der Stadt, welcher heute noch als Stadtbahnhof fungiert. Das deutlich mondänere Campe di Marzo verfällt und dient heute noch einem kleinen Bahnmuseum als Heim. 1918 wurde die Region erstmals Teil von Garibaldis neu erschaffenem National-Italien, aber bereits 1945 ging fast das gesamte Hinterland an Jugoslawien verloren. Heute wird in der Stadt eigentlich nur Italienisch gesprochen und es wird auch so gelebt. Aber der alte Einfluss ist noch sichtbar. Ein Teil der Altstadt ist in schönen, langen Strassen erschlossen. Dieser Teil wurde so von den Habsburgern gebaut. Dahinter liegt die verwinkelte mittelalterliche Altstadt. Sissi wird noch immer sehr verehrt, auch eine Bar ist nach ihr benannt. Viele Gerichte sind noch immer mit ihren deutschen Namen auf den Speisekarten zu finden, es gibt „Leberkas“, „Gulaschsuppe“, „Kaiserfleisch“, auch Schweinshaxen in Starkbiersosse aus der Hausbrauerei sind zu haben. Aber man kann auch noch immer eine Ahnung vom Schrecken des Krieges bekommen. 1944 versuchte Tito die Region ethnisch zu säubern. Italiener, Slowenen, Kroaten und Österreicher lebten immer gemischt, von Udine bis hinunter nach Istrien. Dann wurden viele Italiener vertrieben und die Stadt unternahm starke Anstrengungen nicht in die Hände der Jugoslawen zu fallen, zwar erfolgreich, aber mit vielen Opfern verbunden. Die Grenze verläuft heute dicht an der Stadt auf fast drei Seiten, die vierte Seite ist die Adria. Mit Italien ist nur ein schmaler Küstenstreifen verbunden. Auch wenn die Grenze so nah ist, Slowenen fallen in der Stadt kaum auf. Früher, kurz nach Ende des kalten Krieges, sollen sie scharenweise die Läden der Stadt geplündert haben. Heute dagegen ist es deutlich billiger in Slowenien einzukaufen. Aber sobald man in die Dörfer über die Stadt gelangt, welche gerade noch so zu Italien gehören, fällt sofort die durchgehend zweisprachige Ausschilderung auf.

Ich treffe Francesca in Trieste. Sie zeigt mir die Geheimnisse und versteckten Gassen der Stadt. Francesca ist 24 Jahre alt und als Studentin in die Stadt gekommen und hat sie langsam lieb gewonnen. Francesca weiß wie schwer es heute als junger Mensch im Italien der Krise ist. Dies tut ihr umso mehr weh da sie Italien liebt. Sie hat die Fehler ihres Landes erkannt, ist aber, wie so viele andere auch, unfähig sie zu ändern. Sie ist damit ein Sinnbild für ihr Land. Viele Ämter und Posten werden nur nach Vitamin B und nicht nach Kompetenz vergeben. Die Professoren an der Uni meinen „Weshalb lernst du hier soviel, am Ende wirst du doch nur Ehefrau und Mutter?“. Teile der Gesellschaft finden es noch immer anormal das eine junge Frau von 24 Jahren noch nicht verheiratet ist und versucht ihren Weg zu gehen. Es ist nicht so das Francesca keine Familie oder Kinder wollte, aber wie viel Zeit hierzu hat sie noch? Und wann kann sie damit rechnen einen Job zu finden, der genug einbringt um diesen Schritt zu wagen? Vermutlich zu spät. Viele verlassen deshalb das Land. Francesca liebt ihr Land aber mit all seinen Fehlern, will also bleiben. Diese tragische Liebe, da ist es was Italien ausmacht. Die italienische Geschichte ist eigentlich fast immer ein Drama gewesen, das von seinem Volk aber meistens wie ein Tragikomödie begangen wurde. Fröhlich sein, herzlich sein, einen Kaffee trinken, mit Freunden zu lachen, das haben sich die Italiener niemals nehmen lassen. Ein angstvolles, pessimistisches Volk wie die Deutschen wäre in derselben Lage bereits geschlossen in die völlige Depression gefallen. Aber in Menschen wie Francesca sehen wir die wahre Kraft, welche in den Italienern liegt. Italien, eine alte Nation, deren Zeit nach Meinung vieler schon vor langem abgelaufen ist, aber immer noch da ist. Und wird, trotz allem, auch nicht so schnell gehen. Denn ein Volk, dessen Geschichte immer wieder von Hell auf Dunkel und von Dunkel auf Hell wechselte weiß das auch nach dem aktuellen Dunkel irgendwann wieder das Hell kommen wird. Wann genau? Das weiß keiner, aber es wird kommen, ganz bestimmt!

 

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