03.-06.04.2014, die Balkanschiene runter bis an den Bosporus

Suppenkueche in Sofia fuer Arme suedlich von Sofia steigen die Berge auf ueber 2000 Sofia Zentrum Sofia Central - der haesslichste Bahnhof der Welt Sofia schicker Busbahnhof von Sofia Ruinenbahnhof in Bulgarien Morgenstimmung im Zug von Belgrad kurz vor Sofia Liz wartet in Sofia auf die Abfahrt nach Istanbul Impressionen von der Balkanschiene aus Bulgarien Horrofbahnhof von Sofia gruene Strasse im Zentrum von Sofia die Prachtfussgaengerzone von Sofia die orthodoxe Kathedrale von Sofia die Monsterbahnhofshalle von Sofia, zur Haelfte gesperrt Der Horrofbahnhof von Sofia - alles ist kaputt dagegen der Busbahnhof von Sofia Bouquinistes in Sofia Abendstimmung in Bulgarien 10 Jahre NATO Bulgarien, was fuer ein Fehler Railer im NZug nach Sofia Einfahrt nach Belgrad die ethnisch gesaeuberte jugoslawische Tiefebene Bahnhof von Zagreb Bahnhof von Bulgarien Bahnhof von Belgrad2 Bahnhof von Belgrad1 Bahnhofsvorplatz von Belgrad Bahnhof in Serbien Bahnhof in Kroatien

Durch Ljubljana verläuft die aus Österreich kommende Balkanschiene, einfach immer gerade aus bis zum Bosporus. Aber es gibt heute nur noch einen täglichen Zug bis Belgrad. Und wenn man diesen besteigt dann sieht man wie unterschiedlich sich die ehemaligen Jugostaaten entwickelt haben. Solange man noch durch Slowenien fährt ist alles sauber und in bestem Zustand. Auch die Landschaft verwöhnt den Reisenden. Kroatien empfängt einen mit einer Stufe Abstieg im Wohlstandsranking. Paradox ist auch das man heute von Italien ohne Kontrolle in das ehem. Jugoslawien einreisen kann, wenn man aber unter den früheren Bruderstaaten wechselt, dann wir scharf kontrolliert und die Pässe eifrig gestempelt. Kaum ist man in Kroatien eingetroffen wird die Landschaft eben und todlangweilig. Und das ändert sich bis Belgrad nicht mehr. Das ist sie also, die ethnisch gesäuberte jugoslawische Tiefebene. Um diesen Landstrich haben sie noch vor 20 Jahren gebombt und einen Völkermord begangen und vor allem die serbische Minderheit komplett weiter noch Osten vertrieben. Viele Kirchen haben neue Türme. Ich erinnere mich das die serbische Artillerie damals gerne die kroatischen Kirchen unter Feuer nahm. Auf der eine Seite weihten die katholischen Pfarrer die Waffen und verdammten die Orthodoxen, auf der anderen Seiten weihten die orthodoxen Pfarrer die Waffen und verdammten die Katholiken. Aber hat damals auch nur einer eine Sekunde lang realisiert das beide den selben Gott anbeteten und um Unterstützung gegen die „Barbaren“ baten? Welche Wahnsinnigen wollten sich damals mit diesem Krieg ein Denkmal setzen? Und wer hatte nun Recht und wer Unrecht? Wohl schweigen nun seit vielen Jahren die Waffen, aber abgesehen von Slowenien hat dieser Krieg noch immer Narben in den Gesichtern der armen hier lebenden Menschen hinterlassen. Und dies sollte uns gerade heute mahnen uns von der USA nicht in den nächsten Krieg um die Krim und gegen Russland treiben zu lassen. Am Ende verlieren immer die Menschen.

Erreicht man Serbien geht es auf der Wohlstandstufe gleich nochmal eine Stufe weiter runter. Kein Vergleich mehr zu Slowenien. Für einen Serben muss Ljubljana heute wie das Paradies vorkommen. Belgrad empfängt den Reisenden mit fürchterlichen Vororten, man möchte mit den Menschen in diesen Baracken niemals tauschen müssen. Waren im Krieg die Serben lange Zeit militärisch auf der Siegesseite, so sieht man heute sehr schnell wer diesen Krieg gewonnen und wer verloren hat. Serbien bezahlt noch immer einen teuren Preis und die Leute tun mir leid. Der alte Bahnhof von Belgrad macht dagegen etwas her. Hier lebt sie noch, die Belle Epoque. Müsste er zwar auch ein wenig renoviert werden macht dies vielleicht gerade seinen Charme aus. Weiter geht es im Nachtzug nach Sofia. Auch nach Bulgarien fährt heute nur noch dieser eine Zug, eine ganze Nacht für 500 Km. Von Kroatien nach Serbien nur ein Zug täglich, das gleiche von Serbien nach Bulgarien und von dort nach Istanbul. Die Eisenbahnen auf dem Balkan sind herunter gekommen. Die Streichung vieler Verbindungen liegt am schlechten Zustand des Wagenmaterials, so dass nicht genug Einsatzfähiges vorhanden ist um die früheren Verbindungen alle noch anzubieten. Durch diese verloren gegangene Flexibilität werden die verbleibenden Züge auch nur wenig genutzt. Auch Bulgarien sieht nicht soviel anders aus als Serbien und der Bahnhof von Sofia ist eine einzige Betonwüste, welche jetzt komplett saniert werden muss. Der Bahnhof ist ein Schlachtfeld. Wenn man den direkt daneben liegenden Busbahnhof aufsucht kann man erkennen wohin der Trend geht. Dieser steht piekfein und sauber da. Sofia ist heute eine Mischung aus ein wenig renovierter Stadt und noch immer vorhandenen kommunistischen Niedergang. Gerade heute feiern sie hier „10 Jahre Bulgarien in der Nato“, was für ein Paradox, wo uns dieses „Friedensbündnis“ gerade heute am liebsten wieder in den nächsten Krieg schicken würde. Ein Grund zum Feiern? Wohl nur für die Waffenexporteure! Leider scheinen die meisten Menschen auch in diesem Land nicht zu wissen das man als Mitglied der Nato kein freies Land ist, das man nur von der Knechtschaft A in die Knechtschaft B wechselte. Diese neue Knechtschaft kommt zwar auf den ersten Blick ein klein wenig charmanter daher mit Mc Donalds und Hollywood, am Ende aber funktioniert man als Regierung aber entweder wie es Washington anweist oder man wird entfernt. Das die „guten Jungs aus Hollywood“ den Austausch einer Regierung drauf haben wurde uns gerade erst vor wenigen Wochen in Kiew wieder gezeigt. In Sofia gibt es jetzt eine sehr schön gemachte Flaniermeile nur für Fußgänger. Hier kann man im Café sitzen und teure Markenware kaufen. Nur weniger Meter dahinter gibt eine Suppenküche ein karges Mahl an Bedürftige aus. Was diesen Menschen wohl die 10 Jahre Mitgliedschaft in der NATO gebracht haben? Und was werden diese davon haben wenn sich ihr Land nun in einen Krieg um die Krim hinein ziehen lässt? Allein die Stellung dieser richtigen Fragen gibt die Antwort!

Auf der Weiterfahrt treffe ich Liz aus London wieder, sie kam schon im gleichen Zug wie ich aus Belgrad. Sie will weiter über Israel, Jordanien und Ägypten in den Sudan reisen, dagegen ist meine Reise kalter Kaffee. Einen wirklichen Zug kann man diesen Bosforexpress nun leider nicht mehr nennen. Da die Anzahl der Fahrgäste so stark sank lohnt sich ein eigener Zug nicht mehr und es verkehrt lediglich ein Kurswagen ab Sofia, welcher an einen nationalen Zug angehängt wird. Auf gleiche Art und Weise verkehren noch zwei weitere Wägen ab Bukarest ebenso als Anhängsel und irgendwo mitten in der Nacht bilden diese drei Wägen dann einen Zug. Das häufige rangieren ist unangenehm und verlängert die Fahrzeit, aber für abenteuerlustige Reisende trotzdem ein muss. Diese Nacht im Zug ist deutlich kürzer, gegen 2 Uhr müssen alle Fahrgäste am Grenzbahnhof Kapikule am Bahnsteig antreten und sich ihre Pässe stempeln lassen. Nebenbei wird noch zollfreie Ware verkauft. Der Schlafwagenschaffner aus Bulgarien bittet mich für ihn drei Stangen Zigaretten dort zu kaufen, da es ihm als Mitarbeiter der Eisenbahn nicht gestattet ist dort zollfrei einzukaufen. Da er mir das Geld im voraus gibt tue ich ihm diesen gefallen. Und gegen halb sechs werden wieder alle geweckt, da der Zug in Cerkezköy hundert Kilometer vor Istanbul endet. Die Gründe hierzu später. Per Bus geht es weiter in die Stadt, welche am frühen Sonntag morgen bei grauem Himmel und kühlem Wind gegen sieben Uhr erreicht wird. Um diese Zeit ist Istanbul noch leer und still. Wie eine Kulisse ohne Statisten. Doch das wird sich bald ändern. Am Bahnhof Sirkeci endet die Balkanschiene, an gleicher Stelle wo auch der Orientexpress seine Endstation fand.

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