06.-12.04.2014, von Konstantinopel bis Istanbul

vorne das alte konstantinopel hinten das marmarameer venezianischer palast als vorbau zur ital kirche un mosque peut cacher un autre ueber dem goldenen horn theodosianische landmauer stadttor theodosianische landmauer 4 theodosianische landmauer 3 theodosianische landmauer 2 theodosianische landmauer 1 stilles gebet in der neuen moschee steile gasse der altstadt kinder im armenviertel er traegt noch nicht einmal schuhe katholische kirche kaiser wilhelm brunnen am hippodrom im grossen bazar 3 im grossen bazar 2.JPG im grossen bazar historische tram tuenel taksim hippodrom hagia sophia 4 hagia sophia 3 hagia sophia 2 hagia sophia 1 grosser bazar ali baba haette hier die qual der wahl galataturm frau im tschador vor moschee faehranlager unter der hagia sophia erholung am ufer von uskudar asien die neue moschee direkt unten am faehranleger die hagia sophia der leanterturm vor der kulisse beyoglus der gewuerzbasar der bosporus das valens aquaedukt bosporus blick auf galatasary blick auf das goldene horn blick auf das genueserviertel blaue moschee innenhof blaue moschee 3 blaue moschee 2 blaue moschee 1 auf der theodosianischen landmauer 2.JPG auf der theodosianischen landmauer auf den faehren wird immer tee serviert angler auf der galatabruecke abgelegenes viertel der altstadt 2.JPG abgelegenes viertel der altstadt

Ich höre Istanbul – die Augen geschlossen! Dies kann auch James Bond von sich sagen. Der letzte Klassiker „Skyfall“ beginnt ja in Istanbul. Achten Sie einmal gleich zu Beginn ganz genau auf die Geräusche. Noch während das Logo der Verleihgesellschaft im Bild erscheint, bevor der eigentliche Film visuell beginnt, kann man die Geräusche der Stadt vernehmen. Erst wenige Sekunden später erscheint der Agent in dem langen, unscharf wiedergegebenen Hausflur, welcher ein wenig an das sonst übliche Intro mit dem Gunbarrel erinnert. Istanbul, eine gewaltige Stadt, welche ich auch in meinem nun gleich mehrtägigen Aufenthalt nicht völlig erfassen kann. Istanbul, die größte Stadt Europas. Aber halt, ist Istanbul überhaupt eine europäische Stadt? Man sagt ja immer es sei die einzige Stadt welche zugleich auf zwei Kontinenten liegt. Istanbul ist eben so groß, ein Kontinent allein genügt dieser Stadt nicht. Der Bosporus, welcher sich mitten durch die Stadt wie ein Fluss zieht, trennt Europa von Asien ab. In Asien leben heute etwa ein Drittel aller Einwohner der Stadt, der Hauptteil ist aber noch immer in Europa. Man sagte mir einmal Istanbul würde eigentlich aus drei Städten bestehen. Einmal die asiatische Seite, dann Europa nördlich des Goldenen Horns und Europa südlich des Goldenen Horns. Ist Istanbul eine transkontinentale Stadt, so war das alte Konstantinopel eine rein europäische Stadt. Im Volksmund nennen wir diese Stadt bis zum Fall des Oströmisch-Byzantinischen Reiches im Jahre 1453 Konstantinopel und ab diesem Zeitpunkt Istanbul. In Wahrheit wurde der Name aber erst unter Atatürk im Jahre 1930 offiziell geändert, bis dahin blieb der Name nach wie vor zu Ehren des römischen Kaisers Konstantin, welcher von 306 bis 337 n. Chr. im Amt war. Touristen sehen im Grunde nur max. vier der insgesamt 39 Stadtteile. Dies sind vor allem Fatih, welches 90% der Fläche des alten Konstantinopel abdeckt und auf der historischen Halbinsel liegt sowie das nördlich des Goldenen Horn liegenden Beyoglu mit dem Taksimplatz. Sekundär spielen noch die beiden asiatischen Stadtteile Üsküdar und Kadikoy eine Rolle, liegen in ihrer Bedeutung aber weit hinter den beiden erst genannten Bezirken. Den Rest der Stadt, immerhin 35 Stadtteile, sehen so gut wie keine Touristen. Dies ist auch bei mir nicht anders.

Das Orakel von Delphi gab den Ausschlag zur Gründung der Stadt auf der alten Halbinsel, im Norden durch das Goldene Horn, im Osten durch den Bosporus, im Süden durch das Marmarameer begrenzt und lediglich nach Westen hin über das offene Land erreichbar. Durch seine wichtige Lage an einem bedeutenden Wasserweg wurde es eine wichtige Stadt des römischen Reiches und Kaiser Konstantin erwog es zur neuen Hauptstadt „Nea Roma“ zu machen. Doch die Reichsteilung kam dem zuvor. Beide Kaiser ließen ihre Hauptstädte in etwa zur selben Zeit mit einer Stadtmauer versehen, was im Falle von Konstantinopel aber sehr viel einfacher war, da nur eine Seite abgesichert werden musste, Rom dagegen eine Binnenstadt ist. So hielt die Stadtmauer von Rom dem Ansturm der Germanen auch nur ca. 100 Jahre stand, während die Theodosianische Landmauer von Konstantinopel ihre Stadt ca. 900 Jahre schützen konnte. Die Theodosianische Mauer wird von einigen Historikern als eine der erfolgreichsten und bestdurchdachten Befestigungsanlagen in der Geschichte der Kriegstechnik angesehen. Viele der einschneidendsten Ereignisse in der Geschichte der Stadt stehen eng mit diesem außergewöhnlichen Bauwerk in Zusammenhang. Trotz zunehmenden Verfalles und dem Aufkommen der Feuerwaffen, waren die Befestigungen bei entschlossener Verteidigung auch noch in der Mitte des 15. Jahrhunderts nur schwer zu überwinden. Die Komplexität der Verteidigungsanlagen trug wesentlich zum langen Bestehen des Oströmischen Reiches bei. Fährt man heute ausgehend von der Hagia Sophia mit der Tram bis zum Erreichen der alten Landmauer bekommt man ein Gefühl für die Größe dieser Stadt bereits zu diesem frühen Zeitpunkt. Das Oströmische Reich war auch zum Ende der Antike der einzige komplett christliche Staat. So entstand mit der Hagia Sophia das damals größte christliche Gotteshaus der Welt, auch in Rom gab es zu diesem Zeitpunkt keine größere Kirche. Der Bau der Hagia Sophia war der letzte große Baubeginn in der Antike und markiert den Aufbruch ins Mittelalter. Wobei das Mittelalter zur Antike gesellschaftspolitisch eher ein Rückschritt war. Durch einen so imposanter Sakralbau konnte die Kirche ihre Macht demonstrieren und warf den gesamten Kontinent für 1000 Jahre in eine dunkle Phase unserer Geschichte mit vielen Kriegen, Kreuzzügen, der Inquisition, der Verleugnung der Wissenschaft und viele medizinische Errungenschaften der Antike gingen verloren. Das Ende des Mittelalters, ca. 1000 Jahre später, wird durch drei Ereignisse markiert, von denen eines auch in Konstantinopel passierte. Zum einen war es die Vollendung der Reconcista in Spanien, das heißt die vollständige christliche Eroberung Iberiens mit dem Ende der religiösen Toleranz der bis dahin herrschenden Araber, zum anderen die Entdeckung Amerikas und zuletzt die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen am 29. Mai 1453. Man spricht heute ab dem Jahre 1500 vom Beginn der Neuzeit, die damals lebenden Menschen dürften aber während ihrer Lebenszeit keine besonderen Veränderungen festgestellt haben, schon gar nicht über Nacht. Noch immer war der Kontinent in den Händen der Inquisition und des Adels, nur langsam trauten sich manche Fürsten vom Papst loszusagen und Luther war es möglich dem Papst zu widersprechen ohne, wie 100 Jahre zuvor noch Jan Hus in Konstanz, von der Inquisition öffentlich verbrannt zu werden. Die Wissenschaftler trauten sich langsam und zaghaft das Offensichtliche auszusprechen, wie Galilei. Wirklich zu Ende war das Mittelalter endgültig aber erst mit der Gründung der USA und, vor allem, am 21. Januar 1793 auf dem Place de la Concorde in Paris mit der Guillotinierung des Königs Louis XVI und seiner Frau Marie-Antoinette.

In Konstantinopel kam es am 16. Juni 1054 zum großen Schisma, welches bis heute besteht und die orthodoxe Kirche von der katholischen Kirche abspaltete. Von da an befanden sich Ost und West in einem Konflikt dessen lachender Dritte der Islam in Form der Osmanen wurde. Ost und West schwächten sich gegenseitig so stark das am Ende den Osmanen auf ihrem Weg bis vor die Tore Wiens nichts mehr aufhalten konnte. Wie bereits berichtet ist ein Detail dieses Streits auch der Konflikt zwischen Venedig und Genua, wodurch Genau am Ende von Konstantinopel den Stadtteil nördlich des Goldenen Horns zugeteilt bekam, der heute oft Galatasary genannt wird. Symbol, bis heute, dieses Stadtteils ist der einst von Genua gebaute Galataturm, welcher damals das nördliche Ende der Stadtmauer war. Heute liegt der oft als „Stadtzentrum“ bezeichnete Taksimplatz ein gutes Stück weiter nördlich.

Kaiser Karl der Große ließ sich vom Papst zum Kaiser des heiligen römischen Reiches (aus welchem sich über viele Jahrhunderte hinweg langsam das Deutsche Reich entwickelte) krönen und sah sich in der Nachfolge der weströmischen Kaiser. Mit dem Fall von Konstantinopel sah sich der osmanische Sultan in der Nachfolge der oströmischen Kaiser. Beide Kaiser standen zunächst in einem Konflikt zueinander. Im laufe der Jahrhunderte wurden aus beiden aber eher Verbündete. So zog das osmanische Reich an der Seite des Deutschen Reiches und von Österreich-Ungarn in den ersten Weltkrieg. Die Folgen waren auch dort dieselben, das Ende der Monarchie. Die römischen Kaiser brachten einst die Kultur über unseren Kontinent, aber unsere modernen Völker beendeten diese Tradition auf barbarische Weise auf den Schlachtfeldern von Verdun. Danach kam in Europa das Zeitalter der faschistischen Diktaturen, deren Ende den Kontinent nicht nur auf den Schlachtfeldern in Schutt und Asche legte. Bislang meinten wir diese Nachkriegszeit sei 1990 überwunden und zu Ende gegangen. Aber die Vorfälle rund um die NSU, NSA, die NATO, Gladio und der Ukraine zeigen uns wir sind hier einem Irrtum verfallen. Bis zur wirklichen Freiheit unserer Ländern und Völker ist es noch ein weiter Weg und unsere Politiker werden ihn nicht gehen. Es ist an uns, den Menschen und Bürgern, ihn zu gehen!

Nähert man sich den mitten in der europäischen Altstadt liegenden Bazarviertel an so verwandelt sich die Welt in ein Stück Orient. Jüngere Frauen sieht man auf einmal deutlich weniger und die meisten der verbleibenden Frauen tragen Kopftuch oder gar noch mehr. Junge Menschen shopen eben viel lieber in den trendigen Markenboutiquen der großen Fußgängerzone, welche sich hinauf bis zum Taksim hinzieht. Fährt man mit dem Vapur-Linienschiff das Goldene Horn hinauf bis in die Nähe der alten Landmauer, immer noch Teil des alten Konstantinopel, so findet man sich in einem alten eher griechisch dominierten Viertel wieder. Hier liegt noch immer das Patriarchat der orthodoxen Kirche. Da die meisten Griechen entweder in angenehmere Wohngegenden gezogen sind oder die Türkei gleich ganz verlassen haben kamen an deren Stelle viele arme Einwanderer aus Ostanatolien. So hat man heute den Eindruck sich in einem Talibanland zu befinden, zumindest was die Anzahl der schwarzen Tschadore angeht, welche man hier sieht. Es ist schwer vorstellbar sich noch immer in Europa zu befinden.

Jeder Besucher eines arabischen Landes fällt bestimmt auf das die Architektur der dortigen Moscheen von denen in der Türkei abweicht. Die türkische Moschee hat mehrere schmale Minarette und ein hohes zentrales Gebäude, welches von einer Kuppel überlagert wird. Schaut man sich die alte Hagia Sophia in Istanbul an, so erkennt man das diese Kirche die Vorlage für diesen osmanischen Baustils ist. Nach der Eroberung der Stadt wurde die ehemals größte Kirche des Christenlandes in eine Moschee umgewandelt und mit vier Minaretten ausgestattet. Im Innern verblieben aber viele Mosaiken, welche Jesus und Maria gewidmet sind, da diese beiden Personen auch im Koran eine Rolle spielen. Trotzdem hatte die Hagia Sophia als Moschee für die Osmanen einen Makel, eben ihre christliche Vorgeschichte. So ging man in direkter Nachbarschaft schnell daran eine „reine“ Moschee zu bauen, die blaue Moschee. Und diese ist eine 1000 Jahre jüngere Kopie der Hagia Sohia, aber als einzige Moschee mit sechs Minaretten ausgestattet. Weiter unten, an der Galatasarybrücke, entstand einige Jahre später die sog. „neue“ Moschee, welche wieder an diese Vorlage anknüpft. Und so weiter und so weiter. Atatürk letztendlich entwidmete die Hagia Sophia als Moschee und machte aus ihre ein Museum, was sie heute noch ist. Daher kostet der Besuch heute Eintritt, man kann sie aber mit seinen Schuhen betreten. Die Blaue Moschee dagegen ist noch immer die Hauptmoschee der Stadt (und wohl der ganzen Türkei), daher kostenfrei zu besuchen, aber als aktive Moschee komplett mit schönen und weichen Teppichen ausgelegt, zu deren Schonung man seine Schuhe auszuziehen hat. Es gibt derzeit Stimmen in konservativen Kreisen der Türkei die Hagia Sophia möge wieder eine Moschee werden. Da es in Istanbul an prächtigen Moscheen nun aber wirklich nicht mangelt wäre eigentlich eine christlich-islamische Freundschafts- und Begegnungsstätte eine bessere Idee – sicherlich auch zur Freude Gottes!

 

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