Istanbul, einmal anders

Anfahrt auf die prinzeninseln prinzeninsel zentrale anlegestelle prinzeninsel schoene kueste prinzeninsel pferdekutsche prinzeninseln mit pferdekutsche prinzeninseln istanbul einmal autofrei prinzeninseln kueste prinzeninseln himmlische ruhe prinzeninseln einfach mal ausspannen prinzeninseln anfahrt 6 prinzeninseln anfahrt 5 prinzeninseln anfahrt 4 prinzeninseln anfahrt 3 prinzeninseln anfahrt 2 prinzeninseln anfahrt 1 prinzeninseln2 prinzeninseln1 prinzeninsel es weiden schafe prinzeninsel entspanntes picknick prinzeninsel blick von einer insel auf die naechste 2.JPG prinzeninsel blick von einer insel auf die naechste prinzeninsel3 istanbul zieht sich ueber viele berge und huegel europa und asien zugleich gesehen von der bosporusbruecke essen mit necip blick von der stadtautobahn blick vom asiatischen istanbul auf das stadtzentrum in europa blick auf den moloch asiatisches istanbul auf dem weg nach asien asiatisches istanbul blick bei der fahrt auf die prinzeninseln Anfahrt auf die prinzeninselnIch treffe Necip in Istanbul.

 

Er ist 28 Jahre alt und angehender Arzt am Universitätskrankenhaus. Aufgewachsen ist er im anatolischen Teil der Stadt, da sein Krankenhaus aber nahe der Theodosianischen Landmauer liegt wohnt er nun in Europa. In diesen Tag hatte er gleichzeitig zwei Patienten, welche nichts voneinander wussten. Der eine war im letzten Sommer unter den Demonstranten des Gezi-Parks und bekam dabei eine Tränengasgranate mitten ins Gesicht. Der andere ist Polizist und musste damals auf Befehl hart zuschlagen. Viele Ärzte hassen die Regierung und behandeln daher Polizisten schlecht. Für Necip ist das aber keine Argument. Menschen sind Menschen sind Patienten. Und unser Polizist ist auch ein Opfer dieser Politik, genauso wie die Opfer unter den Demonstranten. Man ließ ihn damals über 40 Stunden am Stück auf dem Taksimplatz im Einsatz. Da kann keiner noch so große vorhandene Menschlichkeit noch übrig bleiben und dies war wohl Kalkül.

Obwohl Necip eine gute Ausbildung hatte ist er mit seiner beruflichen Situation unzufrieden. Denn die Arbeitsbedingungen sind nicht gerade einfach. Ihm steht nur ein komplett freies Wochenende pro Monat zu und mindestens einmal die Woche wird von ihm eine 33-Stunden-Arbeitsschicht am Stück erwartet. Seinen Urlaub kann er auch nicht nehmen wann er es selbst gerne hätte, sonder er wird immer kurzfristig vorher informiert wann er ihn zu nehmen habe. Da der Weg bis nach Asien weit ist sieht er seine Familie vielleicht einmal pro Monat. Ein Studienkollege von ihm fing kürzlich in einem Krankenhaus in Leipzig an und schwärmt von den dort viel besseren Arbeitsbedingungen. Es gibt mehr Freizeit, kürzere Schichten, die Urlaubsplanung ist einfacher und, auch noch, mehr Geld. Necip ist mit sich am hadern ob er nicht auch den Weg nach Deutschland gehen sollte. Er meint, so paradox dies klingt, dann könnte er aufgrund der mehr vorhandenen Freizeit seine Eltern öfter sehen als nun, wo sie beide in derselben Stadt leben. Denn er fühlt sich ausgelaugt und sobald seine Probezeit vorbei ist wartet auch noch der Armeedienst auf ihn. So hat er Angst das ihm seine besten Jahren gestohlen werden.

Istanbul ist etwa doppelt so groß als New York, man hat aber hier nicht so ein Gefühl der Enge. Istanbul hat sich mit seinen Wasserläufen viel besser verbunden als die Metropole am Hudson. Und es gibt in Istanbul auch kaum Hitze- oder Kälteepisoden, da der frische Wind am Bosporus immer für ein ausgeglichenes Klima sorgt. Ein Besuch Istanbuls im Hochsommer, kein Problem, es ist selten wärmer als 30 Grad. Auch jetzt, bei meiner Ankunft, ist dies der kälteste Punkt meiner bisherigen Reise, obwohl auch der südlichste Punkt. Man sagt Konstantinopel wurde wie einst Rom auf sieben Hügel errichtet. Dies gilt aber nur für die Fläche der alten Stadt. Heute erstreckt sich die Stadt teilweise über Täler, Berge und Hügel, es ist ein Auf und Ab über Brücken und Häuserschluchten sich über die Autobahnen durch die Stadt zu quälen. Und doch, es gibt ihn, den Stadtbezirk komplett ohne Autos. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden an jedem Tag! Und dies ist, da muss ich mich jetzt korrigieren, der vielleicht fünfte Stadtbezirk welcher auch von Touristen besucht wird. Und er ist so gar nicht Stadt. Vor der Küste der asiatischen Stadtteile liegen neun kleine Inseln, die Prinzeninseln. Von diesen sind vier Inseln von insgesamt 14.000 Menschen bewohnt und diese bilden einen der 39 Stadtbezirke. Und auf diesen Inseln sind private KFZ verboten, bis auf Müllabfuhr, Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen gibt es dort nur das Rad und Pferdekutschen. Es geht dörflich zu, in den Wäldern weiden Schafe, es kräht der Hahn und die Stadt kommt am Wochenende zum Luft holen.

Auf der Überfahrt zu den Inseln sieht man die nicht enden wollenden Stadt nach Osten, teilweise wirkt es wie die Favelas von Rio de Janeiro. Und dabei soll dies doch nur ein Drittel der Stadt sein. Den europäischen Teil kann man noch nicht einmal erahnen, so weit liegt er weg, aber wenn dort nochmal doppelt soviel Stadt liegt dann kann man erst in diesem Moment erahnen was 14 Millionen Einwohner wirklich bedeuten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s