12.-14.04., in 48 Stunden von Istanbul bis Ankara

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In den vergangenen Tagen von Istanbul sprang ich mehrmals von Europa nach Asien und wieder zurück, verbrachte aber jeden Abend brav in Europa. Nun wird es aber Zeit Europa auf Wiedersehen zu sagen und sich in den neuen Kontinent einmal richtig rein trauen. Eigentlich sollte der Zug, mit dem ich meine Reise in Richtung Osten fortsetzen will, ab Istanbul Haydarpasa verkehren. Aber, wie bereits erwähnt, liegt der Bahnverkehr ab Istanbul bis ca. 300 Km weiter östlich derzeit brach und die türkischen Eisenbahnen bieten auch keinerlei Ersatzverkehr. Nun könnte ich zwar einen der vielen türkischen Fernbusse bis Ankara besteigen, aber ich reise um mit der Bahn zu fahren. Und so erdachte ich mir einen kleinen Umweg über Izmir. Ab Istanbul nehme ich die moderne Fähre der IDO an das Südufer des Marmarameeres in Bandirma. Obwohl Bandirma westlich von Istanbul liegt zählt es zu Asien. Ab hier verkehrt der Zug ins noch weiter westlich liegende Izmir zweimal täglich mit einer Fahrzeit von sechs Stunden. Die Durchfahrt durch diese Gegend weckt alte Erinnerungen bei mir. Vor fast neun Jahren verkehrte ich hier bereits einmal mit der Bahn, auch auf dem Weg von Istanbul nach Izmir. Damals war ich mit meiner Freundin Anika auf unserer ersten großen Interrailtour unterwegs und wir wollten, nach dem Besuch Istanbuls, noch ein wenig nach Asien rein schnuppern und außerdem nicht auf selber Route wieder zurück nach Griechenland fahren wie wir bereits gekommen waren. Aufgrund des Marmarameeres gab es zu keinem Zeitpunkt direkte Züge von Istanbul nach Izmir. Entweder man nimmt das Boot bis Bandirma, oder man konnte ab Haydarpasa mit einem Zug nach Osten fahren und dann irgendwo in der Provinz auf einen aus Ankara kommenden Zug nach Izmir umsteigen. Damals war unser Wunsch einmal einige Kilometer auf der Bagdadbahn zu verkehren, heute stand mir diese Auswahl nicht mehr zur Verfügung und es verblieb das Schiff. Damals, vor neun Jahren, verkehrten wir durch diese Gegend an einem extrem heißen Sommertag und die Landschaft war braun. Heute ist es angenehm kühl, der Zug verfügt mittlerweile über eine Klimaanlage und die Landschaft ist erfrischend Grün.

Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei und liegt direkt am Ufer der Agäis. Von den drei großen Städten des Landes ist sie die modernste, nicht nur im Baustil, sondern auch in den Lebensgewohnheiten ihrer Bewohner. Aber beim Bummel durch die Stadt entdecke ich noch einige historische Ecken, wie z.B. die alte Karawanserei. Und dann sind sie auf einmal vor mir, alte Bilder dieser Stadt, als sie noch den Namen Smyrna trug. Vor dem ersten Weltkrieg war es eine vornehme und stolze Stadt, von Griechen, Armeniern und Türken gleichermaßen bewohnt. Während im Hintergrund „Stairways to heaven“ von Leds Zeppelin läuft erinnere ich mich beim Betrachten dieser Bilder wie Jeffrey Eugenidis in seinem Roman „Middlesex“ (welcher dann allerdings hauptsächlich in Detroit handelt) das Drama dieser Stadt schildert („makes me wonder“ – das Staunen der Welt). Die Türken unter Kemal rückten von allen Seiten auf die Stadt vor und die Menschen flüchteten an die Hafenquais. In der Bucht lagen viele Schiffe europäischer Nationen, welche hätten viele Flüchtlinge aufnehmen können. Aber für die meisten war an der Uferpromenade Schluss. Ob durch ein Versehen oder Absicht brach dann ein Großfeuer über die Stadt herein, welches unbarmherzig immer näher an das Ufer heran rückte. Die Schiffe der Franzosen, Engländer und Amerikaner schauten nur zu wie viele Menschen schrecklich verbrannten. Smyrna, eine goldene Geschichte welche im Schmerz endet. Die wenigen Überlebenden ging meist in die USA. In diesem Moment kommt es mir so vor wie wenn ich den Schmerz dieser Stadt und dieser Menschen für einen Moment spüren könnte. Erst wenn man wirklich Schmerz fühlte, wenn hilflose Emotionen nur Enttäuschung hinterlassen haben, man das tiefe Gefühl der Melancholie durch seinen Körper hat kriechen spüren, erst dann kann man verstehen was Freude und Lachen wirklich für eine Bedeutung haben. Wahre Freude entsteht erst durch die Überwindung der Melancholie. Heute, im Zeitalter von Facebook und I-Phone, wo viele Menschen nur noch von Event zu Event zappen, fehlt vielen Leuten diese emotionelle Erfahrung und oft wirkt deren Freude daher nur wie aufgesetzt. Und so ist es auch wenn man ein Land oder eine Stadt verstehen will. Man muss auch wissen wann dort wo wessen Blut vergessen wurde, erst dann kann man wirklich nach vorne blicken und die Stadt so sehen, wie sie ist.

Weiter fahre ich im Nachtzug nach Ankara, über 15 Stunden in einem einzigen Zug, aber dies wird meine komfortabelste Etappe der ganzen Reise sein, da ich ein ganzes Schlafwagenabteil ganz für mich allein habe. Und da ist sie wieder, die gute alte erhabene Zeit, als man das Zugfahren noch zelebrierte und auch Zeit und Muse für den Speisewagen hatte. Ein Bier, ein Tee, Hühnerkebab mit Reis, ein Nachtisch, alles für weniger als zehn Euro dort zu haben. In Deutschland streicht die Deutsche Bahn derzeit den Speisewagen auf fast allen noch verbliebenen Nachtzugverbindungen. Wer sie also noch einmal erleben will, diese gute alte Zeit, der möge hierher, nach Asien kommen. Aber wer weiß für wie lange diese Züge hier noch verkehren werden? Auch hier sollen neuen Trassen für den HGV-Verkehr entstehen und ob solche Züge hier dann noch verkehren werden? Wie durch einen Zufall habe ich auf meinem Reisecomputer meine Videos von der Neuhäuser Fasnet dabei. Und als es dunkel wird sehe ich sie mir an. Auch da kommt Wehmut auf, auf einmal bin ich wieder ein Narr auf der Gass von Neuhausen, während ich doch irgendwo durch die Dunkelheit von Anatolien zuckele. Ich erfuhr heute das Josefine Lang, die „Fine“ vom Vesperstüble, bei bester Gesundheit ihren 90. Geburtstag hat feiern dürfen. Das Vesperstüble hat so manch tolle Fasnet mit mir erlebt. Daher nun auch von hier, aus dem Zug in Anatolien, meine besten Wünsche an die „Fine“. Sollte dies zufällig irgendjemand lesen welcher die Fine kennt, bitte ich dies ihr auszurichten.

Am nächsten Morgen befindet sich der Zug irgendwo im anatolischen Hochland, die Landschaft ist aber karg, eben und eintönig. Irgendwann nähern wir uns der Stadt Ankara, der Weg führt doch Vorort über Vorort, es dauert lange ehe der Bahnhof erreicht wird. Nochmals ist Zeit für einen Besuch im Speisewagen, diesmal gibt es ein türkisches Frühstück mit viel Tee, Oliven, Gurken, Tomaten, Wurst, Käse, einem gekochten Ei (vergessen wir einfach mal „Schlank im Schlaf“) nebst Marmelade und Honig, alles zusammen für etwas mehr als drei Euro. In diesem ganzen Zug war ich der einzige Ausländer und nicht der türkischen Sprache mächtigen Reisende. Und vom Personal sprach ebenso kaum jemand mehr als zwei oder drei Worte Englisch. Trotzdem klappte die Verständigung hervorragend, Fußball ist ein wichtiges Thema, jeder wusste über die Niederlage Bayerns gegen Dortmund Bescheid.

 

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