Tehran, 19.04.2014-24.04.2014

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Vom alten Römischen Reich kennen wir noch heute den Spruch „alle Wege führen nach Rom“. Auch die Perser hatten in der Antike ihr Weltreich, schon viele Jahre vor den Römern, und dieses erstreckte sich über ein Gebiet welches dreimal so groß war wie der heutige Iran. Sogar bis nach Europa dehnte sich ihr Reich aus, das heutige Griechenland war der westlichste Ausläufer. Kein Wunder das die alte persische Kultur der europäischen so nahe steht. Zu dieser Zeit gab es noch keine Hauptstadt namens Tehran, diese entstand erst gegen Ende des Mittelalters und ist daher für persische Verhältnisse sehr jung. Trotzdem gilt heute das im Iran alle Wege über Tehran führen, besonders wenn man vom Ausland kommend durch das Land eine Rundreise machen will. Die Phalavidynastie verfolgte im 20. Jahrhundert den Plan diese Stadt zu einer modernen Weltstadt zu machen und ließ herzlos viele Quartiere der Altstadt einfach Abreisen. So zeigt sich das heutige Tehran meist als eine gesichtslose, moderne Stadt, bei der kein eindeutiges Zentrum ausgemacht werden kann. Zwar spricht man vom Gebiet zwischen dem Ferdowsiplatz und dem Imam-Khomeini-Platz vom sog. Stadtzentrum, aber zehn Kilometer weiter nördlich sieht die Stadt exakt gleich aus und ist genauso viel oder wenig Zentrum. Die Straßen verlaufen alle ziemlich gerade und rechtwinklig, trotzdem fällt dem neu Ankommenden die Orientierung anfangs schwer. Tehran hat in meinen Augen eine Zwillingsstadt, welche tausende Kilometer entfernt auf einem fernen Kontinent liegt, Los Angeles. Beide Städte sind mit ca. 14 Millionen Einwohnern ungefähr gleich groß und verfügen über kein echtes Zentrum. Beide Städte leiden unter extremen Verkehrsproblemen und haben nur ein ungenügendes U-Bahnnetz und ein verwirrendes Busnetz, welches auch unter dem Stau leidet. Beide Städte sind dazu noch von unzähligen Highways durchzogen und leiden oft unter einer Smogglocke. Der Vorteil von Los Angeles ist das es mit dem Pazifik einen Anschluss ans Meer hat, Tehran hat dagegen im Süden nur Wüste. Obwohl auf deutlich über 1.000 Höhenmeter gelegen leidet Tehran häufig unter hoher Hitze. Nach Norden steigt die Stadt spürbar an und sie endet am Fuße des Alborzgebirges, welches auf über 5.000 Höhenmeter aufsteigt und die Wüste von Tehran von der Frische des nahen Kaspischen Meeres abschneidet. Da die nördlichen Stadtteile deutlich höher liegen und es dort spürbar kühler ist entwickelte sich dieser Teil der Stadt zum Quartier der Reichen und besser gestellten. Noch heute leben hier die vermögendsten Bürger des ganzen Irans. Von hier ist die Flucht per Seilbahn in die Höhenluft des Alborz auch ein schneller Weg. Im Gegensatz zu Los Angeles ist man in Tehran sehr stark bemüht dem Verkehr Herr zu werden. Das U-Bahnnetz wird ständig ausgeweitet, man hat Expressbuslinien mit eigenen Fahrspuren eingerichtet und für den zentralen Bereich der Stadt Zufahrtsbeschränkungen für private PKW erlassen.

In Tehran treffe ich Farhang, seine Zwillingsschwester Farnaz und viele derer Freunde. Nach nur einem kurzen Gespräch mit diesen Leuten hat man erkannt was das aktuelle Problem des Irans ist. Fast alle jungen Menschen, deren Zeit an der Uni sich dem Ende nähert, träumen davon das Land für immer zu verlassen und irgendwo in Europa oder in der USA ein gutes Leben zu führen. Natürlich hassen sie alle die Islamische Republik. Es sind Menschen wie wir, die sich im Privaten Kleiden wie wir, sie hören die selbe Musik wie wir und sie sehen meist auch aus wie wir und haben mit irgendwelchen kameltreibenden Arabern nicht nur äußerlich nichts gemeinsam. Sie legen auch alle großen Wert darauf nicht für Araber gehalten zu werden, was sie ja auch nicht sind, da die Perser den Indogermanischen Rassen angehören. Vom Islam halten sie wenig bis nichts, in die Moschee gehen sie nie und über Tschador tragende Frauen lachen sie nur. Aber all dies ist nicht das eigentliche Problem. Die islamische Republik hatte bereits vor 15 Jahren die gleichen Sittengesetze, und damals wurden diese deutlich strikter angewandt als heute. Heute weiß jeder von jedem das er die Regeln bricht, man tut einfach so als ob. Der Staat spielt dieses Spiel mit, ob zähneknirschend oder nicht sei dahin gestellt, es erlaubt zumindest nach Außen hin das Gesicht zu wahren. Alle jungen Leute wissen wie man die Sperren im Internet umgeht und toben sich wild bei Facebook und Twitter aus. Als ich in Mashhad eine Englischklasse besuche werde ich gefragt ob ich bei Facebook bin. Meine scherzhafte Antwort dies sei doch hier verboten löst nur schallendes Gelächter aus. Alle wissen wie und wo man sich verbotene westliche Musik runterladen kann, diese wird zwischenzeitlich bei der Fahrt mit dem Auto durch die Stadt so laut gehört das jeder mithören kann. Die Kopftücher sind mittlerweile ganz weit nach hinten gerutscht und oft tragen Mädchen sehr eng anliegende Beinkleidung. Farhang weist mich oft darauf hin welcher Kleidungsstil seine Trägerin eigentlich ins Gefängnis bringen könnte, es kümmert nur niemanden, auch die patroulierende Polizei schaut nur zu. Es wird auf den zentralen Plätzen der Stadt knallhart geflirtet und die Mädchen sind nicht zu prüde die Männer so offen und herzlich anzulächeln das nur ein Blinder die Botschaft nicht verstehen kann. Ich wurde in meinem gesamten Leben von wildfremden, attraktiven jungen Frauen und Mädchen noch nie so deutlich angelächelt wie in diesen Tagen in Tehran. Einfach so, einfach nur weil ich eben da bin. Vielleicht erkannte die eine oder andere das ich aus dem verehrten und geachteten Deutschland komme was einen in diesen Kreisen fast in den Status eines VIP katapultiert und vielleicht machte mich dies subjektive attraktiver. Vielleicht spielte dies aber auch gar keine Rolle, so genau ist das nicht zu sagen. In diesen Tagen berichtet der Spiegel das es in Tehran eine Demonstration für die harte Umsetzung der Kleidungsvorschriften gegeben hat. Auf den ersten Blick eine schlechte Nachricht. Aber nur erfahrene Gegner erkennen was dies wirklich bedeutet. Gibt es derzeit in Stuttgart Demonstrationen für S 21? Nein. Und dagegen? Ja. Man geht immer dann auf die Straße wenn man Angst haben muss die Entwicklung geht nicht in die persönlich gewünschte Richtung! Gäbe es nicht einen klaren, unumkehrbaren Trend zu einer lockeren Umsetzung wären diese Menschen zufrieden und würden schön zu Hause bleiben. Alkohol wird in Tehran sehr viel getrunken und jeder, der ihn will, weiß wie er ihn besorgen kann. Auch dies ist ein offenes Geheimnis. Der Staat kann gar nicht so naiv sein dies nicht zu wissen, aber es scheint derzeit eine stillschweigende Übereinkunft zu gelten, das solange man nach Außen hin zumindest so tut als ob, die Staatsmacht sehr viel duldet. Und eben weil das Leben in der Islamischen Republik für die jungen Leute aus diesen Gründe heute doch so einfach ist kann hier nicht der Grund für den großen Emigrationswillen zu finden sein. Das Problem ist die wirtschaftliche Situation. Von 2005 bis 2013 war Mahmoud Ahmadinedschad Präsident der islamischen Republik. Von der westlichen Presse oft als die größte Gefahr für den Weltfrieden dargestellt ist dies natürlich grober Unsinn. Dessen größter Fehler war vielmehr seine Wirtschaftspolitik. In den Jahren seiner Präsidentschaft stieg der Ölpreis in bisher ungeahnte Höhen und die Staatskasse begann zu fluten. Anstatt dieses Geld nun in zukunftsweisende Projekte zu investieren verteilte es Ahmadinedschad lieber als soziale Geschenke an die Armen um sich dort seine Beliebtheit zu sichern. Hierdurch verlor die iranische Wirtschaft den Anschluss an das Weltniveau, das westliche Embargo trug das seine dazu bei. Die Inflation steigt seid Jahren rapide an, der Wertverfall des iranischen Rial geht in gleicher Weise stetig weiter. Mittlerweile passen die vorhandenen Nennwerte der Scheine nicht mehr zum Preisniveau. Der höchste verfügbare Nennwert ist 500.000 Rial. Dies entspricht ca. 11 Euro. Beim Wechsel von 100 Euro riskiert man mit Geldbergen die Wechselstube zu verlassen, welche weit über den Umfang der Geldbörse hinaus gehen. Trotzdem kommt man mit einer halben Million Rial nicht wirklich weit. Selbstverständlich deutlich weiter als in Europa, aber nach einem Mittagessen für eine Person und einer Taxifahrt ist auch diese Summe in Tehran verbraucht. So verzweifeln die vielen jungen Iraner heute nicht mehr an den Sittengesetzen ihres islamischen Landes, sondern an der Perspektivlosigkeit der Wirtschaftslage. Und das kann Sprengkraft haben, da 75% aller Iraner max. 30 Jahre alt sind und damit von dieser Problematik grundsätzlich betroffen sind. Kurz nach Gründung der islamischen Republik wurde das Land auf Geheiß der USA vom Irak angegriffen, der schreckliche Krieg dauerte acht Jahre und war völlig sinnlos, da er am Status Quo weder für den Irak, den Westen oder den Iran etwas änderte. Khomeini gab in diesen Jahren die Parole aus „Kinder für die Revolution“ und das Volk gab sich redlich mühe. So kamen all diese jungen Iraner in den Jahren des Krieges auf die Welt. Der Iran verfügt daher über die perfekte Alterspyramide seiner Gesellschaft, Probleme für den Rentenkasse sind nicht zu erwarten. Aber diese, uns in Europa gut bekannten Probleme, werden den Iran mit ca. 30 Jahren Verzögerung auch noch erreichen, denn diese jungen Iraner haben genauso wie wir keine Lust schon früh Kinder in die Welt zu setzen. Studium, Job und Karriere sind wichtiger, auch und gerade von Frauen. Die Geburtenrate ist daher ebenso im Keller. Und wenn nun noch einige dieser Leute dem Land den Rücken kehren dann kann man sich die Aussichten leicht ausrechnen, gerade da die Auswanderung meist den best qualifizierten gelingt.

So liegt das Gebot der Stunde in der Wirtschaftspolitik und darin sind sich sogar die Befürworter wie Gegner der islamischen Republik einig. Denn Jobs und Geld brauchen sie alle auf die eine oder andere Weise. Ebenso einig ist man sich darin keine neue Revolution anzuzetteln. Man ist schlau genug erkannt zu haben das Revolutionen zwar viel verändern, aber selten das bringen was sich deren Macher erhoffen. „Die Revolution frisst ihre Kinder“, kann man derzeit in Ägypten, Libyen oder Syrien sehr gut beobachten. Der neue Präsident Rouhani hat all dies erkannt und setzt als oberste Priorität daher nicht die Demokratisierung des Landes, sondern die Wirtschaftspolitik. So sind auch die Bemühungen zu sehen mit der internationalen Staatengemeinschaft das Problem um das vermeintliche Atomwaffenprogramm zu lösen und damit, so Gott will, auch die Wirtschaftsembargos zu überwinden.

Ob die vielen jungen Leute, welche derzeit von Auswanderung träumen, sollten sie einmal in dem Land ihrer derzeitigen Träume eingetroffen sein, dort wirklich ihre Freiheit oder ihr Glück finden werden, darf stark bezweifelt werden. Es ist immer leicht an seinem Heimatland das wahrzunehmen, was einem nicht gefällt. Die Vorteile nimmt man eher als selbstverständlich wahr. Am fernen Land seiner Träume, welches man häufig noch nie in seinem Leben wirklich besuchte, sieht man dagegen nur die Projizierung der eigenen Hoffnungen, nicht aber die genauso vorhandenen Schattenseiten. Die westlichen Länder sind viel kälter (dies bezieht sich jetzt nicht auf das Wetter) und ein wie im Iran bestehendes soziales Netz aus der Familie und guten Freunden gibt es nicht. Wer im Westen scheitert ist selbst schuld und hat die Folgen auch selbst auszubaden. Er war eben nicht hart genug, war nicht fleißig genug oder zu faul um richtig zu arbeiten. Hilfe und Mitleid ist nicht zu erwarten. Und wem dies nicht passt „der kann ja wieder dahin zurück gehen wo er hergekommen ist!“. Dies ist eine knallharte Lektion, welche viele Iraner erst noch bitter werden lernen müssen. Im Iran findet man dagegen immer gute Freunde oder die Familie, welche immer bereit sind zu helfen. Selbst die Ärmsten teilen ihr karges Gut mit dem Gast oder Bedürftigen, ohne Diskussion oder Widerrede.

Auf der Geburtstagsparty von Farnaz und Farhang wird Wodka ausgeschenkt und es werden laut alte persische Lieder gesungen. Irgendwann hat wohl ein Nachbar die Polizei gerufen weil es ihm zu laut wurde. Diese klingelt und bittet lediglich über die Sprechfunkanlage es doch bitte nicht zu übertreiben. Früher wären die Beamten rein gekommen und hätten sämtliche Personalien aufgenommen und es hätte Geld- oder gar Gefängnisstrafen wegen „unislamischen Verhaltens“ gegeben. Das Alkohol im Spiel war haben die Beamten ganz sicher ahnen können, aber es war kein weiteres Wort wert. Die Party ging danach unverändert weiter und diese kleine Unterbrechung tat der Stimmung keinen Abbruch.

Direkt nördlich der Stadt steigen die Berge steil und karg bis in weite Höhen hinauf. Mit einer Kabinenbahn kann der Stadtbewohner zum Wandern oder Skifahren dem Moloch entfliehen. Am 24. April sind die Schneeverhältnisse auf den Pisten noch in bestem Zustand und es soll ein Skirennen für Frauen stattfinden. Zu diesem Event installierte sich an der Skihütte ein moderner DJ, welcher lautstark die ganze Piste mit seinen Rhythmen beschallt. Es wird gedancet und geravt, die jungen Leute fühlen sich in diesen Momenten sehr frei. Unten in der Stadt könnten sie es nicht so weit treiben, aber hier oben braucht man sich nicht mehr zu verstecken. Obwohl diese Art von Musik auf das strengste Verboten ist wird teilweise härter aufgedreht als in Szenendiscos in Berlin. Da ansonsten kaum westliche Freizeitangebote bestehen geht der Iraner sehr gern in den Park, bis spät in die Nacht. Die Parks im ganzen Land sind auch fast alle in einem vorbildlichen Zustand. Und gerade zum Wochenende hin wird in den Parks gegrillt bis zum Umfallen, hier liegt eine große Konkurrenz zum deutschen Grillmeister. Hier trifft man sich ungezwungen, genießt die Stunden und fühlt sich frei.

In Tehran treffe ich auch noch Johannes Heger, einen aus Österreich stammenden Bahnexperten für den Iran. Er ist mit einer Iranerin verheiratet und sein zunächst eher hobbyhaftes Bestreben ist es dem Ausländer das Bahnsystem des Iran nahe zu bringen. Man darf aber nicht vergessen das dies nicht Herrn Hegers Haupteinnahmequelle ist, es ist ein mittlerweile sehr stark ausgeufertes Hobby. Das heißt bei Fragen zu Buchungen ist kein 24-Stunden-Service zu verlangen, dies würde die Möglichkeiten von Herrn Heger deutlich übersteigen.

 

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