Yazd, das Wüstenwunder, 08.-10.05.2014

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Obwohl die Eindrücke und Menschen toll sind bin ich doch froh der Hitze des Golfs über Nacht im Zug zu entschwinden. Es geht aber in eine Wüstenstadt, nach Yazd. Dort trifft der Zug am frühen Morgen um 05:40 ein und es ist angenehm kühl. Zum Nachmittag wird es dann zwar auch deutlich wärmer und man ist froh wenn man im Schatten sein kann, doch diese Wärme ist irgendwie viel angenehmer zu ertragen wie die schwüle Hitze am Golf. Yazd ist eine der Haupttouristattraktionen des Landes und dazu noch eine relativ kleine Stadt deren Sehenswürdigkeiten und Hotels alle sehr konzentriert liegen. Da ich hier beabsichtige einmal wie ein normaler Tourist in ein Hotel zu gehen fühle ich mich auf einmal komisch. Fast drei Wochen verbrachte ich nur unter Iranern und auf einmal ist man unter lauter Deutschen, Holländern, Franzosen und alle zehn Meter hört man europäische Sprachen in den Straßen der Stadt. Zunächst ist es erfrischend, doch relativ schnell stellen sich Abnutzungserscheinungen ein. Zeigt mir doch dieser Kontrast um wieviel tiefer ich in die iranische Kultur und Gegenwart eingedrungen bin als viele dieser Touristen. Und auf einmal läuft ein bekanntes Gesicht an mir vorbei. Miriam, welche ich Wochen zuvor in Ankara getroffen habe. Sie hat es also geschafft sich bis in den Iran hinein zu trampen und auch das Visa bekam sie. Die Welt ist doch klein. Ich zeige teilweise meine Videos der Privatpartys und Touristen, welche auch bereits seit mehr als einer Woche im Lande sind meinen dazu „Oh, da sind die Frauen ja ohne Schleier“. Weil sie selbst bislang keine einzige Frau ohne gesehen haben. Yazd hat seinen Besuchern aber allerhand zu bieten. Traditionell sind hier Bauten aus Lehm, welche teilweise heute noch so erstellt werden. Und die Moschee erstrahlt in einem Türkisblau welches seinesgleichen sucht. In Yazd gibt es noch die größte aktive Gemeinde der alten persischen Religion, den Zarathustrier, welche den Gott im Feuer sehen. Daher nennt man ihre heiligen Stätten Feuertempel. Heute leben die meisten Anhänger dieser Religion in Indien, aber im Iran sind die meisten Moslems stolz darauf das es diese Religion im eigenen Land noch gibt. Da der Islam vom Ausland gewaltsam über Persien gebracht wurde wird in dieser Religion das echte Persien gesehen. Vor langer Zeit wanderte einmal eine Gruppe von Persern auf die Insel Sansibar aus. Möglich, das sich darunter auch Zarathustrier befunden haben, denn hier wurde der unvergessene Freddy Mercury geboren und er war Zarathustrier, was nur wenigen bekannt ist. Nach seinem viel zu frühen Tod wurde er in Montreux am Genfer See streng nach den Riten seiner Religion beigesetzt.

In einer Wüste ist das größte Problem für die Menschen Wasser und Kühlung. In Yazd ist ersteres kein großes Problem da die Stadt am Rande der Wüste liegt und aus nicht weit entfernt liegenden Bergen Wasser seit Jahrhunderten in unterirdischen Kanälen in und unter der Stadt hindurch geleitet wird. Bleibt die Kühlung. Aber auch hier fanden die Menschen früh antworten. Über vielen Häusern der Altstadt stehen sog. Windtürme. Diese zapfen den Wind an und leiten durch ein Kamin, welches nach unten zieht, die warme Luft tief in den Keller, wo sie auf die unterirdischen Wasserläufe aus den Bergen trifft. Hierdurch kühlt die Luft um ca. 15° ab und wird nun durch andere Öffnungen nach oben in die Wohnräume geleitet. Eine komplette Klimaanlage aus 100% erneuerbarer Energie. Yazd ist somit eine der Pionierstädte der Menschheit für Windenergie. Aber auch die Sonnenenergie wäre für den Iran eine gute Quelle. Nördlich von Yazd und zugleich südlich von Tehran erstreckt sich in der Mitte des großen Landes eine gewaltige Leere, da hier eine Wüste das Leben unerträglich macht. Hier könnte man große Solarparks erstellen. Stattdessen meint man noch immer die Energieprobleme mit der Atomkraft lösen zu können. Aber hier verlassen wir die Pfade der Logik und Betreten die Pfade der Politik. In der anmaßenden Phase des westlichen Imperialismus blieb es dem alten Persien erspart Kolonie eines europäischen Landes zu werden, da es im Konfliktbereich zweier verfeindeter Imperialmächte lag. Im Osten lag Britisch-Indien und die Briten hätten den Iran zweifelsfrei gerne der englischen Krone einverleibt. Von Norden kamen aber die Russen und drängten über den Kaukasus ebenso Richtung Persischer Golf. Somit ließ man den Iran als eine Art Puffermasse sich selbst überlassen. Aber beide Mächte versuchten immer wieder indirekt in die Belange des Landes einzuwirken und die Randbereiche unter ihre Kontrolle zu bringen. Für eine so alte Nation wie Persien war das entwürdigend. Und obwohl diese Vorgänge im Westen heute keiner mehr auf dem Schirm hat findet man hier die Erklärung weshalb die iranische Führung heute so darauf erpicht ist dem Westen nicht zu schnell nachzugeben. Man hat in Sachen Nationalstolz noch etwas nachzuholen. Ich selbst bin davon überzeugt das der Iran nicht die Absicht verfolgt eine Atombombe zu erlangen. Vielleicht gab es derartige Überlegungen einmal vor vielen Jahren, wurden aber längst wieder fallen gelassen. Trotzdem darf in den aktuellen Verhandlungen nicht zu schnell klein bei gegeben werden, da diese alte Rechnung noch beglichen werden muss. Wenn man dem Iran nun allerdings Platz lässt und ihm das Recht auf Kernenergie zugesteht (es gibt sowieso keine Grundlage nach internationalem Recht dies zu verbieten) so könnte es sein man lässt die Kernenergie fallen und setzt auf Erneuerbare. Und für die westliche Seite gilt die Frage ob man überhaupt gewillt ist den Iran als Feind verlieren zu wollen. Denn Feinde braucht jeder, sie sind so geschickt wenn man von den eigenen Probleme ablenken will. Ahmadinedschad war daher ein Geschenk des Himmels für Netanjahu. Indem Netanjahu ständig vor der angeblichen iranischen Atombombe warnt und gerne sofort die Bomber losschicken würde lenkt er von den sozialen Problemen im eigenen Land ab und sichert sich Wahlsiege. Ohne einen Gegner wäre dies dem Wähler in Israel längst aufgefallen. Da man den Iran zumindest bislang als Feind brauchte wurde Ahmadinedschad von der Presse zur Inkarnation des Bösen aufgebaut. Aber auch Ahmadinedschad selbst tat dies nur aus rationalen Gründen. Im Iran hat der Präsident nämlich viel weniger Macht als wir dies vermuten. Und in den letzten Jahren befand sich Ahmadinedschad im Konflikt mit Teilen des Regimes. So versuchte er mit seinen Parolen das normale Volk hinter sich zu bringen oder, noch besser, Israel zu einem Angriff auf den Iran zu provozieren um so jede innenpolitische Debatte zu ersticken und das Volk in der Verteidigung hinter sich zu bringen. Ahmadinedschad und Netanjahu sind sich somit die besten Verbündeten gewesen. Und nun kommt auf einmal Rohani daher und erklärt das alles für beendet. Verständlich das Netanjahu nun ein Problem hat.

Und in Vorbereitung auf einen neuen geostrategischen Konflikt mit Russland und weil es im Iran über 70 Millionen potentielle Konsumenten gibt kam nun die Order an die westliche Presse Rohani positiv darzustellen. Dabei ist von diesem Mann auch keine Demokratisierung zu erwarten. Er nutzt nur ein anderes Vokabular, das besser ankommt (auch im eigenen Land), und er will im Gegensatz zu seinem Vorgänger die lahme Wirtschaft wieder in Gang bringen. Und hierzu braucht er Freunde und Partner im Westen, keine Feinde. Selbstverständlich wird es unter Rohani einige Auflockerungen der Restriktionen geben, aber Freiheit wird nicht er bringen, sondern die Menschen selbst. Anfangen müssen sie dazu aber zu allererst einmal im eigenen Kopf, wo manch einer noch Nachholbedarf hat. Aber ich erkannte in diesen Tagen das der Weg in die Liberalisierung nicht aufzuhalten ist, er geht nur langsam wie eine Schnecke voran. Dies ist aber allemal besser als einen Bürgerkrieg zu riskieren. In ca. 20 Jahren werden wir noch immer eine islamische Republik haben, aber eine völlig andere als heute. Das ist meine Vermutung.

Der geplante Reaktor in Buschehr wird ca. 2% der Energie des Irans liefern. In den meisten Ländern der Welt geht ca. 10% der Energie beim Transport verloren. Im Iran sind dies aufgrund schlechter Standards und Wartung ca. 20%. Würde man hier ansetzen könnte man die Energieprobleme des Landes viel besser lösen. Oder aber indem man auf das alte Beispiel von Yazd setzt und die Chancen der erneuerbaren Energien nutzt.

 

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8 Gedanken zu “Yazd, das Wüstenwunder, 08.-10.05.2014

  1. Daß Ahmadinedschad ein gefährlicher und peinlicher Idiot war, sagen selbst die meisten Iraner. Das kann man nun wirklich nicht auf Netanjahu schieben.

    Und daß niemand dem Iran mit seinem Atomprogramm traut, kann sich der Iran selbst zuschreiben. Wer UN-Inspektoren rauswirft, vereinbarte Inspektionen verhindert, Terroristen im Irak und Syrien und in Gaza mit Waffen und Soldaten unterstützt, wer mit Nordkorea zusammenarbeitet, wer selbst russische Kompromissvorschläge zur Urananreicherung ausschlägt, u.s.w, dem wird es schwer fallen, Vertrauen zu gewinnen.

  2. Selbstverständlich sind die Irrungen des Ahmadinedschad nicht durch Netanjahu veranlasst worden, er hat diese nur geschickt genutzt um von den hausgemachten Problemen abzulenken. Und das auch die meisten aller Iraner Ahmadinedschad nur für einen Spinner halten, der viel Porzellan zerschlagen hat, diesen Eindruck kann ich bestätigen. Ansonsten vielen Dank für die Bereicherung der Debatte.

  3. Ich habe deinen Iranbericht mit Interesse gelesen. Im April/Mai 2014 war ich selbst für 3 Wochen im Land auf einer großen Iranrundreise (nicht in einer Reisegruppe, sondern als Privatreise). und so kann ich eigentlich alles, was du über die Iraner, ihre Ansichten und ihren Umgang miteinander oder mit uns als Touristen schreibst, gut nachvollziehen und habe es selbst so ähnlich erlebt.

    Mit deiner politischen Einschätzung des Geschehens im Iran (und auch sonst in der Welt) gehe ich nicht einig. Zu viel davon ist zu plakativ, zu vel ist nur schwarz/weiß, zu wenig kritisch – auch im Hinblick deiner Einschätzung „des Islams“. „Der Islam“ (oder seine Anhänger) ist zu vielem fähig, wie wir mittlerweile alle wissen.

    Aber ich geb‘ dir mal ein Beispiiel: In einem der letzten Beiträge (ich glaube, es war Täbriz) schreibst du, der gläubige Muslim ist für seine whiskytrinkenden Kameraden losgezogen, um Knabberware (oder so) zu besorgen. dies sei ein Beleg der Toleranz im islam. Ich hoffe, du weißt selbst, dass das Quatsch ist. Tolerant war eben dein „Taliban“, ganz unabhängig von seiner Religion. Klar, seine Kumpels wollten was zum Knabbern…. was bleibt ihm da übrig.. er wollte halt kein Spielverderber sein. Das spricht für ihn (aber nicht für die „Toleranz“ im Islam).

    Ansonsten ordnest du dich mit deiner politischen Positionierung ganz gut ins Weltbild von Elsässer/Jebsen u.a. ein – und auch in den linksgrünen Mainstream hierzulande (Amerikaner/Israelis böse, alle tun dem Iran unrecht).

    Ich denke, du solltest das Schema, dem du hier folgst, etwas kritisch ausleuchten, Vielleicht fällt dir einiges selbst auf…

    Mir hätte dein Bericht wesentlich besser gefallen, hättest du deine persönliche und subjektive (politsche/religiöse) Sichtweise bezüglich des Irans etwas hintangestellt und mehr Alltägliches berichtet; der Leser hätte mehr davon gehabt…

    • Also persönliche Reiseberichte über den Iran findet man im Netz sehr viele, ich wollte ganz bewusst hier einen anderen Schwerpunkt setzen. Der Iran ist nicht in allem gut und perfekt und gerade Themen mit religiösen Schwerpunkten sind häufig Pulverfässer, welche die Emotionen über die Sachlichkeit die Kontrolle gewinnen lassen. Da aber die öffentliche Berichterstattung über den Iran in unseren Medien auch sehr einseitig und tendenziös ist will ich hier die andere, positive Seite des Irans klar in den Vordergrund stellen. Über viele andere Länder könnte ich ausgeglichener Berichten, da die Grund- und Basisinformationen der potentiellen Leser hier von Anfang an auch ausgeglichener sind. Hätte ich dies hier auch so getan wären die positiven Worte untergegangen und die negativen Worte hätten sich als Tropfen in einen grossen Ozean negativer Berichterstattung eingereiht. Um also eine möglichst ausgeglichene Meinung über den Iran zu erzeugen muss so ein Bericht viel stärkere positive Tendenzen aufzeigen als negative.

      Und bitte, liess meine Beiträge nochmals durch mit der notwendigen Sachlichkeit: Hier wird weder Isreal noch die Juden an sich kritisiert, sondern lediglich Netanjahu. Und exakt meine Ansicht wird in gleicher Weise von einem Ex-General der isrealischen Armee so geteilt: http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-und-irans-atomprogramm-general-wirft-netanjahu-panikmache-vor-a-968424.html

      Und ich habe die USA lange Zeit sehr positiv gesehen. Es ist auch schwer als Durchschnittsbürger eine abweichende Meinung als den Mainstream zu bekommen, da die USA über eine sehr gute PR-Abteilung namens Hollywood verfügen. Die Kehrseite dieser Medaille muss man aber auch zu Kenntniss nehmen und dann sieht die Welt (leider) anders aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio
      Man muss leider davon ausgehen das dies hier nur die Spitze des Eisberges ist. Und viele Probleme und Gegner des Westens haben die USA in den letzten Jahrzehnten nun einmal selbst aufgebaut, da kann man dazu stehen wie man will, es ist Fakt. Und die Fehler gehen gerade heute im Umgang mit der ISIS weiter. Da redet man mit Saudi-Arabien anstatt dem Iran, so sind die Chancen das Problem in den Griff zu kriegen in etwa so wie wenn man versucht die Fleicherinnung als Partner einer Werbekampagne für Vegetarische Ernährung zu gewinnen. Auch Scholl-Latour äussert sich in dieser Weise. Auch der langjähriger CDU-Bundestagsabgeordnete und Verteidigungsexperte Willy Wimmer.

      Mit den Meinungen Jürgen Elsässers gehe ich nicht in allen Bereichen konform. Ich teile ganz klar nicht seine Ansichten über Homosexualität und Familie und finde es schädlich das er einem Sarrazin und einer Eva Hermann eine Bühne geboten hat. Seine Einschätzungen über die Vorfälle in der Ukraine und seine Analysen zum NSU-Skandal teile ich aber. Gerade zur NSU lieferte er eine Theorie welche den tatsächlichen Vorfällen wohl deutlich näher kommt als das was uns unsere Regierung erzählte.

      Und Jebsen: Um diesen Namen wird grosser Wirbel gemacht welcher von den eigentlichen Fakten gekonnt ablenkt. Was ist falsch an seinen Ansichten? Sie sind in einigen Nuancen zu Antiamerikanisch und ein wenig zu Prorussisch, ja. Aber der Rest gibt die Weltlage ganz gut wieder. Bevor man über ihn urteilt sollte man das viele Videomaterial, das man mit ihm im Web finden kann, einmal stundenlang ansehen, ältere Beiträge ebenso wie jüngere. Viele, welche über ihn urteilen, tun dies nicht und folgen einfach der vorgegebenen Meinung wer von Broder als Antisemit bezeichnet wird muss auch einer sein. Ich habe nach sehr vielen Videos mit Jebsen noch keinen einzigen Antisemitischen Ansatz darin gefunden, er Interviewt auch Israelis.

      Und der zweite Vorwurf an ihn ist er sei ein „Verschwörungstheoretiker“. Dieses Wort ist mittlerweile ein Totschlagargument geworden um jede sachliche Diskussion abzuwürgen. Wenn heute ein Obama hinsteht und die prorussischen Separatisten in der Ukraine die Schuld für den Abschuss des Flugzeuges gibt dann ist dies eine Verschwörungstheorie. Denn wir haben zum einen die mut. Verschwörer, die Separatisten, welche ohne es vorher offen anzukündigen ein Flugzeug abschiessen und es im nachhinein nicht offen zugeben sondern verschleiern. Und da Obame dies (zumindest in diesem Stadium) nicht beweisen, sondern nur Vermuten kann, ist dies eine Theorie. Und jede Theorie über eine Verschwörung ist eine Verschwörungstheorie.

      Wir können viele Dinge nur vermuten und nicht beweisen, aber viele Aussagen unserer Politiker und Medien, welche bei genauem Hinsehen auch nichts anderes als Verschwörungstheorien sind (siehe obiges Beispiel Obama) nehmen wir einfach ohne nachzufragen für bare Münze. Da kommen nun Menschen wie Jebsen und bieten uns eine mögliche andere Erklärung an, welche auch nicht mit besseren oder schlechteren Beweisen unterlegt werden kann. Nur weshalb fressen wir der einen Seite grundsätzlich aus der Hand und die andere verunglimpfen wir im Chor der Massenmedien? Ich kenne auch nicht die Wahrheit, aber die dürfte wohl in der Mitte der beiden Versionen liegen. Und häufig kann ich mir viele Vorgänge (wie z.B. die NSU) leichter in den Versionen von Jebsen und Elsässer vorstellen. Aber der Hauptpunkt ist das auch wenn diese hier unrecht haben sollten unser Staat und unsere Presse uns alle hier einen gewaltigen Bären aufbinden. Und hier solltest du kritisieren und nicht deine Zeit an einem so unwichtigen Blog wie diesen hier vergeuden.

  4. …“Und hier solltest du kritisieren und nicht deine Zeit an einem so unwichtigen Blog wie diesen hier vergeuden…“

    Na ja, immerhin habe ich meine Zeit im Wesentlichen mit dem Lesen deines Irantexes „vergeudet“ (deine Formulierung, nicht meine!) und da juckte es mich schon in den Fingern, dir meine Gedanken mitzuteilen. Ein Blog lebt doch gerade durch dieses Wechselspiel, dachte ich…

    Du darfst ja ruhig deine Meinung behalten, für mich ist das kein Problem. Immerhin gehe ich mit dir insofern konform, als ich deine Beobachtungen hinsichtlich des Lebens der Menschen in diesem Lande teile, ebenso wie die Einordnung des Irans in die übrige islamische Welt, was das Verhältnis Schiiten/Sunniten anbelangt. Auch deine Bemerkungen über die „iranische Frau“ finden großteils meine Zustimmung, genauso wie die Vorstellung, dass es für eine Saudi-Frau „ein Sprung in die Freiheit“ wäre, käme sie aus ihrem Saudi-Gefängnis in dieses Land…

    Ja, ich muss es nochmal sagen: Mehr von dieser „Schiene“ hätte deinem Bericht gut getan. Ich hab‘ übigens auch den Iranbericht von J. Elsässer („Schall und Rauch“-Blog) gelesen. Sein Bericht ähnelt im Duktus diesem hier sehr….http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2012/09/reise-durch-den-iran-tag3-teil2.html

    (Um fair zu sein, Elsässers Jubel-Arie über den Iran ist um einiges krasser als deine Beschreibung hier – immerhin…)

    Schau dir mal an, was Elsässer unter dem Stichwort „Iran“ auf seiner „Schall und Rauch“ Seite schreibt. Das kann an Einseitigkeit nur noch durch den iranischen Propagandadienst überboten werden. Seriöser Journalismus ist das nicht. Falls du auch das OK findest, brauche ich mich in der Tat nicht mehr weiter damit beschäftigen…

    • Ja, ein lebendiger Dialog tut wirklich gut zu so komplexen Themen. Daher nehme ich das ganze auch sehr sportlich und nicht feindschaftlich. Und ich freue mich das auch du dir die Zeit genommen hast (oder vergeudet, je nach Ansicht) dich intensiv mit meinen Ansichten und Berichten auseinanderzusetzen. Und wer so deutlich Stellung bezieht wie ich dies hier tue kann und darf nicht damit rechnen überall 100 % Zustimmung zu finden. Dann hätte ich doch lieber einen Bericht wie „Hotel X ist gut, iss dort diesen Kebab und hier ist der Cafe empfehlenswert“. Das ich dies so nicht getan habe ist eine ganz bewußte Entscheidung, welche ich nach wie vor für Richtig halte.

      Aber, wer sich die Mühe der Einzelkritik hier macht würde, wenn er gegenüber den Pressemitteilungen des Bundes, der NATO und co. ähnlich kritisch ist, sollte dies auch in gleicher Weise anbringen, dort ist die Tiefenwirkung deutlich besser und nur das meinte ich mit „Vergeuden“. Denn die Leserschaft hier ist (leider) begrenzt. Auch wenn dies nicht gegen die Qualität solcher Blogs wie diesem hier per se spricht.

      Elsässer’s Bericht über den Iran habe ich nicht gelesen, daher fand hier auch keine (unbewußte) Beeinflußung meinerseits durch. Da ich mir nach deinen Worten vorstellen kann wie dieser Bericht ausfällt werde ich diesen nun auch nicht lesen, ich brauche nach meiner eigenen Reise nun auch nicht mehr die Meinungen Dritter um mir ein Bild über den Iran zu machen, meine eigenen Beobachten wirken da doch stärker. Ich sah aber einmal auf Youtube seinen Vortrag über diese Reise. Was mir darin nicht gefällt ist das insbesondere Ahmadinedschad zu positiv dargestellt wird. Was ich aber nicht falsch finde ist das E. als Pressevertreter mit A. gesprochen hat, denn so falsch A’s Ansichten auch sind oder sein mögen, unsere Bürger sollten die Möglichkeit haben seinen O-Ton zu lesen und sich ihr eigenes Urteil zu bilden. Ganz nach dem Motto „So sehr ich auch deiner Meinung nicht zustimmen kann ich würde mein Leben dafür geben das du sie offen aussprechen kannst“. Und über Staatsmänner wie Ahmadinedschad oder aktuell Putin bekommen wir viel zu wenig Ö-Töne, sondern nur bereits vorgefertigte Meinungen unsere Presse mit ein paar aus dem Zusammenhang gerissenen und meist auch noch fehlinterpretierten Übersetzungen. Hier halte ich unser Volk eben für mündig genug die Ö-Töne gerade umstrittener Politiker selbst zu interpretieren.

      Womit ich mit Elässer und Iran konform gehen muß ist die Tatsache das der Iran in unserer allgemeinen Presse genauso verzerrt und falsch dargestellt wird wie dies auch Elsässer tut, aber eben in die andere Richtung. Nur wie kann man gegen dieses Meer an vorgefertigten Meinungen über den Iran überhaupt noch zu einem möglichst realen Bild über das Land beitragen für Menschen welche nicht die Muse einer eigenen Reise haben? Vielleicht liege ich falsch, aber man muß die positiven Seiten überbewerten. Und, im Gegensatz zu Elsässer, versuche ich eher den Iran allgemein positiv darzustellen, von der Glorifizierung einzelner Protagonisten wie Ahmadinedschad halte ich nichts.

  5. ….die Tatsache das der Iran in unserer allgemeinen Presse genauso verzerrt und falsch dargestellt wird….
    __________________

    Um ehrlich zu sein, genau dieselbe Frage hat mir in Shiraz ein iranischer Mullah (sehr freundlich übrigens und sehr verbindlich!) gestellt. Genau das war seine Sorge, dass der Iran im Westen „schlecht dargestellt“ wird.

    Meine Antwort darauf war, dass der Iran (und damit meine ich in erster Linie Land & Leute) eigentlich gar nicht sonderlich dargestellt wird im Westen. Es ist vielmehr die Politik, über die in westlichen Presse- und Nachrichtensendungen die Rede ist; und hier ist es zuallererst die iranische Atompolitik, die dem Westen Sorge bereitet. Da konnte er mich beruhigen: Man bräuchte keine Angst zu haben, der Westen solle dem Iran einfach glauben, was er sagt – allein schon der Islam verbiete den Besitz und erst recht den Einsatz von Atomwaffen. Zur Bekräftigung zog er ein gelbes Schleifchen hervor, auf dem der Name des (wievielten?) Imams Hussein aufgedruckt war – dann küsste er zuerst das Schleifchen und alsdann auch mich (was nicht hätte sein brauchen, aus meiner Sicht…).

    Was ich sagen will: der zugebenermaßen schlechte Ruf des Irans rührt in allererster Linie daher, dass hier ein undurchsichtiges Atomprogramm gefahren wird (nebst Langstreckenwaffen, die sprengkopftauglich sind). erst in zweiter Linie sind es die bekannten Menschenrechtsverletzungen.

    Und ich habe viele getroffen, die genau die fehlende Freiheit im Lande anprangern (und das stellst ja du auch fest). Die jungen Menschen sind es leid, den Iran als das Paradies angepriesen zu bekommen, ein Paradies. das so viel besser sei als der verlogene Westen.

    Das Land bietet jungen Leuten kaum Perspektiven und ich habe viele getroffen (selbst fromme Muslime), die lieber heut als morgen gingen…

    Ja, solche Sachen stehen auch manchmal in der Presse – vielleicht tust du dir doch noch diesen (kurzen) TAZ-Artikel an: http://www.taz.de/Tourismus-im-Iran/!142669/

    • Ich kenne diesen TAZ-Artikel und finde ihn gut. Und klar, der Iran ist nicht das Paradies. Leider meinen dann viele unzufriedene Iraner, welche noch nie im Ausland waren, das westliche Ausland als das sog. Paradies anzusehen, die inneriranische Propgaganda wird also einfach umgedreht. Und leider, unsere westliche Welt ist genausowenig das Paradies wie der Iran. Und wer den Iran verläßt und meint nun den Fahrschein ins Glück gelöst zu haben wird scheitern. Wenn ein Journalist im Iran sich nicht an die Regeln hält dann wird er von der Regierung ermahnt, wenn dies nichts bringt klagt ihn der Staatsanwalt an und er wird von einem offiziellen (nicht gerechten) Gericht ins Gefängnis geschickt. Man weiß aber immerhin wo der Hammer hängt und über die Unfreiheit kann sich keiner Illusionen machen. Bei uns im Westen wird uns immer die Demokratie und Pressefreiheit vorgegaugelt. In der USA gibt es ja ca. 8 000 Medienanstalten, diese gehören aber acht verschiedenen Personen. Bei uns ist das nicht anders. Und diese wenigen Medieneigentümer stimmen sich untereinander ab welche Mainstreamlinien als Meinungsbild unter das Volk gebracht werden. Ein kleiner Journalist, der sich daran nicht hält, wird vom Chef ermahnt, wenn es nichts bringt wird er gefeuert und er bekommt in der ganzen Branche keinen Job mehr. Und wir meinen bei uns herrsche Pressefreiheit. Im Iran kann sich immerhin keiner ernsthaft der Illusion hingeben. Aber auch das Beispiel des Irans ist natürlich kein erstrebenswerter Zustand.

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