Shiraz, im Herz der Kultur, 11.05.-14.05.2014

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Shiraz ist die Hauptstadt der Provinz Fars. Die offizielle Landessprache des Irans heißt heute „Farsi“. Früher nannte man beide Pars und Parsi, in meinen Augen passendere Bezeichnungen. Erst durch den Eindrang der Araber änderte sich das P zu einem F, da die Araber ein Problem mit der Aussprache hatten. Pars ist der Ursprung des Wortes Persien, damit ist diese Region die Heimat der persischen Kultur. Darauf sind die Einwohner dieser Stadt sehr stolz. Hier lebte der berühmteste Dichter des Landes, Hafes, und verfasste seine bis heute unübertroffenen Verse in Parsi. Sein Grab, heute von den Iranern wie eine religiöse Kultstätte geehrt, liegt ebenso hier. Die Regierung des Irans wünscht das die gläubigen Bürger möglichst oft zu einem der inflationär über das Land verteilten schiitischen Schreine zu pilgern. Manche tun dies auch. Und es gibt selbstverständlich populäre Schreine wie in Mashhad, aber auch viele welche ein wenig an den Haaren herbei gezogen wirken. Aber alle Iraner pilgern zum Grab von Hafes und beten dort wie in der Moschee. Dies war kurz nach der Revolution nicht unbedingt gemocht, aber Versuche Hafes zu verbannen mussten am Widerstand der Perser scheitern. Heute werden vielerorts Hafes Ferse verkauft, nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Daraus wird versucht Schlüsse für die nahe Zukunft zu ziehen. Auch ich kaufte einige dieser Verse und lies sie mir übersetzen. Und ich muss sagen, die Trefferquote war gar nicht schlecht. Hafes hatte mit seinem Werk einen großen Einfluss auf Goethe. Daher entstand erst kürzlich eine Städtepartnerschaft mit Weimar.

Da hier der Ausgangspunkt der persischen Kultur liegt möchte ich einmal einen Blick auf die Geschichte der Völker werfen. Als Deutscher bekommt man im Iran oft zu hören „Wir, Deutsche und Iraner, haben dieselben Ursprünge, wir sind beide Arier“. Woher stammt überhaupt dieser Begriff? Aria, altpersisch Haraiva, ist der antike Name einer historischen Landschaft in Zentralasien und entspricht weitestgehend der heutigen afghanischen Provinz Herat. Benannt ist die Region nach dem gleichnamigen iranischen Volk, das in diesem Gebiet ca. 1500 v. Chr. einsiedelte. Das Wort „Aria“ ist eine aus dem Altiranischen abgeleitete griechische Bezeichnung und bedeutet so viel wie „edel“ oder „rein“. Es entspricht dem später in Europa ethno-politisch umgedeuteten Begriff „(Heimat der) Arier“. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts änderte der damalige Schah den Namen seines Landes von „Persien“ in „Iran“ um. Iran bedeutet hier „Land der Arier“. Da das Nazitum in Deutschland erst einige Jahre später aufkam hat diese Namensabänderung mit Hitler und NS nichts zu tun. Weshalb sich Hitler in seinem völkischen Wahn auf einmal auf dieses ferne Volk als Abstammung der Deutschen berief ist mir schleierhaft. Ein Zusammenhang zwischen den Deutschen und dem historischen Volk Aria ist für mich nicht erkennbar. Da Iraner sich aber heute (vielleicht aus politischen Gründen) gerne an Europa und europäischer Kultur orientieren stürzen sie sich auf alles was sie selbst an Europa näher ran führt, wenn auch nur gefühlt.

Wahr ist dies deshalb nicht. Schon allein da es zwischen den Völkern Europas soviele Vermischungen gab und häufig auch die Grenzen verschoben wurden kann es gar nicht sein das ausgerechnet das deutsche Volk mit dem persischen Verwandt sein soll, das Französische dagegen nicht. Denn was wäre dann der Status der Elsässer? Wären sie mit den Iranern verwandt oder nicht? Was richtig ist, ist die einheitliche Abstammung vieler Völker in Europa bis hinunter nach Indien. Laut einer These liegt der Ursprung all dieser Völker in der heutigen Ukraine. In den dortigen fruchtbaren Ebenen nördlich des schwarzen Meeres herrschten für den Menschen gute Lebensbedingungen. Folglich nahm die Anzahl der Menschen stark zu und mehrmals kam es zu Abspaltungen. Die Kelten zogen nach Westen, die Griechen nach Süden, die Germanen nach Nordwesten, die Slawen noch Nordosten, die Inder und Perser nach Südosten. All diese Völker sind heute durch die Familie der Indogermanischen Sprachen verbunden.

Dieser gemeinsame Ursprung vieler Völker trennt uns und auch die Iraner von den Arabern und den Turkvölkern. Schaut man sich die Länder- und Völkerkarte von heute an so stellt man fest das zwischen den europäischen Völkern und den Indo-Iranischen heute Turkvölker liegen. Nur ein ganz schmaler Streifen von ca. 40 Km verbindet heute noch Armenien mit dem Iran und stellt einen direkten Kontakt zwischen uns her. Die Turkvölker sind die Nachfahren der Mongolen aus dem Osten, welche aber erst im Mittelalter begannen so weit nach Westen vorzudringen und dabei vor allem die Griechen und die Armenier immer weiter zurück drängten. Zu den durch Turkvölkern geprägten Nachbarstaaten des Irans zählen Turkmenistan, Aserbaidschan und die Türkei. Die ersten beiden waren früher, wie Armenien, Teil der UdSSR und wurden von uns in der BRD pauschal als „Russen“ angesehen. Russen dagegen sind als Teil der Slawen auch Teil unseres Indogermanischen Verbunds. Aber auch das nördliche Drittel des Irans ist heute weitgehend durch ethnischen Türken besiedelt.

Die Menschen von Shiraz sind bekannt für ihre Offenheit und ihre Lockerheit. Dieses Bild zeigt sich auch mir. Ich treffe durch einen Zufall die beiden jungen Frauen Elham und Zari, welche mich spontan durch ihre Stadt führen. Sie helfen mir mich nochmals mit Parisa zu treffen, welche gemeinsam mit ihrem Onkel im Zugabteil aus der Türkei mit mir im Zug fuhr. Etwas mehr als vier Wochen später stelle ich im Gespräch mit ihr fest das sie nicht alles, was ich ihr im Zug versuchte zu vermitteln, vergessen hat. Ich versuchte schon ganz zu Anfang den Iranern ein Gefühl dafür zu geben das im Westen nicht das Paradis auf sie wartet. Parisa hat zwar nicht einfach zu 100% meine Meinung innerhalb von vier Wochen übernommen, das wäre auch falsch, es ist vielmehr wichtig einfach anzuregen das die Menschen einfach kritisch über das Nachdenken was sie sind, was sie wollen und wie die Welt wirklich funktioniert.

Zari erfüllt mir den großen Wunsch an einer Shiraz-Weinverkostung teilzunehmen. Die Shirazrebe ist noch heute eine bekannte Rebsorte für guten Rotwein, häufig angebaut in Australien und Südfrankreich. Aber der Ursprung liegt in der Region Shiraz. Seit der Revolution ist die Produktion von Wein leider verboten. Durchsetzbar war dieses Verbot bis heute nicht, aber die Bedingungen, unter denen dieser Wein heute im Verborgenen hergestellt werden muss, sind natürlich nicht ideal und daher nicht mit dem Qualitätsniveau berühmter Weingegenden vergleichbar. Aber ich erkenne an der Charakterstärke dieses Privatweins was für ein Potential in diesem Wein liegt. Die Gegend liegt auf einer Höhe von über 1000 Metern, hat viel Sonne und nicht zuviel Regen. Alles, was ein guter Wein braucht. Und das schmeckt man noch heute. Im Anschluss an diesen Weinkonsum machen wir noch eine kleine Privatdisco. Gerade im Iran, wo dies alles verboten ist, macht dies besonders Spaß.

Wie locker die Menschen der Stadt sind zeigt sich für mich am Folgetag. Leider habe ich all meine Freunde nach dieser Weinverkostung nicht mehr gesehen, da nun meine Weiterreise anstand. Hierzu betrat ich den Bahnhof. Am Eingang findet , wie immer üblich, eine Routinekontrolle der Polizei statt. Es handelt sich hier um die selbe Polizeibehörde welche auch für die Sittenkontrolle zuständig ist. Hierzu muss man seinen Pass nebst Zugticket vorzeigen. Hierdurch fällt sofort meine Nationalität auf und ich bin durch mein Gepäck als Tourist erkennbar. Dies gefällt den anwesenden Polizeibeamten sehr. Sie lächeln mich sehr freundlich an, ich spüre dieses Lachen kommt vom Herzen und ist nicht aufgesetzt. Man fragt mich wie mir Shiraz gefallen hat. Ich sage frei heraus „Gut, die Mädels sind sehr schön“. Dies eigentlich schon eine Anmaßung an den Sittengesetzen des Landes. Aber das Lachen der Polizisten wird stärker. Sie goutieren meine Aussage mit Zustimmung. Dadurch fasse ich spontan Mut und setze noch einen drauf. Ich füge hinzu „Und der Wein schmeckt auch sehr gut“. Das Lachen nimmt sogar zu. Mit zwinkerndem Auge meint ein Polizist „Aber Alkohol ist hier verboten“. Ich erwidere, immer noch unter Lächeln, „Ich weiß“. Dann meint der Polizist „Aber du bekommst den Alkohol überall“. Später, als das Warten auf den Zug vorbei ist, blicke ich nochmals durch die Bahnhofshalle und erblicke einen dieser Polizisten. Er winkt mir zum Abschied nochmals sehr freundlich zu und ich winke zurück. Wann immer ich diesen Vorfall unter Iranern anspreche, ernte ich Respekt und avanciere zu einem Helden. Alkohol trinken tun viele, aber dies freiwillig der Polizei zu erzählen und damit mit einem Lachen durchkommen, das ist für sie einzigartig. Selbstverständlich kam mir hier mein Touristenbonus zu Hilfe. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

 

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