Hamadan, Iran vol. 2, 19.-22.05.2014

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Am 19.05. verlasse ich Tehran endgültig per Bus in das ca. 300 Km nordwestlich gelegene Hamadan. Hamadan liegt auf 1.800 Meter Höhe und es ist daher sehr kühl hier. Am zentralen Meydan fällt eine sehr schöne Architektur auf. Ein Blick in den Reiseführer klärt auf: diese Gebäude entstanden in den 20er Jahren nach Entwürfen eines deutschen Architekten. Hamadan beherbergt das bedeutendste jüdische Heiligtum auf iranischen Boden. Obwohl in der Stadt nur noch etwa 40 Menschen jüdischen Glaubens verteilt auf fünf Familien leben gestaltet sich das Zusammenleben ganz ohne Probleme. Auf den ersten Blick könnte man das ja mit Hebron im Westjordanland vergleichen. Dort leben in einer so gut wie nur palästinensischen Stadt im Zentrum ganz wenige Juden, welche von einem großen Aufgebot an Armee und Polizei geschützt werden. Ganz anders in Hamadan. Die Synagoge braucht keinen Polizeischutz, die Türen stehen offen und jeder geht ganz friedlich seine Wege.

Das biblische Buch Esther ist Teil des alten Testaments. Darin wird die Geschichte der Juden in der persischen Diaspora erzählt. Die junge Esther wird vom Shah zu seiner Frau bestimmt. Als ihr Onkel Mordechai von einem geplanten Völkermord an den Juden ausgelöst durch einen hohen Hofbeamten bittet er Esther ihren Gemahl ihre jüdische Herkunft offen zu legen und um ein Abblasen des Völkermords zu bitten. Der Herrscher willigt ein und gibt den Juden das Recht nun am Stichtag ihre eigenen Gegner auszulöschen. Und dies tun diese laut dem Buch Esther auch. Ob diese Vorfälle stimmen ist unter Historikern umstritten. Trotzdem frage ich mich ob wir im Buch Esther nicht doch eine historische „Legitimation“ des Staates Israel zur Unterdrückung und Vertreibung der Palästinenser zu finden ist. Die modernen Feinde und Auslöscher der Juden sind zwar die Nazis und nicht die Araber, aber scheinbar will man erlittenes Leid dadurch kompensieren nun Dritten, ob schuldig oder unschuldig, Leid zuzufügen. Aber darf ein zugefügtes Leid dazu missbraucht werden um als Legitimation Anderen nun ihrerseits Leid zuzufügen? Oder stellt man sich damit unweigerlich auf eine Stufe mit den Peinigern der Vergangenheit und man wird mitschuldig am Leid der Zukunft bzw. man bereitet damit dem Leid in der Zukunft seinen Weg? Auch wenn ich hier klar zum Ausdruck bringen möchte dass die Verfolgung europäischer Bürger mit jüdischer Religionszugehörigkeit in der NS-Zeit selbstverständlich eine ganz andere Qualität auf der Skala des Schreckens hatte als die Besetzung weiter Teile des Westjordanlands und die Abriegelung des Gazastreifens und das heutige Verhalten der Regierung Israels keinesfalls zur nachträglichen Legitimierung der deutschen Verbrechen missbraucht werden darf! Aber wir sollten ALLE die daraus notwendigen Lehren ziehen und da gibt es auf diesem Planeten leider noch viel Nachholbedarf.

In Hamadan auf jeden Fall finden wir heute die Gräber von Esther und Mordechai. Der freundliche Rabbiner führt uns herum und steht uns für Fragen zur Verfügung. Er verneint auf meine Frage das er sich als Iraner oder Perser sieht, er sieht sich als Jude, auch wenn er einen iranischen Pass hat. Aber er steht zum Iran, er sagte mir wörtlich er liebe den Iran. Somit sollten wir diesen Rabbiner und die wenigen Juden, welcher friedlich unter vielen Moslems leben, als besseres Beispiel für das Verhältnis zwischen Iranern und Juden nehmen als die Reden des Herrn Netanjahu. Die jüdischen Bürger des Irans geben dem Staat Israel sicherlich nicht ihre Zustimmung zu einer Bombardierung des Irans, ihres Heimatlandes.

In Hamadan befindet sich noch ein weiteres, wichtiges Grab. Dieser große Mann spielte eine bedeutende Rolle in Noah Gordons Roman „der Medicus“, welcher letztes Jahr verfilmt wurde und in den deutschen Kinos ein großer Kassenschlager wurde. Im frühen Mittelalter ging in Zentraleuropa viel medizinisches Wissen verloren, während im Orient eine Blütezeit der Wissenschaft stattfand. Die wenigen Mediziner in Europa waren eher Quacksalber. Gordon lässt seinen Helden von einem mystischen Arzt in Esfahan hören, welcher der bester aller Ärzte ist. Er macht sich auf eine mühsame Reise nach Persien, gibt sich als Jude aus da Christen der Zugang zur Universität verweigert ist, und erlernt beim Meister ein guter Arzt zu werden. Der sog. Medicus ist natürlich eine Romangestalt des Autors, der Meister in Esfahan existierte dagegen tatsächlich. Sein Name war Ibn Sina und in der Kinoversion wird er von Ben Kingsley dargestellt. Ibn Sina war tatsächlich zu seiner Zeit ein Meister der Wissenschaft und er führte in Esfahan eines der ersten Krankenhäuser der Welt. In Hamadan finden wir heute seine Ruhestätte. Dieser Mann hat meinen Besuch tatsächlich verdient. Desweiteren finden wir in Hamadan noch einen steinernen Löwen, welcher bereits Alexander den Großen gesehen hat.

In Hamadan bin ich Gast bei Amir, welcher gleichzeitig einen weiteren Reisenden zu Gast hat, Fen aus China. So führen wir sehr interessante trikulturelle Gespräche. In der Stadt läuft uns Omid über den Weg. Omid wanderte mit seinen Eltern nach Texas aus als er 12 Jahre alt war. Inzwischen ist er auch US-Staatsbürger. Seine Eltern sind aber im Rentenalter wieder in die Heimat zurück gekehrt und da Omid es bislang nicht schaffte wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen musste er zunächst mit zurück in die alte Heimat kehren. Er weiß zwar was er will, aber nicht wie er es erreichen kann. Lieber nutzt er jede Gelegenheit sich abzulenken. Somit stürzt er sich mit Freuen auf uns um mit uns Blödsinn zu machen. Wir besuchen gemeinsam die Sehenswürdigkeiten außerhalb der Stadt. Zum einen einen Wasserfall nahe der Stadt, zum anderen die Höhlen von AliSadr im Norden der Stadt. Diese Höhle steht zur Hälfte unter Wasser und wird daher mit Booten befahren.

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