Kermanshah, einfach Iran, 22.-24.05.2014

whiskeyspaetindernacht so lernte ich sie kennen persisches gitarrenliedgut omid mit hossein mit dem maedels bei einer moschee minibusterminal hamadan meineeskortebeiderabreise maedels auf der vernissage koenigsgraeber i walk in the park i step in the dark imausflugsrestaurant ich erfreue mich an meinem eisbecher hossein vor einem seiner kunstwerke historisches am stadtrand es wird gedanct elvis lebt die truppe an ihrem freien tag die maedels vor iranischem motiv dela mit donald duck dela erfreut sich an ihrem getrank das cahier mit dem bild aus dem Jura beidervorlesung anarocktdenhoersaal

Über den Iran und seine Menschen, deren Reaktion auf Reisende wie mich, haben Sie, wenn Sie mir bis zu dieser Stelle gefolgt sind, zwischenzeitlich viel gehört. Am Beispiel meines Aufenthaltes in Kermanshah möchte ich Ihnen nun einmal im Detail darstellen wie so etwas abläuft und wie die eine Situation den nächsten Zufall ergibt.

Kermanshah liegt wie Hamadan an der Hauptroute von Tehran nach Bagdad, welche für gläubige Schiiten für Pilgerreisen zu den heiligen Stätten im Irak wichtig ist. Daher wird bereits viele hunderte Kilometer vor dem Erreichen der Grenze die verbleibende Entfernung bis Kerbala angezeigt. Es gibt Busse von Hamadan nach Kermanshah, aber im Iran ist alles konfus und jeder gibt vor bestens Bescheid zu wissen, oft wissen die Leute aber gar nicht wovon sie eigentlich reden. Bei uns würde man das sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit nennen. So heißt es am Tag meiner Weiterreise es gäbe gar keinen geordneten Busverkehr zwischen den beiden Städten sondern nur Minibusse. Minibusse sind kleine Kastenwägen mit wenigen Sitzplätzen welche an einem bestimmten Ort so lange auf Fahrgäste warten bis alle Plätze belegt sind und dann losfahren. Minibusse verkehren in Hamadan von einer anderen Stelle aus als die Linienbusse. So lasse ich mich auf anraten meines Gastgebers zum Minibusterminal bringen und frage mich durch bis ich den nächsten Wagen gefunden habe welcher nach Kermanshah gehen soll. Nachdem ich ca. 45 Minuten haben warten müssen sind alle Plätze vergeben und die Fahrt geht los. Es sind ca. 180 Kilometer zurück zu legen und da Minibusse die mit Abstand günstigste Reisemöglichkeit sind bezahle ich für diese Strecke umgerechnet genau einen Euro.

Ich habe Kermanshah mit auf meinen Reiseplan genommen weil mich im Vorfeld bei meiner Reiseplanung ein gewisser Omid aus eben dieser Stadt kontaktierte und mir versicherte er wolle mich unbedingt einmal persönlich kennen lernen und ich könne auch gerne Gast in seinem Hause sein. Zwischenzeitlich hatte Omid aber einen großen Zwist vor allem mit seinem Vater, da dieser solchen Einladungen in sein Haus nichts abgewinnen kann und seinem Sohn derartige Aktivitäten untersagte. Ein für den Iran sehr ungewöhnlicher Vorgang. Omid sicherte mir aber zu sich um mich zu kümmern, mit mir gemeinsam die Gegend zu erkunden, er verfüge auch über ein Auto und was die Unterkunft angeht würde er für mich ein günstiges Hotel finden. Direkt nach meiner Ankunft am Busterminal rufe ich ihn an und kurz darauf ist er auch schon da. Wir essen gemeinsam in einem Restaurant und dann beziehe ich mein Zimmer. Es ist mittlerweile ca. 14 Uhr an einem Donnerstag Nachmittag und Donnerstage sind im Iran mit Samstagen bei uns zu vergleichen. Omid erhielt schon während des Essens einen genervten Anruf seines Vaters, welcher relativ bald das Familienauto wieder gerne zurück hätte. Omid verabschiedet sich daher recht schnell von mir und meint gegen 17 Uhr würden wir uns wieder treffen. Ich solle eben einfach ein wenig durch die Stadt laufen. Nun ist Kermanshah nicht gerade eine schöne Stadt auf den ersten Blick und weil das Wochenende ansteht sind auch die meisten Geschäfte bereits geschlossen, leider ist auch im Basar nichts mehr los. Ich laufe trotzdem zum Basar, ohne bestimmten Plan oder ohne zu wissen was ich da eigentlich zu tun gedenke. Direkt im Eingang zum Basar ist eine Gruppe junger Leute versammelt welche ich unschwer als Architekturstudenten erkennen kann, da sie auf Malblöcken die Gebäude und Dächer des Basars nachzeichnen. So spreche ich sie auch direkt an und renne damit gleich offene Türen ein. Ich lerne Dela, Pooneh und Ana kennen, welche gar nicht mehr von mir loskommen wollen. Die jungen Leuten sind alle so um die 20 Jahre alt und damit deutlich jünger als ich, mit einem iranischen Mann meines Alters würden sie sich daher nicht eine Sekunde lang abgeben. Aber selbstverständlich bin ich anders als Iraner und kann über ganz andere Dinge berichten. Geflirtet wurde in dieser Runde mit mir nicht, ich wurde einfach als ein neuer Freund in die Runde aufgenommen. So werde ich eingeladen die Mädels zu ihrem Lieblingseiscafé zu begleiten. Hierzu fahren wir in eine andere Ecke der Stadt, ein Auto haben sie ja zur Verfügung. Das Eiscafé ist wirklich unglaublich gut, ich erfreue mich an einem Obsteissalat. Während des Aufenthaltes kommt die Frage auf was ich den am Freitag, dem freien Tag, vorzuhaben gedenke. Ich werde eingeladen die jungen Leute ins Grüne zu begleiten. Dann ruft Omid an, es ist mittlerweile gegen 17 Uhr, er will wissen wo ich bin. Dela übernimmt das Gespräch und erklärt wo es mich hinverschlagen hat. Kurz darauf taucht Omid auf, er kam per Taxi. Die Einladung, den morgigen Tag mit den Studenten zu verbringen, wird mit Omid diskutiert, er findet die Idee gut, da er wieder von seinem Vater eingebunden wird. So verabrede ich mich mit meinen neuen Freunden auf morgen früh acht Uhr vor meinem Hotel. Dann begleite ich Omid in ein anderes Café, in welchem zu dieser Stunde eine Vernissage eines Freundes von ihm stattfindet. Da Omid derzeit Kurse in der französischen Sprache unternimmt und er den Künstler Hossein von dort kennt treffe ich seine ganzen Kollegen vom Sprachstudium. Gerne rede ich Französisch mit ihnen. Es wird mir ihr „cahier d’exercise“ gezeigt. Dort sind vier Abbildungen von unterschiedlichen Orten aus Frankreich angebracht, darunter ein Bild von Baume les Messieurs aus dem Jura, welches nur zehn Kilometer südlich von meinem Heimatort Poligny liegt. Aber der Ort wird in diesem Lehrheft fälschlicherweise mit Baume les Dames angegeben, eine kleine Stadt, die es auch gibt, welche aber 80 Kilometer weiter nördlich liegt. Daher erlaube ich es mir diesen Fehler direkt handschriftlich zu korrigieren. Danach besuchen wir auf meinen Wunsch nach ein Internetcafé, welches von einem Freund Omids betrieben wird. Dieser ist sichtlich erfreut mich zu Gast zu haben und stellt mir viele Fragen. Nachdem ich ca. eine Stunde gesurft habe will er mir seinen Service zunächst offerieren. Ich lehne dies aber ab und zahle ihm umgerechnet 45 Cent, was dem Höchstpreis für eine Stunde Internetnutzung entspricht. Dann begleitet mich Omid wieder zurück in meine Unterkunft und für diesen Abend gelingt es mir frühzeitig zu Bett zu gehen, was mir für die nächsten zwei Tage noch sehr nützlich sein wird.

Am nächsten Morgen bekomme ich gleich zwei Anrufe, welche mich zu Pünktlichkeit mahnen, da es bereits um acht Uhr losgehen soll. Einige Minuten später fährt ein Taxi vor, in welchem drei junge Mädchen sitzen. Ich steige hinzu und wir fahren zum Stadtrand. Dort warten wir auf die restlichen Freunde. Es fahren zwei Autos vor, einige der nun versammelten Leute kenne ich bereits von Gestern, einige lerne ich in diesem Moment kennen. Aber jeder behandelt mich so wie wenn ich schon immer dabei gewesen wäre. Wir verteilen uns auf beide Fahrzeuge und düsen planlos durch die Straßen der Stadt, Fenster runter gekurbelt, Radio laut aufgedreht und wir tanzen und klatschen weit aus dem Fenster hinaus gelehnt. Wir brechen die Sittengesetze also gleich mehrfach. Hinzu kommt das unsere beiden Fahrer auch noch sehr risikoreich, eigentlich schon wie irre, herumkurven. Deshalb ruft irgendjemand die Polizei und es trifft nicht eine Streife der blauen Verkehrspolizei ein, sondern eine der gründen Religionspolizei. Aber diese erwischen uns nicht in flagranti, sondern zu einem Zeitpunkt wo die Autos und die Musik ausgeschaltet sind. Trotzdem werden die Jungs zum Rapport gerufen und müssen ihre Ausweise zeigen. Ich bleibe etwas Abseits mit den Mädchen stehen. Die Mädels haben ein wenig Angst, ich dagegen vertraue darauf das man einem Touristen nicht wagt zu nahe zu treten. Nachdem die Polizisten einige Zeit mit meinen neuen Freunden rumdiskutieren ergreife ich die Initiative und gehe offen auf die Polizisten zu. Die Jungs sehen ihre Chance und weisen auf mich und stellen mich als einen Touristen vor. Die Polizisten sind verduzt. Ich setze einen drauf und spreche sie auf Englisch an, reiche beiden die Hand und spreche ein „Nice to meet you“. Jetzt sind die Polizisten überfordert und wissen überhaupt nicht mehr wie man jetzt am besten nach Vorschrift vorgeht. Einerseits sollten die Jungs bestraft werden, andererseits sollen Touristen mit Samthandschuhen angefasst werden. Letztendlich schicken sie uns einfach weg und wollen uns an diesem Tag nicht mehr unter ihre Augen bekommen. Es werden keine Strafen vergeben, niemand wird vorgeladen, keine Identitäten werden festgehalten. Die Jungs sind superfroh und lassen sich das nicht zweimal sagen. Ab jetzt bin ich ihr Held und habe sie aus den Fängen der gefürchteten Polizei gerettet. Man muss jetzt dazu sagen das in Deutschland die beiden Fahrer für ihre aberwitzige Fahrweise nicht nur die Führerscheine entzogen bekommen hätten sondern auch noch Geldstrafen und empfindlicher Höhe hätten zahlen müssen. Hier kamen sie mit einer kleinen verbalen Verwarnung davon.

Wir fahren ins Grüne, es wird eine Gitarre rausgeholt und Lieder werden gesungen, ein wenig wird getanzt. Dela berichtet mich von ihrem Vater, welcher als junger Mann einmal für einige Jahre in West Virginia lebte und auch die USA gut kennt. Daher kennt er auch die schlechten Seiten des Westens und sieht seine Rückkehr in den Iran nicht nur negativ. Und ihr Vater meint ihm sei zugetragen worden gestern wäre ein westlicher Tourist in die Stadt gekommen. Wen außer mir kann er damit gemeint haben? Als es Mittag wird fahren wir zu einem Ausflugsrestaurant und lassen uns iranische Spezialitäten serviere. Obwohl all meine Gastgeber nur Studenten sind wird eine finanzielle Beteiligung meinerseits an der Rechnung strikt abgewiesen. Dann fahren wir in einen nahen Park. Da im Iran Discos, Alkohol, Musik und Tanz offiziell verboten sind lieben die Menschen es in den Parks zu flanieren. Wer als Tourist im Iran neue Bekanntschaften machen will muss einfach allein durch die Parks laufen, früher oder später wird man angesprochen. Die Verwaltung trägt diesem Trend Rechnung indem man die Parks in bestem Zustand halten. Hier macht es wirklich Spaß sich aufzuhalten („I walk in the park, I step in the dark“). Und gerade am Freitag pilgern die Iraner, jung und alt, in Scharen in die grünen Parks zum Picknick oder in Restaurants. Jeden Freitag Abend ist auf dem Weg von den Parks zurück und die Stadt eine größere Rushhour als an Werktagen. Leider ist meine Parksession gegen halb drei bereits vorbei, da die Studenten sagen sie hätten morgen eine Prüfung an der Uni und jetzt leider noch lernen müssten. Nun sehe ich mich schon über viele Stunden allein in meinem Hotelzimmer sitzen. Aber Amin schlägt auf einmal vor ich könnte mit ihm zu weiteren Freunden fahren, welche sich freuen würden mich kenne zu lernen. Selbstverständlich sage ich erfreut zu.

So lerne ich u.A. Hossein kennen, welcher wie eine junge Reinkarnation von Elvis Presley aussieht. Zwischenzeitlich konnte sich auch Omid wieder frei machen und kommt zu uns in die Wohnung, durch mich lernt er viele neue Kontakte in seiner eigenen Stadt kennen. Nun rufen weitere Freunde Amins an, welche mich kennen lernen wollen, da der Sohn gerne in Deutschland studieren würde und sie von mir ein paar Informationen erhoffen. Omid begleitet uns. Es stellt sich heraus das letztendlich Omid viel mehr beitragen kann, da er sich stark über Studienmöglichkeiten im Ausland informiert hat. Somit ist der Besuch ein Erfolg, von meiner Seite aus aber eher indem ich Iraner mit Iranern zusammen brachte. Wir fahren nochmals durch die Stadt, einige müssen sich jetzt von mir verabschieden, viele würden mich gerne noch zu sich nach Hause einladen und jeder meint meine Aufenthaltsdauer sei einfach zu kurz. Letztendlich verabschiedet sich auch Amin, er meint aber noch er würde mich gerne morgen früh gegen sieben Uhr abholen und mit zur Vorlesung in die Uni nehmen. Ich finde die Idee gut. Nun verbleibe ich mit zwei Freunden von Amin, zwei weitere werden noch eingeladen. Hossein wird per Taxi zum Kauf von Whiskey geschickt und wir haben bis spät in die Nacht eine dezente Whiskeynacht. Gegen ein Uhr lasse ich mich zu meinem Hotel zurück fahren, vorher „müssen“ wir aber unbedingt noch einen Umweg machen da die Freundin meines Gastgebers mich noch um jeden Preis sehen will. So sitze ich mitten in der Nacht im Auto und sie öffnet die Tür und winkt hinaus. Ich bitte sie ihr Kopftuch abzunehmen. Noch kurzem Zögern zieht sie es herunter und schüttelt stolz ihre Haarpracht. Sie wirkt wie eine sanfte Geistergestalt, wie sie da so sanft in weißen Kleidern im Türrahmen steht und ihre Haare leicht um den Kopf herum schüttelt. Dann wird mir endlich mein Schlaf gegönnt und für wenige Stunden darf ich mich nun zurück ziehen.

Am nächsten Morgen erscheint Amin und wir fahren zur Uni. Viele meiner neuen Freunde wissen nichts von meiner Anwesenheit in der Vorlesung und sind freudig überrascht. Letztendlich finde ich sind die Studienbedingungen aus meiner Sicht deutlich besser als in Deutschland. Die Vorlesung findet in einer Größenordnung statt die wir bei uns aus Schulklassen kennen. Die Stimmung ist locker, es wird genauso getuschelt und Spaß gemacht wie bei uns, die Disziplin ist wie bei uns. Dela meinte noch sie liebe Schokolade aus Deutschland, besonders Ritter Sport. Ritter Sport aus Waldenbuch, nur wenige Kilometer von meiner Heimat entfernt. Sie meint aber sie wäre so teuer das sie als Studentin sich nur alle zwei Monate eine leisten könnte. Ich versuche einen gemeinsamen Besuch von mir und Dela im Schokoladen zu organisieren um ihr eine Freude zu machen. Aber nach der Uni treffen wieder meine Freunde aus der letzten Nacht zu uns. Jeder will möglichst viel Zeit mit mir verbringen. Es ist daher nicht leicht für mich den Weg bis in das Schokoladenfachgeschäft zu schaffen. Eine Tafel Ritter Sport kostet hier ca. EUR 1,20. Das ist wohl ein wenig teuer als bei uns, aber nicht viel. Allerdings im Verhältnis zum Durchschnittslohn deutlich teurer als bei uns. Nun rückt der Abend immer näher und über Nacht habe ich eine zehnstündige Busfahrt zu meinem nächsten Etappenort gebucht. Vorher lasse ich mich aber nochmals zum Internetcafés des Freundes von Omid bringen. Sofort werde ich mit meinem Vornamen begrüßt, ich komme mir wie ein guter Freund des Hauses vor. Obwohl viel Betrieb herrscht wird mir sofort ein freier Platz besorgt. Diesmal wird auf eine Zahlung verzichtet und ich werde von drei neugewonnenen Freunden zum Busterminal gefahren. Sogar mein Reiseproviant lässt man mich nicht selbst bezahlen. Obwohl mein Bus längst bereit steht, mein Gepäck verladen, lässt es sich meine Eskorte nicht nehmen bis zur Abfahrt zu warten.

So vergehen zweieinhalb Tage in Kermanshah, eine Stadt welche ich zum ersten Mal besuchte, und ich komme mir vor wie wenn ich die ganze Stadt kennen lernte. Zu guter letzt sei noch gesagt „liebe Dela, falls du einmal einen Filterbrecher finden solltest dann ist das hier für dich: http://www.youtube.com/watch?v=1vrEljMfXYo“.

 

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