Tabriz, Azerbejan, 28.05.-30.05.2014

zum ende einer langen whiskyparty teppichbilder erfreuen sich grosser beliebtheit teppichbasar teehaendler im basar sehen oder gesehen werden im park mullahs beim plauschen moderne einkaufspassage karawanserei im park 3 im park 2 im park 1 im basar gemeinschaftliches mahl die parks sind in bestem zustand die nun leere flasche wird zur deko der abschluss im restaurant der abend und der whisky nehmen ihren lauf blaue mosche 8 blaue mosche 7 blaue mosche 6 blaue mosche 5 blaue mosche 4 blaue mosche 3 blaue mosche 2 blaue mosche 1 basareingang bahnhof von tabriz auch bootfahren ist moeglich astronaut john lennon aman und sein glueck alle in den parkDurch den im vorigen Beitrag erwähnten Damm quer über den Urmiasee gibt es nun eine direkte Straßenverbindung zwischen den beiden wichtigsten Städten in Iranisch-Azerbejan, Orumiyeh und Tabriz. Früher gab es entweder Fähren oder den Umweg um den See herum. Daher kann ich nun einen der vielen Direktbusse zwischen diesen beiden Orten nutzen und in lediglich zwei Stunden komme ich von der Hauptstadt der Provinz West-Azerbejan in die Hauptstadt der Provinz Ost-Azerbejan. Tabriz ist aber auch die größte und wichtigste Stadt im nördlichen Iran. Diese Region ist der Ursprung des Namens Azerbejan, nicht die nördlich gelegene ehemalige Sowjetrepublik Aserbaidschan. Die ganze Gegend ist ethnisch gesehen von Türken bewohnt und man spricht auch diese Sprache. Auch wenn man diese hier Azeri-Türkisch nennt und diese Sprache auch die offizielle Amtssprache der Republik Aserbaidschan ist handelt es sich eher um einen Dialekt des Türkischen und man kann sich mit dieser Sprache bis Istanbul verständigen. Azeris sind Türken welche im Gegensatz zur sunnitischen Republik Türkei Schiiten sind.

Als zum Ende des ersten Weltkrieges das Osmanische Reich unterging und die Russen dieses Vakuum nutzen um weiter über den Kaukasus vorzudringen kam es zu einer zeitweisen Okkupation Teile des nördlichen Irans und der östlichen Türkei. Später wurde dann etwas willkürlich der Fluß Aras als Grenze zwischen dem Sowjetimperium und dem Iran festgelegt. Die Russen gaben dann dem unter ihrer Kontrolle verbleibenden Gebiet der Azeri den Namen Aserbaidschan, welche die nun unabhängig gewordene Republik dann Anfang der 90er Jahre übernahm. Und obwohl also beiderseits der Grenze dieselben Menschen leben, die gleiche Religion vorherrscht und auch die gleiche Sprache gesprochen wird sind die Beziehungen zwischen dem Iran und Aserbaidschan heute zwar nicht feindlich, aber doch von Mißtrauen geprägt. Tehran hat Sorge das die Regierung in Baku aufgrund desselben Namens eines Tages Anspruch auf den Norden des Irans erheben könnte. Als Aserbaidschan vor einigen Jahren den European Song Contest gewann und im folgenden Jahr dieses Event in Baku hat ausrichten können hat man es im Iran als nicht freundschaftlichen Akt empfunden das Aserbaidschan in der europaweit ausgestrahlten Selbstvorstellung sich mit Bauwerken in Tabriz schmückte. Ähnliche Vorbehalte hegt auch Griechenland gegen seinen nördlichen Nachbarn Mazedonien, da der Ursprung dieses Namens rein griechisch ist und Thessaloniki die Hauptstadt der griechischen Region Mazedonien ist. Daher muß dieses Land bis heute die offizielle Bezeichnung „frühere jugoslawische Teilrepublik Mazedonien“ tragen. Bei der Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepubliken hat man auf die Sorgen und Belange des Irans allerdings keine so große Rücksicht genommen, denn wer macht sich schon die Mühe die Weltlage in dieser so abgelegen scheinenden Region zu studieren und außerdem hat der Iran leider keine guten Fürsprecher auf dem internationalen Parkett.

Schon im Bus nach Tabriz lerne ich Aman kennen. Dies ist in soweit eine glückliche Fügung da ich für diese Stadt bislang keinerlei vorherigen Kontakte habe und mich bereits darauf einstellte mich in einem Hotel einzuquartieren. Aber wie dies im Iran so ist man lädt den Gast aus dem Westen immer sehr gerne zu sich nach Hause ein, selbst wenn man dort nicht über viel Platz verfügt und man eigentlich auch nicht viel zum Teilen hat. Luxus kann man daher selten erwarten wenn man solchen Einladungen folge leistet, aber stets einen tiefen Einblick in den wahren Iran, dessen Kultur und Seele. Gemeinsam mit seiner Freundin erkunde ich die ersten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Obwohl die beiden selbst nur Studenten sind und daher finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen können haben sie immer ein Auge für arme Menschen und teilen ihr weniges Geld mit diesen. In Tabriz steht heute der älteste Basar des Landes, welcher ein Muß für den Touristen ist. Dann entstand hier eine der schönsten sog. Blauen Moscheen des Irans. Im Westen des Landes gibt es einen natürlichen türkis farbigen Stein, Firouzeh genannt. Dieser wird viel für Schmuck verwendet. Und dieser Farbton setzte den Standard für das häufig vorherrschende Türkis, welches vor allem die Wände und die Kuppeln der Moscheen ziert. So entstanden die sog. Blauen Moscheen. Leider wurde die Moschee von Tabriz vor ca. drei Jahrhunderten Opfer eines schweren Erdbebens und ähnlich der Frauenkirche von Dresden stürzte die Kuppel ein. Über drei Jahrhunderte war diese herrliche Moschee nichts anderes als ein von Mauerresten umgebener Trümmerhaufen, dann begann Anfang der 70er Jahre der Wiederaufbau, auch hier ganz ähnlich dem Dresdner Muster. Bei der Rekonstruktion in Tabriz setzte man die Steinreste, welche noch zugeordnet werden konnten, wieder in das Bauwerk ein, der Rest wurde durch weißen Stein ersetzt. Das heißt die herrliche Farbe oder die Farbmuster wurden bewußt nicht rekonstruiert. So steht die Moschee als absichtlich nicht perfektes Gebäude und man kann sehr gut erkennen welche Auswirkungen das Erdbeben hatte. Ähnlich der Hagia Sophia in Istanbul ist die Blaue Moschee in Tabriz seit ihrem Wiederaufbau offiziell „nur“ noch ein Museum, der Einlaß kostet Geld. Man hat allerdings einen Gebetsteppich ausgelegt damit Gläubige dort ein stilles Gebet verrichten können.

Da Aman nur über eine kleine Wohnung verfügt und er kurzfristig einige Nächte durcharbeiten muß leitet er mich an seine besten Freunde weiter. Obwohl diese mich bislang überhaupt nicht kennen sind sie sofort einverstanden mich für einige Tage zu beherbergen, sie freuen sich sogar richtig. Es handelt sich hierbei um eine WG von fünf Studenten, alle männlich selbstverständlich. Diese bauen innerhalb ihrer „heiligen“ Mauern ihr Marihuana selbst an und einer von ihnen, so heißt es, sei sogar ohne irgend etwas geraucht zu haben ständig so „high“ das er nur noch „Astronaut“ genannt wird. In meinen Augen sieht er aber eher wie ein Doppelgänger des jungen John Lennon aus. Nachdem ich bereits einen jungen Elvis treffen durfte fehlte eben nur noch der legendäre Beatle.

Mit den Jungs habe ich viel Spaß, da sie etwas knapp bei Kasse sind spendiere ich uns eine Flasche originalen schottischen Whisky, mit welcher wir einen tollen Abend verbringen. Da so gut wie alle Jungs hier Fans von Rammstein sind fehlt es nicht an deutschem Liedgut. Viele Lieder und Videos von Rammstein lerne ich erst hier kennen, man merkt wieder einmal das diese Gruppe im Ausland mehr Fans hat als im eigenen Lande. Und das obwohl oder eben sie nicht so verzweifelt ihre Lieder anglisieren wie so gut wie alle anderen modernen Bands aus unserem Lande. Viele begründen dies ja damit man wolle auch im Ausland Erfolg haben, aber vielleicht ist ja gerade das der Fehler, an englischem Liedgut fehlt es nun wirklich nirgends auf diesem Planeten. In deutscher Sprache dürfte es dagegen durchaus ein klein wenig mehr geben, auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Nur einer der Jungs nimmt den Islam ernster und hält die traditionellen Gebetszeiten ein, folglich trinkt er auch keinen Alkohol mit uns. Frech nennen wir ihn einfach unseren Taliban. Aber auch „Taliban“ kann nützlich sein, nämlich dann wenn auf der Party die Chips ausgehen und man schnell jemanden Nachschub besorgen schicken muß. Diese Rolle übernimmt unser Taliban interessanterweise ohne zu Zögern. Hier merkt man wieder wie Tolerant der Iran auch in religiösen Fragen ist, es kommt dabei nicht darauf an wie religiös die einzelnen Personen sind, so gut wie jeder respektiert die Ansichten des anderen.

Mein letzter Tag in der Stadt fällt auf einen Freitag, den traditionellen freien Tag der Woche. Gleichzeitig mein letzter Freitag im Land. In der Innenstadt ist es ruhig, dafür drängt sich jeder der sehen und gesehen werden will in die Parks. Auch wir beschließen den Nachmittag und den Abend im größten Park zu verbringen. Dieser ist rappelvoll, jung und alt, Familien und junge Leute, alle genießen sie das Gefühl von Freiheit an diesem Ort. Es gibt Restaurants, Eiscafes und Imbißbuden, auf dem großen See mitten im Park werden Bootsfahrten angeboten. Es scheint der Regierung klar zu sein wenn man schon viele Freizeitangebote, welche bei uns wie selbstverständlich sind, nicht gestatten will, man an den verbleibenden in keiner Weise sparen darf. Die Parks sind daher der Treffpunkt wo man zu sein hat, hier werden neue Bekanntschaften gemacht, hier suchen die Jungs Kontakt zu den Mädels, hier wird, mal offen, mal im Versteckten, geflirtet. Früher war dies nur sehr diskret möglich, in den letzten Monaten wurde es aber mehr und mehr möglich dies auch auf eine Weise zu tun das es den übrigen Passanten nicht völlig verborgen bleibt. Den Abschluß unserer Stunden im Park verbringen wir in einem Restaurant, wo ich all meine Freunde zu einem Essen einlade. Früh am nächsten Morgen breche ich zum Bahnhof auf um meine letzte Zugfahrt im Iran anzutreten und meine letzte große Stadt im Land hinter mir zu lassen. Der Abschied hat begonnen.

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Ein Gedanke zu “Tabriz, Azerbejan, 28.05.-30.05.2014

  1. Hi Andreas,
    danke für Deine tollen Berichte. Nur eine kleine Verbesserung:

    „Azeris sind Türken welche im Gegensatz zur sunnitischen Republik Türkei Schiiten sind.“

    Dieser Satz ist nicht korrekt. Die Azeris gab es lange bevor die Türken (z.B. die Seltschuken) dahin wandereten. Die Sprache Ur-Azeri war eine iranische Sprache. Die jetztige Azeri gehört hingegen zu den türkischen Sprachen. Es gab aber natürlich eine sehr starke Vermischung der Ur-Türken mit den Ur-Iraner.

    Grüße
    Jerry

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