Jolfa, Aufbruch in den Kaukasus, 31.05.-02.06.2014

44 auf der bruecke in armenien iran endet dort wo die farbmarkierung endet 43 nordooz border terminal 42 auf der anderen flusseite beginnt hier armenien 41 auf nach osten vor uns liegt die aserbaidschanische ebene 40 grenzfluss aras grand canyon 39 der reisende mit dem gluecklichen polizisten 38 kara kelissa 37 kara kelissa 36 kara kelissa 35 kara kelissa 34 kara kelissa 33 kara kelissa 32 kara kelissa 31 verkehrsteilnehmer 30 grand canyon aras zwischen iran und aserbaidschan 29 grenzfluss aras 28 grenzfluss aras blick auf gebaude in aserbaidschan 27 st stephanus kloster 26 st stephanus kloster 25 st stephanuskloster 24 grenzfluss aras 23 grenzfluss aras 22 blick nach aserbaidschan 21 grenzfluss aras 20 kaukasuslandschaft um jolfa 19 jolfa borderterminal 18 jolfa borderterminal 17 die bahnbruecke nach nakhchivan in breitspur? 17a grenzbruecke der aserbaidschanische wachposten 16 bahngrenzbruecke ueber aras 15 altes cnl material im wartestand im rangierbereich jolfa 14 bahnuebergang eine neue strassenbruecke als ersatz steht schon im hintergrund 13 umspurungsanlage? 12 umspurungsanlage? 11 bahngelaende jolfa mit kranen der umspurungsanlage? 10 bf jolfa 9 bf jolfa 8 bf jolfa 7 elok im bf jolfa 6 fahrt in den kaukasus 5 fahrt in den kaukasus 4 fahrt in den kaukasus 3 hier trennt sich die strecke nach jolfa von der strecke in die tuerkei 2 iranischer bahnfahrschein 1 Elok im BF Tabriz

Wie im vorigen Beitrag bereits erwähnt wurde die aktuelle Nordgrenze des Irans erst relativ spät definiert, da Rußland im Schatten des untergehenden Osmanischen Reiches seinen Einfluß im Kaukasus deutlich ausweitete und zeitweise Gebiete okkupierte, welche heute Teil des Irans oder der Türkei sind. In dieser Phase brachten die Russen Armenien und weite Teile, welche von azerischen Türken besiedelt sind, unter ihre Kontrolle. Gerade das Siedlungsgebiet der Azeris wurde hierdurch in zwei Teile gerissen, da diese eine gemeinsame Religion mit den Persern haben, den schiitischen Islam. So fest diese Grenze heute auch steht und so trennend sie heute wirkt, so willkürlich entstand sie damals. Bald nachdem die bis heute gültigen Grenzen sich etablierten entstand die UdSSR und Moskau konsolidierte seine südlichsten Ausdehnungen mit der Schaffung der Armenischen Sowjetrepublik und der Aserbaidschanischen Sowjetrepublik. Der Name Aserbaidschan wurde zu diesem Zweck „geklaut“, da das historischen Aserbaidschan um die Stadt Tabriz im nördlichen Iran liegt. Als in der Phase des Umbruchs Moskau auch die Gebiete dieses historischen Aserbaidschans für einige Jahre kontrollierte wurde sehr schnell eine Bahnverbindung nach Norden, Richtung Moskau gebaut. Diese führte von Georgien kommend über Yerewan gehend dem Lauf des Aras folgend bis Jolfa und von hier nach Süden bis Tabriz. Dies war die erste Eisenbahnlinie auf dem Gebiet des heutigen Irans. Sie wurde zunächst in russischer Breitspur ausgeführt, der Iran spurte später den auf seinem Territorium gelegenen Abschnitt auf Normalspur um. Da in Rußland so gut wie alle Bahnlinien elektrifiziert sind entstand auch diese Bahnlinie mit Oberleitung. Im Iran dagegen herrscht, wie in der Türkei, Diesel vor. Diese Besonderheit hat die Linie von Tabriz nach Jolfa aber bis heute behalten, die einzige Strecke des Landes zu sein welche elektrisch betrieben wird. Im restlichen Streckennetz des Landes sind zwar einzelne Arbeiten zu erkennen die Hauptachse von Tabriz über Tehran bis nach Mashhad zu elektrifizieren, da es sich hier aber über viele tausend Kilometer handelt ist hier nicht mit schnellen Veränderungen zu rechnen. Der kurze, relativ unbedeutende Abschnitt des iranischen Netzes, welcher sich hoch bis an die äußerste Nordgrenze des Landes zieht und täglich von nur einem Zugpaar bedient wird, verfügt somit über die modernste Energieform. Das tägliche Zugpaar von Tabriz wird dreimal die Woche als Nachtzug bis Tehran durchgebunden, dabei findet in Tabriz ein Lokwechsel statt. Häufig kommen hier von der DB Regio übernommene Silberlinge in roter Lackierung zum Einsatz, meist machte man sich noch nicht einmal die Mühe diese Umzulackieren. Die älteste Bahnstrecke des Irans ist somit zugleich meine letzte Bahnfahrt in diesem Land.

Die kleine Stadt Jolfa verfügt über ein riesiges Bahngelände, befand sich hier der einzige grenzüberschreitende Gleisanschluß in die UdSSR. Heute führt das Gleis nur noch in die aserbaidschanische Enklave Nakhchivan, welche durch Armenien komplett vom Rest des Landes abgeschnitten ist und somit der Bahnverkehr nur noch ein Inselbetrieb ist. Auf den vielen Gleisen von Jolfa stehen extrem viele von der DB übernommene Garnituren und warten auf einen neuen Einsatz. Das meiste davon stammt von der CNL, aber auch ein kompletter IC ist dabei. Auf dem Bahnsteig von Jolfa steht ein freundliches „Welcome in the islamic republic Iran“, aber internationalen Zugverkehr hat es, zumindest im Personenverkehr, schon lange nicht mehr gegeben. Die Bahnbrücke über den schmalen Aras wird auf beiden Seiten streng von Militär bewacht, aber das Gleis ist stark angerostet und sieht nicht so aus als würde noch viel darüber abgewickelt werden. Wozu auch? Früher ging es von hier direkt in die armenische Hauptstadt Yerewan, dann weiter über die Georgische Tiblis nach Sotchi, Rostov am Don und schließlich Moskau. Heute sind die Gleise im Grenzabschnitt zu Armenien demontiert. In Nakhchivan verkehren täglich noch zwei Zugpaare, das war’s. In Zukunft könnte diese internationale Strecke aber wieder an Bedeutung gewinnen, da zwischen Iran um dem aserbaidschanischen Hauptland neue Bahnverbindungen geschaffen werden sollen (z.B. in der Doppelstadt Astara am Kaspischen Meer) und es somit vielleicht möglich sein wird (oder sogar angedacht ist) Züge von Baku über den Iran nach Nakhchivan zu führen. Hierzu ist zwar jeweils eine Umspurung an der Grenze, aber denkbar wäre es. Denn obwohl die Gleisverbindung heute nicht genutzt wird denkt keine der beiden Seiten an eine Stillegung oder Entfernung des Gleises. Auf den Seiten des Auslandsforums von Drehscheibe online kann man einen Reisebericht über die Enklave Nakhchivan finden. Darin wird erwähnt das auf der aserbaidschanischen Seite im Bahnhof von Dschulfa keine Einrichtungen zum Spurwechsel erkennbar sind. Nun ist der Unterschied zwischen Normalspur und russischer Spurweite so gering das man einem Gleis kaum ansehen kann in welcher Spurweite es nun ausgeführt ist. Ich vermute aber einmal die russische Spur führt bis in den Bahnhof von Jolfa, da ein klein wenig nördlich des Bahnhofsgebäudes ich einige Kräne habe sichten können, welche sich denen an der alten Bahnverbindung der Türkei in das heutige Armenien ähneln, welche ja auch seit über 20 Jahren komplett gesperrt ist.

Vor einigen Jahren wurde rund um Jolfa eine Freihandelszone ausgerufen. Es besteht komplette Steuerfreiheit. Jolfa boomt daher, überall wird gebaut und feine Boutiquen sprießen aus dem Boden. Außer einer streng bewachten Grenze mit einem riesigen Grenzterminal hat Jolfa direkt dem Reisenden aber nichts weiter zu bieten. Früher lag diese Grenzstadt mitten im Reich der Armenier, dem ersten Land der Welt welches das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Noch lange bevor dieser Schritt auch in Rom vollzogen wurde. Dann geriet das armenische Reich unter Druck durch den von Osten kommenden Vormarsch der Türken und sie wurden in weiten Teilen des eigenen Landes zur Minderheit. Die sich in diesem Teil der Welt niederlassenden Türken wurden dann von den Persern zu Schiiten bekehrt und somit war der Azeri-Türke entstanden und das Land wurde nun nicht mehr Armenien sondern Aserbaidschan genannt. Später ließ der persische Shah dann viele Armenier aus Jolfa in die Hauptstadt Esfahan zwangsumsiedeln, siehe hierzu meinen Bericht über Esfahan zum christlichen Viertel Neu-Jolfa. Dieser Teil von Esfahan ist heute ein sehr schöner Teil, dessen Besuch sich lohnt. Das eigentliche Jolfa ist heute dagegen komplett frei von Armeniern und hat auch seinen Reiz verloren. Als dann auch noch der Aras zur Grenze wurde kam es zur Teilung von Jolfa in das iranische Jolfa und das sowjetische und heutige aserbaidschanische Dschulfa, beide Städte aber nicht durch eine tolle Architektur gekennzeichnet. Schön ist die Landschaft, der Kaukasus ist voll wilder Berge, welcher auf der einen Seite kahl sind, auf der anderen grün von Wiesen und Wäldern.

Am Bahnhof von Jolfa werde ich überraschend von Amir erwartet. Obwohl ich mit ihm nur einen unverbindlichen Mailkontakt hatte und wir gar keine Verabredung haben ist es für ihn leicht den Zeitpunkt meines Eintreffens zu kennen, da täglich ja nur ein Zug aus Tabriz eintrifft. Somit folge ich einer letzten privaten Einladung in ein iranisches Haus zum reichen Mahl. Die Familie ist reich an Söhnen, welche alle sehr freundlich und aufgeschlossen sind. Trotzdem stelle ich bald fest hier nun in der strengsten islamischen Familie all meiner Besuche gelandet zu sein. Nur diese eine Mal essen die Frauen durch einen Sichtschutz abgetrennt in der Küche und als wir das Haus verlassen legt die Mutter einen Tschador an, welcher nur noch die Augen offen läßt. Obwohl viele Menschen im Westen meinen der Tschador sei die übliche Frauenkleidung im Iran muß ich sagen eine Frau mit Tschador sticht in diesem Land viel eher aus der Menge heraus als eine Frau ohne. Nur diese eine mal kam ich wirklich mit einer Frau mit Tschador in Kontakt. Der jüngere Bruder von Amir ist Taxifahrer, Glück muß man haben. Da die Armenier hier, an abgelegenen Stellen, tolle Kirchen und Klöster hinterlassen haben, ist ein Taxi unerläßlich für den Touristen. Und vieles läßt sich im familiär-freundschaftlichen Bereich hier besser regeln als über die Taxizentrale. So sind wir uns schnell handelseinig.

Der aus der Türkei kommende Aras hat ein Tal vieler wilder Felsen, fast schon ein kleiner Grand Canyon, durch das kaukasische Gebirge geschnitten. Dieses Tal bildet heute die Grenze. Auf iranischer Seite verläuft in diesem Tal eine Straße, auf Aserbaidschanischer die Bahnlinie. Obwohl hier Photographien alles andere als erwünscht sind lasse ich es mir nicht nehmen diese tollen Eindrücke für mich zu verewigen. Auf der Fahrt zu den armenischen Kirchen durchqueren wir dieses wilde Tal gleich doppelt. Interessant ist, das auf iranischer Seite der Zugang bis zum Wasser problemlos möglich ist, viele Iraner halten an der Straße irgendwo an und machen ein Picknick quasi mit den Füßen schon im Fluß. Die andere Seite ist dagegen durch viel Stacheldraht abgetrennt, einfach mal so am Flußufer spazieren gehen ist hier unmöglich. Die Bahnlinie in Aserbaidschan scheint oft zum Greifen nahe, der Aras wirkt meist nicht sehr breit. Leider bleibt mir das Glück verwehrt einen aserbaidschanischen Zug vorbei fahren zu sehen. Mit meinem „Privattaxi“ finden wir schließlich den Weg zur ältesten christlichen Kirche der Welt, der Kara Kelissa. Diese enstand im Jahre 60 n.Chr. Und einmal im Jahr findet hier noch immer ein Gottesdienst statt, zu dem viele Armenier angereist kommen. Auch hier zeigt sich wieder das gute Verhältnis zwischen Iranern und Armeniern. Diese Kirche wurde nie in eine Mosche umgewandelt und es braucht keine sonderliche Bewachung. Niemand hat dieser Kirche irgend einen Schaden zugefügt in den letzten Jahrhunderten, als die Region längst vom Islam dominiert wurde. Auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschan wurden dagegen so gut wie alle armenischen Kulturgüter vor 20 Jahren mutwillig zerstört und viele Menschen wurden vertrieben.

Was mir nun aber wieder sehr unangenehm am Iran auffällt ist seine von der Regierung vorgegebene Preispolitik an Eintrittsgeldern. So gut wie überall gibt es zwei Preise, einen für Einheimische und einen für Ausländer. An der Kara Kelissa muß ein Iraner 2000 Toman bezahlen, ein Tourist dagegen mit 15000 Toman zur Kasse gebeten. Es geht hier gar nicht darum ob 15000 nun viel oder wenig sind, ob angemessen oder nicht, viele Touristen fühlen sich hier einfach verarscht und einige Male habe ich mit einer tiefen Wut im Bauch von einem Besuch in letzter Sekunde abgelassen, auch wenn ich mir es hätte problemlos leisten können. Solche Zwei-Klassen-Behandlung zerstört einfach die Freude und die Lust sich dem Erlebnis unbeschwert hinzugeben. Die Kara Kelissa liegt nun aber fern ab von jeglicher weiterer Infrastruktur und außer einem einzigen Aufseher ist sonst niemand vor Ort. Daher habe ich diesem Mann nun mehrmals 6000 Toman (entspricht dem Eintritt für drei Einheimische) und lasse ihm ausrichten er nimmt entweder dieses Geld oder er bekommt gar nichts. Er weigerst sich strickt das Geld anzunehmen und argumentiert sehr viel herum, aber von der Besichtigung der Kirche kann er uns nicht abhalten. Zunächst droht er damit die Polizei zu rufen, aber diese „Drohung“ erntet von uns allen an diesem Ort nur Gelächter. Als er seine Hilflosigkeit erkennt schwenkt er um und „schenkt“ uns in seiner „Großzügigkeit“ freie Eintritte. Es geht bei dieser Geschichte wirklich nicht ums Geld, aber dieser Moment tat meinem Ego so was von gut. Auf der Rückfahrt treffen wir spontan noch einen Polizisten in Zivil, welcher über die Anwesenheit eines deutschen Touristen so etwas von erfreut ist, das er sich kaum noch halten kann. Immer wieder muß er mich umarmen und mir für meinen Besuch danken. Wir erklären ihm die Vorkommnisse bei der Kara Kelissa, er winkt nur ab und meint „Geld ist nicht wirklich wichtig“. Wie wahr!

Am nächsten Morgen lasse ich mich von „meinem Taxifahrer“ sehr früh vom Hotel das Arastal diesmal nach Osten fahren. Wieder tauchen wir tief in das Felsental ein und folgen der Grenze. Auf einmal lassen sich auf der anderen Seite der Grenze sehr feindlich aufeinandergerichtete Stellungen erkennen. Hier endet die aserbaidschanische Enklave Nakhchivan und Armenien beginnt. Nun ist es nicht mehr weit zum Grenzübergangspunkt Nordooz. Kaum habe ich das Taxi verlassen betrete ich das Gebiet der Grenzanlage, welches wie ein Werksgelände komplett vom Rest der Welt abgetrennt ist. Im Gebäude wird meine Ausreise gestempelt und ich darf mich auf den Weg zur Brückenrampe über den Aras machen. Dort ist nochmals ein Militärposten, welcher mich freundlich bittet nochmals meine Papiere zu reichen, der er in seinem handschriftlichen Journal jeden Grenzübertritt festhalten muß. Während dieser Prozedur interessiert sich der Soldat über meine Reiseroute in seinem Land und ist begeistert. Er meint ich habe von seinem Land nun mehr gesehen als er selbst. Ich verabschiede mich von ihm mit einem Symbolischen „godafes Iran“. Als ich in der Mitte der Brücke die Grenze überschreite gewinne ich eine halbe Stunde an Zeit, da ich die iranische Zwischenzeitzone verlasse.

 

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