Georgien, Tiblis und das Schwarze Meer, 05.06. bis 08.06.2014

Zug Yerevan Tiblis vor Abfahrt Zuglauf Yerevan Tiblis wie im Regenwald von meinem Balkon auf das schwarze Meer von Bahnhof Maschindschauri auf Batumi Tiblis von oben Tiblis Strassenzug Tiblis Strasse Tiblis Stadtrand aus Zugfenster Tiblis Stadtrand Tiblis Seilbahn Tiblis Revolutionsplatz Tiblis Platz Tiblis Obdachlose Tiblis moderne Bruecke Tiblis Kirche alt Tiblis Kirche Tiblis Haeuserzug Tiblis Fussgaengerzone Tiblis Bergseilbahn Tiblis bei der Anfahrt Tiblis Bahnsteig georgischer Zug Tiblis Bahnsteig Tiblis Bahnhofsplatz Belle Epoque Fassaden Tiblis Bahnhof innen Tiblis Bahnhof Ankunft aus Yerevan Tiblis Bahnhof Tiblis aus Luftseilbahn Tiblis altes Zentrum Strand 2 Kvariati Strand 1 Kvariati NZ vor Abfahrt in Tiblis Michal und Christiano Kvariati Haus Kvariati im suedlichen Georgien Gang im Zug Yerevan Tiblis Blick aus meinem Hotel Bahnhof Maschindschauri an der Grenze im Blick bereits Moschee in der Tuerkei an den Haengen von Kvariati Abteil im Zug Yerevan TiblisNur eine kleine Komposition an Liegewägen steht für den Zugverkehr zwischen den beiden Hauptstädten Yerevan und Tiblis zur Verfügung, bestehen aus altem Sowjetmaterial. In der einen Nacht geht es nach Süden, in der nächsten wieder nach Norden. Dies ist der einzige internationale Zug Armeniens. Bald nach der Abfahrt versammelt sich das Zugpersonal im kleinen Zugbistro im dort sich selbst die beste Kundschaft zu sein, die Stimmung schlägt bald in feucht-fröhlich über. Die Strecke verläuft nicht auf dem direkten Weg, es muß vielmehr zwischen den beiden Städten eine Art S gefahren werden. Am frühen Morgen erfolgen die Grenzkontrollen und dann geht die Fahrt für ca. drei Stunden nach durch Georgien. Auch dieses Land zeigt hier wie arm es ist. Bei der Anfahrt auf Tiblis zeigen sich die Außenviertel dieser Stadt auch durch eine herunter gekommen Sowjet-Einheitsarchitektur. Der Bahnhof selbst ist im Gleichbereich auch ziemlich herunter gekommen, dafür besteht ein modernes Empfangsgebäude, welches allerdings durch keinen sehr schönen Baustil auffällt. Im Gegensatz zu Armenien findet in Georgien aber nennenswerter Zugverkehr statt. Um den großen Bahnhofsvorplatz herum lösen sich Gebäude der Sowjetzeit mit schönen, aber herunter gekommenen Gebäude der Belle Epoque ab. Ich gebe hier mein Gepäck über den Tag ab und kaufe mir einen Fahrschein mit dem Nachtzug ans Schwarze Meer. So habe ich nun einen entspannten Tag in der Hauptstadt vor mir. Die Metro ist hier der von Yerevan sehr ähnlich, es verkehren aber deutlich längere Garnituren. Die Tunnel liegen aber extrem tief.

Auf diese Weise im historischen Zentrum eingetroffen muß ich feststellen das die Sanierung der Innenstadt und deren architektonische Befreiung von der Sowjetzeit schon deutlich weiter voran geschritten ist als in Yerevan. Diese Stadt macht sich gewaltig. Auf dem zentralen Platz kommen auf einmal zwei Radler mit viel Gepäck den Berg hinauf gestrampelt. Es handelt sich um Michal und Christiano aus Polen, welche mit ihren Rädern im Gepäck angeflogen kamen und nachdem sie sich einige Tage an den Bergen Georgiens abgestrampelt hatten nun durch die Türkei und über den Balkan wieder zurück in ihre Heimat radeln wollen. Ihre Geschichte und ihre Abenteuer können hier mitverfolgt werden: www.michalbarabasz.pl . In der Touristeninformation erhalte ich das übliche Informationspaket über Stadt und Land. Interessant finde ich darin wie offen und ehrlich Georgien hier mit seinem Territoritalkonflikt umgeht. Wenn zwei Staaten oder ein international anerkannter Staat mit einer abtrünnigen Provinz in Konflikt steht und die de Facto-Grenzen anders sind als sie nach Meinung mancher Regierungen sein sollten so nutzt normalerweise jede Seite seine Broschüren und Landkarten um dort die Grenzen so darzustellen wie sie de Facto nicht sind, aber nach Meinung der Regierung sein sollten. So weisen die Touristenkarten von Armenien die Region um Berg-Karabach als einen festen Teil Armeniens aus, Israel agiert nicht anders mit vielen den Palästinensern zustehenden Gebieten und auch die Republik Zypern scheint die Grenzlinie quer über die Insel nicht wirklich zu kennen. Georgien fällt hier sehr positiv auf indem es sein Informationsblatt nicht zur billigen Propaganda nutzt und die tatsächliche Lage korrekt darstellt.

Als Gorbatschow seine Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands gab und auch die Bedingung der USA schluckte das das vergrößerte Deutschland nun komplett Mitglied der NATO sein sollte wurde ihm vom gesamten Westen versprochen das die NATO sich nicht über die ehem. DDR weiter nach Osten ausbreiten würde. Wir Europäer sahen das Ende des Kalten Krieges als ein freiwilliges Einsehen beider Seiten. Auf der anderen Seite des Atlantiks sah man sich selbst dagegen als Sieger des Kalten Krieges und Rußland als den Verlierer. Und ein Verlierer muß „Reparationsleistungen“ erbringen. Daher wurde das NATO-Versprechen an Gorbatschow zwischenzeitlich mehr als nur einmal gebrochen. Die USA versuchen, oft genug mit Erfolg, einen Ring von neuen Vasallenstaaten um Rußland herum zu ziehen. Derzeit tobt dieser Konflikt auf eine sehr gefährliche Weise in der Ukraine. Aber schon kurz nach dem Zusammenbruch der UdSSR zeigte sich das viele Grenzen der früheren Sowjetrepubliken eben nicht der Bevölkerung entsprechen. Das ist zum einen mit der Krim der Fall, aber auch der im vorigen Kapitel beschriebene blutige Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan ist ein Beispiel hierfür. Und auch in Georgien liegen zwei Regionen, welche sich schon immer eher Rußland zugehörig fühlten als Georgien, Abchasien und Südossetien. Bei Südossetien liegt der Fall auf der Hand, liegt doch Nordossetien schon immer in Rußland. Diese beiden Territorien machten sich schon in den frühen 90igern unabhängig von Tiflis. Das hat man in Tiflis zwar nie offen akzeptiert oder gar vergessen, aber der Status Quo wurde über lange Zeit nicht angetastet, wohl zum einen um Blutvergießen zu vermeiden und zum anderen da man wusste hinter diesen beiden kleinen Territorien steht Rußland und mit diesem Land legt man sich besser nicht militärisch an. Dann bekam sowohl Georgien als auch die USA einen neuen Präsidenten, auf der einen Seite der allseits ungeliebte George W. Bush, auf der anderen Seite ein doch eher unbekannter Sakaschwilli (von seinen Gegnern auch gerne Kackarschwilli genannt). Sakaschwilli schwor sein Land auf einen klaren Kurs nach Westen ein, es schien nur eine Frage der Zeit bis auch dieses Land wie eine reife Frucht in den Schoß der USA fallen würde. Gleichzeitig kümmerte sich Sakaschwilli auch um viele Infrastrukturprojekte, welche heute auch noch von seinen Kritikern gelobt werden. Für Bush schien klar zu sein hier das nächste Mitgliedsland der NATO gefunden zu haben. Zuvor suggerierte er aber noch er würde Georgien in einem militärischen Konflikt mit Rußland um die beiden Provinzen unterstützen. Sakaschwilli sah sich am Ziel seines Weges und befahl den Angriff, noch immer im Glauben Bush stünde offen hinter ihm. Und über Nacht hatten wir 2008 einen neuen Krieg, Georgien gegen Rußland. Und erst zu diesem Zeitpunkt, keine Sekunde früher, schien Bush kapiert zu haben das wenn er nun Eingreifen würde er sich in einem Krieg mit Rußland befinden würde und seine Füße wurden kalt. Georgien wurde im Regen stehen gelassen und konnte am Ende froh sein unter Beibehaltung des Status Quo aus der Sache wieder raus gekommen zu sein. Man hätte das Land auch platt machen können und sich eine Vasallenregierung einrichten können, so wie es oft seitens der USA versucht wird. In der Ukraine, welche noch näher an Mitteleuropa grenzt, wird derzeit ein noch viel riskanteres Spiel gespielt mit noch offenem Ausgang. Aber wehret den Anfängen. Es gab in der deutschen Presse bereits die ersten Kommentare welche wegen des abgeschossenen Passagierflugzeuges nach dem NATO-Bündnisfall rufen. Wer dies tut nimmt billigend den dritten Weltkrieg in Kauf, welcher dann Mitten in Europa stattfinden wird.

Abchasien war zu Zeiten der UdSSR das Urlaubsgebiet der Elite. Gelegen direkt parallel zum schwarzen Meer in den Subtropen, einer für die restliche UdSSR doch eher seltenen Klimazone. Ein wenig nördlich liegt Sotchi, welche schon immer den Ruf als ein edler Urlaubsort hatte. Ein geregelter Grenzübergang von Georgien nach Abchasien ist heute möglich und in der Touristenbroschüre werden klar Tipps und Answeisungen gegeben wie und wo dies möglich ist. Somit kann man als Tourist Abchasien besuchen, leider scheint dieser Landstrich unter dem Konflikt doch sehr gelitten zu haben und kann derzeit an die mondäne Sowjetzeit nicht anknüpfen. Zu Südossetien ist derzeit kein Grenzübertritt möglich und es wird von einer Annäherung an die Grenze sogar gewarnt. Insgesamt möchte ich Georgien hier mein Lob für diese ehrliche und nicht-propagandistische Broschüre aussprechen.

Ansonsten ist es sehr interessant eine eher drückend warmen Sommertag in Tiblis zu verbringen, teilweise findet man Ecken welche Europa in nichts nachstehen, dann fällt an der nächsten Ecke doch wieder die sowjetische Vergangenheit auf, auch die Armut mancher Menschen kann nicht unverborgen bleiben. Am Abend mache ich mich auf den Weg ans Schwarze Meer in einem Nachtzug der georgischen Eisenbahnen. Es soll nach Batumi gehen, der wichtigsten Hafenstadt des Landes, welche nicht weit von der Grenze zur Türkei entfernt liegt. Obwohl die Bahnlinie in russischer Breitspur bis Batumi verläuft endet der Personenverkehr derzeit eine Station vorher, an einer alten Vorortstation. Nicht weit hinter den Gleisen ist bereits das Meer und auf der anderen Seite steigt eine Art Regenwald hinauf. Aufgrund der hohen Feuchtigkeit hier bei gleichzeitig warmen Temperaturen bilden sich oft Wolken an den nahen Bergflanken und die Niederschläge sind häufig. Somit finden wir hier durchaus eine ähnliche Situation wie im Regenwald. Ich nehme mir einen Stadtbus nach Batumi und steige bei strömenden Regen in der Stadt in eine andere Linie weiter nach Süden um. So durchquere ich die Stadt, auf einem Schild wird die Entfernung bis Istanbul mit 1.264 Km ausgewiesen. Südlich der Stadt, nur noch drei Kilometer vor der Grenze, wo die Berge ganz nah an das Meer heran kommen, liegt der kleine Ort Kvariati. Hier habe ich mir für zwei Nächte ein kleines Zimmer in einem kleinen Hotel reserviert, welches oben am Hang liegt, dafür ist Meerblick garantiert. Ich entscheide mich auf eine Besichtigung Batumis zu verzichten und mir einmal einfach zwei Tage ohne besonderes Programm zu gönnen. Es gibt viel aufzuarbeiten und das Meer ist zwar noch kühl, aber nicht zu kalt um ein Bad zu nehmen. Vier Wochen später werden sich an diesem Strand viele Touristen tummeln, jetzt, noch immer Anfang Juni, ist es extrem ruhig, viele Restaurants und Bars sind noch zu oder laufen nur auf Sparbetrieb. Aber das ist genau das, was ich jetzt brauche. Meine Augen haben in den letzten Monaten so viel gesehen, meine Beine sind so viel erlaufen, hier will ich einfach nur rumhängen und ausspannen. Nach zwei Tagen muß ich leider aufbrechen, mit dem Stadtbus von Batumi fahre ich einen Ort weiter südlich. Mitten in diesem Ort namens Sarpi befinden sich die Grenzanlagen zur Türkei. Es ist Sonntag und viele Menschen nutzen den freien Tag zum Besuch im Nachbarland. Die Schlangen sind daher lang. Die andere Seite der Abfertigungsanlagen wird Sarp genannt und besteht nur aus einer Moschee. Viele Dolmus stehen bereit und warten auf ihre Fahrgäste.

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