Durchs wilde Kurdistan, 08.06.-11.06.2014

Zustieg unterwegs in den Dogu Zitadelle über Kars verlassenes Bahnhofsgebaeude an der Dogu Strecke TCDD Bahnhof Kars Staudammregion Provence 2 Provence 3 Provence 4 Pyrenaen hinter dem Schwarzwald Schwarzwald Provence 1 per Anhalter durch...Kurdistan MS Windows Defaultbild, Homage an Bill Gates Morgens am Bahnhof von Kayseri letzter Blick runter zum Meer kleine Zwischenstation des Dogu Kirchenfresko in Ani in den Ruinen von Ani 9 in den Ruinen von Ani 8 in den Ruinen von Ani 7 in den Ruinen von Ani 2 in den Ruinen von Ani 3 in den Ruinen von Ani 4 in den Ruinen von Ani 5 in den Ruinen von Ani 6 in den Ruinen von Ani 1 Hinterland der Provence 1 Grenzschlucht zu Armenien 4 Grenzschlucht zu Armenien 3 durch Staudamm vergewaltigte Landschaft Euphrat Oberlauf Ferienhaeuser im Schwarzwald Grenzschlucht zu Armenien 1 Grenzschlucht zu Armenien 2 Dogu kurz vor der Abfahrt in Kars die weiten Ebenen von Schottland die Strasse windet sich den Schwarzwald hoch die schottischen Highlands Blick von der georgischen Kueste zur Tuerkei Blick aus dem Dogu 2 Blick aus dem Dogu 3 Blick aus dem Dogu 4 Blick aus dem letzten Wagen des Dogu Blick ueber den Schwarzwald zu den fernen Pyrenaen Blick aus dem Dogu 1 Betriebsschuppen der TCDD Aussichtspunkt im Schwarzwald auf der langen Fahrt des Dogu 7 auf der langen Fahrt des Dogu 6 auf der langen Fahrt des Dogu 5 auf der langen Fahrt des Dogu 4 auf der langen Fahrt des Dogu 3 auf der langen Fahrt des Dogu 2 auf der langen Fahrt des Dogu 1 alter zorastrischer Feuertempel von Ani Anfahrt auf Erzurum des Dogu von Osten Anhalter, warten auf Mitfahrgelegenheit asiatische Teeplantagen 1 asiatische Teeplantagen 2 alte georgische Kirche, jetzt Mosche in Kars Als ich die Zollanlagen hinter mir gelassen habe sehe ich daß das türkische Sarp nur aus einer Moschee und der großen Zollanlage besteht, während das georgische Sarpi immerhin noch ein echtes Dorf im Schatten der Grenzabfertigung ist. Mir ist bekannt das die nächste Stadt in der Türkei, wo ich auf überregionale Busverbindungen hoffen kann, ca. 15 Km weiter westlich liegt und Hopa heißt. Leider scheinen alle hier wartenden Dolmus nur bis ins nächste Dorf namens Kemalpasa zu verkehren. So nehme ich eben eine weitere Zwischenstation auf mich. In Kemalpasa erkenne ich weshalb so viele Leute von der Grenze ausgerechnet in dieses Dorf wollen, hier warten große Bazaranlagen, wie man sie oft nahe an Grenzen findet. Aber bereits bald darauf erwische ich auch einen Dolmus nach Hopa. Zwischen elf und zwölf an einem Sonntag Vormittag frage ich nun nach einem Bus nach Kars, was ebenso im tiefen Osten der Türkei liegt, aber viel weiter südlich und im Landesinneren, während sich Hopa noch immer direkt am Schwarzen Meer liegt. Leider habe ich Pech, heute fuhr nur ein einziger Bus nach Kars und der ist schon weg. Man verweist mich auf einen bald eintreffenden Kleinbus welcher bis Ardahan fahren soll, was immerhin zwei Drittel der Strecke bis Kars abdeckt. In der Hoffnung dort nicht in der Pampa zu landen und schnell einen Anschluß zum eigentlichen Ziel zu bekommen nehme ich in diesem Bus platz. Und los geht die Fahrt durch eine mir ganz unbekannte Türkei. Schon an der georgischen Küste ist mir aufgefallen wie die Feuchtigkeit des Schwarzen Meeres, welche der Westwind gegen die Berghänge hinter der Küste drückt dort häufig für feuchte Luft und Neben sorgen und es auch nicht selten Regen gibt. So entstand dort eine dem Regenwald nicht ganz unähnliche Vegetation. Hier, an den Hängen welche in der Türkei vom Meer aufsteigen werden diese grünen Hänge zum Anbau von Tee genutzt. Und so wirkt die Gegend ein wenig wie man man in Zentral- oder Ostasien wäre. Es würde nicht wundern würden zwischen den Teeplantagen Menschen mit chinesischen Strohhütten herum laufen. Als dann der erste Paß überschritten ist und das Meer endgültig aus dem Blickfeld verschwunden ist hören auch sofort die Teeplantagen auf. Nun tun sich im Land tiefe Schluchten auf, welche leider von Menschenhand regelrecht vergewaltigt wurden. Hier ließ Erdogan in seinem Wahn einen Riesenstaudamm nach dem anderen errichten und dabei überhaupt keine Rücksicht auf die Natur oder die Ästhetik der Landschaft genommen zu haben. Und immer wenn man meint nun den letzten Staudamm hinter sich zu haben erscheint die nächste Staumauer, immer mehr eingebettet in eine Landschaft wie man sie eigentlich auf dem Mars vermuten würde. Doch irgendwann hat man es geschafft und die Straße wird schmal und klein und folgt nun einem kleinen, aber wilden Flußlauf aufwärts. Nun erinnert die Landschaft in all ihrer Schönheit der Provence. Die Sonne, die Felsen, der blaue Himmel, all das könnte auch im Hinterland von Monaco so zu finden sein. Aber der Bus schraubt sich immer weiter die Berge hinauf und hat die Provence bald hinter sich gelassen. Nun wird das Klima kühler und die Wiesen saftig grün. Und ein dichter Nadelbaumwald tut sich auf, nun sind wir im Schwarzwald. Viele Bäche plätschern die Berg hinunter, Kühe weiden, es gibt am Straßenrand schöne Rast- und Grillplätze, all das ist eine fast schon bessere Kopie des Schwarzwaldes als das Original. Aber die Straße schraubt sich weiter in die Berge hinauf. Auf einmal erheben sich über die schwarzen Wälder hinaus felsige Berge, an deren Flanken noch Schneefelder zu sehen sind. Die Wälder gehen in karge Wiesen über, auf denen ein paar wackelige Schafalpen stehn. Nun sind wir in den Pyrenäen. Aber schon bald ist der höchste Punkt der Reise erreicht und dahinter fällt das Land nicht mehr so tief ab, es tut sich vielmehr eine riesige Hochebene auf, voll von grünen Wiesen und Bächen voller klarem Wasser. Dies sind die schottischen Highlands. Nur anstatt der Whiskydistillerien stehen am Rand der Straßen Moscheen mit türkischen, spitzen Minaretten. Bald darauf erreicht der Bus auch seine Endstation, welche aber leider nicht meine ist. Kars liegt noch ca. 80 Km weiter südlich. Aber auch man hartnäckigstes Nachfragen hilft mir nicht weiter, es gibt keinen Bus mehr heute dorthin. Die Türkei wird ja fast täglich von Tausenden Touristen überflutet, aber hierhin, nach Ardahan, haben sich noch nicht viele verirrt. Denn ich werde behandelt und begrüßt wie im Iran. Anstatt „Welcome in Iran“ heißt es nun „Welcome in Kurdistan“. Und das macht mir erst bewußt das ich hier nicht irgendwo in der Türkei gelandet bin, sondern im tiefen Osten, welcher nicht selten Schauplatz von bürgerkriegsähnlichen Zuständen war. Habe ich nicht erst gestern, noch in Georgien, im Internet von gerade wieder aufgebrochenen Spannungen gelesen habe? Aber die eigentlichen Problemgebiete von türkisch-Kurdistan, wie die Stadt Gaziantep, liegen weit, weit im Süden, nahe an Syrien dran. Hier lächeln die Leute und niemand blickt mich feindselig an, eben so wie im Iran. Da ich für diesen Abend bereits ein Hotelzimmer verbindlich reservierte kommt für mich ein Aufgeben nicht in Frage und ich bin fest entschlossen mich durchzukämpfen. So laufe ich den weiten Weg bis ich die Umgehungsstraße erreicht habe und hebe frohen Mutes den Daumen raus. Jetzt bin ich bislang schon so weit gekommen und jetzt ist es das erste Mal das ich auf das Trampen zurück greifen muß. Das ist hier gar nicht so einfach. Noch scheint die Sonne wärmend, aber der Wind und die dunklen Wolken, welche jeden Moment Regen androhen, verheißen kühle Nächte. Die Straßen sind zwar einmalig ausgebaut, aber der Verkehr ist spärlich. Und hier spricht kaum einer eine Sprache welcher auch ich mächtig bin, Antalya ist eben sehr weit weg…

Nach ca. einer Stunde habe ich Glück und eine freundliche Reisegruppe nimmt mich mit auf ihrem Weg nach Kars. Wieder bewundere ich diese unglaubliche Landschaft, welche noch immer an die schottischen Highlands erinnert. Kars ist eine Kleinstadt von ca. 70 000 Einwohnern, aber nur ca. 45 Km östlich der Grenze zum feindlichen Armenien. Luftlinie dürften es bis Yerevan ca. 100 Km sein. Wahnsinn, wenn man bedenkt was für einen Riesenumweg ich von dort habe machen müssen um letztendlich hierher zu gelangen. Und das alles nur weil diese Völker auf dem Kaukasus ihre Nachbarnationen nicht einfach auch als Menschen mit zwei Händen und zwei Beinen, gleich ihnen selbst, ansehen können. Kars ist der Endpunkt des Dogu-Ekspresi der türkischen Eisenbahn. Dieser verbindet ebenso wie der Transasya nach Ankara, die Strecke verläuft aber weiter nördlich. Ich habe mich entschieden auf dem Rückweg nicht mehr den direkten Zug zu nutzen auch um nun die Chance zu haben weitere Landschaften zu erfahren. Früher führte die durch Kars laufenden Bahnstrecke weiter in die UdSSR, es gab direkte Züge von der Türkei bis nach Moskau. Das ist schon beachtlich, direkte Zugverbindungen aus einem Mitgliedsland der NATO bis in die Hauptstadt des Erzfeindes. Heute, wo diese Konflikte überwunden scheinen, ist dieser Schienengrenzübergang schon seit 20 Jahren für jeglichen Verkehr geschlossen. Und wenn es weiter ginge wären die Probleme an dieser Stelle noch lange nicht überwunden. Von Armenien ginge es immerhin problemlos bis Georgien. Hier wäre dann aber schon mitten in Georgien, an der Grenze zu Abchasien, schon wieder Schluß. Oder man würde von Tiblis über Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans fahren. Diese Bahnlinie ist offen und auch von Baku nach Moskau soll es noch einen Zug geben. Aber ob Aserbaidschan einen Zug rein lassen würde dessen Laufweg auch Armenien anschneidet? Und schon drehen wir uns wieder im Wahnsinn dieser sinnlosen Konflikte, die nichts sicher bringen außer Opfer!

Wenn ich nun aber schon einmal in Kars gelandet bin so lasse ich die nächste Abfahrt des Dogu-Ekspresi am nächsten Morgen um 09:45 sausen (dieser Zug verkehrt täglich einmal), da es östlich von Kars, direkt an der feindlichen Grenze zu Armenien, noch die Sehenswürdigkeit dieser Gegend mitzunehmen gilt. Ani, eine alte armenische Ruinenstadt. Wegen Ani gibt es in Kars sogar eine Art Tourismus, ich bin also nicht der einzige Ausländer hier. Aber alle erklären auf Nachfrage nur wegen Ani hier zu sein. Am morgen ist es bereits um 03:55 taghell. Nach dem Überschreiten der Grenze von Georgien „gewann“ ich durch die Zeitumstellung eine weitere Stunde und meine Zeitverschiebung mit der Heimat ist nun nur noch eine Stunde, im nahen Iran waren es noch zweieinhalb Stunden. Athen und Sofia befinden sich in derselben Zeitzone wie die Osttürkei und es wird klar das diese Zeitzone zwar für die großen Millionenstädte im Westen gut paßt, der Osten der Türkei aber eigentlich seine eigene Zeitzone bräuchte und man diesem Landstrich seine Amtszeit nur aus einem Grund aufzwingt, um die Türkei mit ihrer weiten Ost-West-Ausdehnung künstlich in einer Zeitzone zu halten. Obwohl wir vor acht Uhr morgens aufbrechen steht die Sonne schon weit oben. Und nun wirkt diese weite Landschaft auf einmal wie die mongolische Steppe. Auf den weiten Wiesen weiden weit verstreut Rinder und hin und wieder reiten die ärmlich gekleideten Hirten an den Herden vorbei. Die Hügel wirken so grün, der Himmel so blau und die Wolken so weiß wie das Standardbild von Microsoft Windows. Im Grund scheint dieses Bild, welches schon viele Nutzer von Windows zur Verzweiflung getrieben hat, wohl hier aufgenommen worden. War Bill Gates vielleicht schon einmal hier auf dem Weg nach Ani? Aber wen sollte ich fragen, es spricht ja niemand Englisch oder gar meine Sprache? Unser Fahrer meint früher wäre der Bezirk östlich von Kars ein militärisches Sperrgebiet gewesen und der Besuch von Ani nur mit Sondergenehmigung, unter Begleitung des Militärs und dem Verbot von Photographien gestattet gewesen. Und es wäre eben jener viel kritisierte Erdogan gewesen welcher Ani der Welt zugänglich gemacht habe. Direkt hinter dem Ruinenfeld fließt tief eingeschnitten in einem tiefen, felsigen Tal ein Fluß. Dieser markiert die Grenze zu Armenien. Unglaublich, das so ein großes Land wie die Türkei, welcher hinter Istanbul einfach nie enden will, auf einmal doch ihr Ende finden kann. Und auf der anderen Seite stehen wieder diese Grenzwachtürme, wie ich sie auch in Jolfa habe sehen können, grün angestrichen. Grün war wohl die Erkennungsfarbe der alten UdSSR.

Ani ist seit dem 5. Jahrhundert als armenische Festung nachweisbar. 763 kam es in den Besitz der Bagratiden, im 10. Jahrhundert entwickelte es sich zu einer bedeutenden Stadt. König Aschot III. Bagratuni (951-977) machte Ani im Jahre 961 zur Hauptstadt seines armenischen Königreiches. Als sie 1045 den Byzantinern übergeben wurde, war die an der nördlichen Seidenstraße gelegenen Stadt weithin als „Stadt der 1001 Kirchen“ bekannt und zählte mehr als 100.000 Einwohner. Am 16. August 1064 wurde Ani von den türkischen Seldschuken erobert, wodurch es unter islamische Herrschaft geriet. Sultan Alp-Arslan überließ die Stadt 1072 den (bereits Gandscha und Dwin regierenden) Schaddadiden, einer kurdischen Vasallendynastie, die sich hier hielt, bis Ani am Ende des 12. Jahrhunderts wieder einmal an die christlichen Georgier fiel. Zwischen 1125 und 1209 gelang es diesen insgesamt fünfmal, die Stadt zu besetzen. 1239 fiel Ani in mongolische Hände. Im Jahre 1319 wurde das Schicksal der Stadt von einem Erdbeben besiegelt, woraufhin die Bevölkerungszahl ab dem 14. Jahrhundert – Ani gehörte nun zu den Reichen der Aq Qoyunlu und Qara Qoyunlu – langsam aber stetig sank. Nach 1534 war Ani Teil des Osmanischen Reiches und lag zwischen 1878 und 1917 auf dem Gebiet des Russischen Reiches. Heute ist Ani eine Geisterstadt und vor allem für die noch erhaltenen Zeugnisse armenischer Architektur bekannt. Die einzigen „Bewohner“ sind türkische Grenzsoldaten, vereinzelte Touristen und Anwohner des benachbarten türkischen Dorfes Ocaklı. Bedroht von „Restaurierungsarbeiten“, Kulturvandalismus, Erdbeben und in jüngerer Vergangenheit auch durch Bodenerschütterungen (ausgelöst durch Sprengungen in einem Steinbruch auf armenischem Gebiet), steht die Zukunft dieses Kulturdenkmals jedoch in Frage. Mehr oder weniger erhalten sind Teile der doppelt ausgelegten Stadtmauer, die Kathedrale (vollendet im Jahre 1001 oder 1010), einige Kirchen und Kapellen, die Zitadelle und ein Palast, der Ende des 20. Jahrhunderts einem „Wiederaufbau“ zum Opfer fiel. (Quelle für diesen Teil des Textes ist Wikipedia, da ich selbst es weder besser wissen kann und auch nicht besser ausdrücken kann). Mitten in dieser Ruinenlandschaft finden sich auch noch Grundmauern eines zoarastrischen Feuertempels, der alten Religion Persiens. Und wieder habe ich ein verbindendes Element in dieser heute doch so an Staatsgrenzen reichen Region gefunden.

Kars selbst wechselte auch mehrmals seinen Besitzer oder Okkupanten. Gerade die Russen hielten diese Stadt mehrmals in ihrem Eigentum. In dieser Zeit wurden dort auch Bauern aus der Schweiz und Süddeutschland dort angesiedelt, vielleicht ein ganz besondere Zweig der Russlanddeutschen. Da hier noch immer eine intensive Milchwirtschaft betrieben wird führten diese Siedler in diesem vergessenen Teil der Welt auch mit der Produktion von Emmentaler an. Dieser wird hier heute noch hergestellt.

Am nächsten Morgen verlasse ich diese Region im Dogu-Ekspresi nach Westen. Auch wenn ich den Fahrschein erst einen Tag vorher erworben habe war noch immer ein Platz im Schlafwagen für mich frei. Die Landschaft bleibt extrem grün und abwechslungsreich. Immer wieder hält der Zug in kleinen Dörfern und langsam füllt er sich. In Kars selbst waren längst nicht alle Plätze belegt. Folgt der Transasya-Ekspresi dem südlichen Hauptarm des Euphrat so folgt dieser Zug dem nördlichen Hauptarm. Erst spät am Nachmittag erreichen wir die nächste Stadt, Erzurum. Auf der Karte sieht die Entfernung von Kars bis Erzurum nicht weit aus, wenn man es mit der Entfernung von hier bis zum Bosporus vergleicht. Aber was für ein Vergleich ist das denn? Weiter und weiter bahnt sich der Zug sein Weg nach Westen, aber wirklich weit vom Fleck scheint er dabei nicht zu kommen, noch immer sind Ankara und Istanbul in einer völlig anderen Welt. Aber immerhin steht auch hier ein Speisewagen bereit. Ist der Speisewagen im Transasya-Ekspresi als einer der best gehenden Speisewagen des Landes immer von Personal geführt welches sein Handwerk versteht so ist es hier eine Enttäuschung. Es herrscht keine sonderliche Motivation und die Hälfte der Speisekarte ist schon bald nach der Abfahrt ab Kars nicht zu haben. Was soll dann diese Karte eigentlich? Wenn auf dieser Linie kein so hoher Umsatz zu erzielen sollte man auch gleich eine verkleinerte Karte anbieten. Aber es fällt sehr unangenehm auf wenn man erst nach der dritten Wahl eine Bestellung aufgeben kann. Aber irgendwann fällt die Dämmerung über das Land und ich lasse mich vom taktvollen Rumpeln des Zuges in den Schlaf wiegen. Viele Stunden später, es ist noch immer Nacht, aber die Dämmerung nicht mehr weit, werde ich geweckt. In 20 Minuten werden wir Kayseri erreichen. Irgendwann in der Nacht, bei Sivas, vereinte sich die Route des Dogu-Ekspresi mit meiner Route der Hinfahrt. Damals legte ich diesen Abschnitt bei Tageslicht zurück, so paßt es diesmal eigentlich ganz gut. In Kayseri sind damals Parisa und ihr Onkel zugestiegen, welche damals zunächst gar nicht erfreut auf die Anwesenheit des Finnen und von mir in „ihrem“ Abteil reagierten. Aber trotzdem wurde daraus eine große Freundschaft. Nun vermisse ich die beiden fast ein wenig. Der Dogu-Ekspresi hat ab hier noch immer sieben Stunden Fahrzeit bis er endlich Ankara erreicht haben wird, aber meine Fahrt ist hier zu Ende. Ich befinde mich nun in etwa in der geographischen Mitte der Türkei, Kayseri ist eine Millionenstadt, der Bahnhof verfügt aber nur über wenige Bahnsteige, keinerlei Überdachungen und das Empfangsgebäude entspricht in etwa der Dimension einer deutschen Kleinstadt. Ich setze mich einfach im freien auf eine Bank am Bahnsteig und lasse einfach mal Zeit vergehen, Zeit um den Tag kommen zu lassen. Als dann gegen sieben Uhr die Sonne schön am Himmel steht suche ich den nahen Kiosk auf. Und obwohl auch hier keine direkte Verständigung möglich ist sind die Menschen sehr freundlich und ein Frühstück ist leicht organisiert. Kayseri gilt als eine sehr religiös-konservative Stadt in der Türkei, in der Erdogan viele Anhänger haben soll. Im Fernsehen der Teestube läuft aber eine kritische Reportage zur Person Erdogan. Und selbst mit den wenigen Worten, welche wir wirklich austauschen können, wird klar, das der freundliche Mann des Teehauses von Erdogan nichts hält. So komisch ist die Welt. Aber ich habe hier in Kayseri nicht halt gemacht um eine Reportage über die Beliebtheit des Ministerpräsidenten zu machen. Nein. Nicht weit entfernt von Kayersi liegt eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Türkei. Und wenn ich schon einmal so nah daran vorbei fahre so entschied ich mir die Zeit zu nehmen mir ein paar Tage Zeit zu nehmen mir dies einmal mit eigenen Augen anzusehen. Mehr dazu aber dann im nächsten Beitrag.

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