In den Süden, zurück ans Mittelmeer, ich bin reif für die Insel, 15.06.2014

Zwischenhalt auf der Bagdadbahn Zoom auf Girne Yenice TCDD warten auf die Abfahrt der Faehre Taurusdurchbruch 5 Taurusdurchbruch 4 Taurusdurchbruch 3 Taurusdurchbruch 2 Taurusdurchbruch 1 Strand von Tasucu so sieht das Viadukt im Film aus, jetzt mit Tunnel So sieht das Viadukt eigentlich aus so harmlos sieht das Viadukt fuer den Reisenden aus Skyfall_Varda_Bridge "Provence", nahe Meer nordzyprische Kueste Blick nach Osten mein Biwak an Deck Hafen von Tasucu Hafenrestaurant in Tasucu Girne und Burg Sankt Hilarion Girne, das Kastell sticht heraus Einfahrt in den Taurus 1123220 - Skyfall Dreharbeiten mit Stuntdouble, keine Tunnels erkennbar Daniel Craig die Villen rund um Girne die Schatten des Fünffingergebirges, Zypern die sanften Huegel der Provence die Faehre der Taurus im besten Morgenlicht der Strand lockt der Strand bietet Erholung Daniel Craig das wilde Mittelmeer bei Tasucu das oestliche Mittelmeer beim Einlaufen nach Girne Blick runter auf die liebliche Provence Bahnhof an der Bagdadbahn am Strand von Tasucu Abendstimmung in Tasucu Abschied von der Tuerkei

    Im Großraumwagen der TCDD ist leider kein tiefer Schlaf möglich. Nur wenige Stunden nach meinem Einschlafen erwache ich kurz und es ist bereits hell. Am südlichen Horizont sind die hohen Berge des Taurus zu sehen. Ich schlummere wieder ein. Irgendwann im Schlaf vereinigt sich unsere, von Kayseri kommende Strecke, mit der echten Bagdadbahn, welche Ankara weit südlich umfährt. Auch wenn meine Reise auf der alten Bagdadbahn nur über ein kurzes Stück sein wird handelt es sich dabei immerhin um den spektakulärsten Teil dieser sagenumwobenen Bahn, die Taurusquerung. Noch immer sind einige der nahen Gipfel von Schnee bedeckt.

Der Zug taucht schnell in in tiefes Tal mit schroffen Felsen ein. Cineasten würde der Blick aus dem Fenster komischerweise wie ein Deja-Vu vorkommen, auch wenn sie vorher noch nie hier gewesen wären. Denn genau hier wurden die Kampfszenen auf dem Zugdach in den Anfangsminuten des letzten James-Bond-Filmes, „Skyfall“, gedreht. Im Film wird ja suggeriert dies würde nur kurz hinter Istanbul stattfinden, in Wahrheit braucht ein Zug ca. 24 Stunden für diese Strecke. Aber auch der Teil des Filmes, welcher eigentlich in Istanbul spielen soll, wurde kaum dort gedreht. Erinnern Sie sich? Kaum nachdem Bond den flüchtigen Patrice über die Dächer des Bazars jagte springt dieser von einer Brücke auf den fahrenden Zug. Der Bazar befindet sich in Europa, mitten in der historischen Altstadt. In der Nähe verlaufen aber lediglich zu Einfahrtsgleise nach Sirkeci, welche aus Bulgarien kommen. Die Bagdadbahn beginnt in Haydarpasa in Asien. Um einen nach Osten fahrenden Zug zu bespringen müßte man also erst einmal den Bosporus überqueren. Also hat die Filmcrew viele dieser Jagdszenen in der nahe gelegenen Großstadt Adana gedreht. Auf einmal erblicke ich ein großes, steinernes Viadukt, dessen Höhe man erst bei der Überfahrt klar erkennen kann. Von diesem Viadukt, dem sog. Viadukt der Deutschen, wurde James Bond herunter geschossen. Der tief unten verlaufende Fluß ist nur sehr schmal. Selbst wenn ein herunter stürzender Mensch nun wirklich sehr zufällig ausgerechnet in diesen Fluß treffen würde wären seine Überlebenschancen sehr gering. Da hat Bond eben nochmal Glück gehabt, wie so oft. Aber nicht nur mit der Location wurde zwischen Film und Realität geschummelt. Im Film ist die Bahnstrecke direkt vor und nach dem Viadukt in Tunneln versteckt. In Wirklichkeit gibt es in der Nähe des Viadukts aber gar keine Tunnel. Ich habe meiner Photogalerie eingie Aufnahmen von den Dreharbeiten beigefügt. Auch hier sind keine Tunnel zu sehen. Nur in den Filmsequenzen existieren diese.

Kurz darauf sind die Berge bereits durchquert und unter uns (bis zum Meer müssen noch ein paar Höhenmeter abgebaut werden) tut sich eine liebliche Landschaft wie die Provence auf. Den Part des in Südfrankreich üblichen Lavendels nehmen hier Felder von Sonnenblumen ein. Der Zug schlängelt sich langsam hinunter in die Ebene, wo der kleine Bahnknotenpunkt Yenice erreicht wird. Hier zweigt eine kurze Stichbahn nach Westen, bis Mersin, ab. Die Hauptstrecke geht dagegen weiter Richtung Osten, zunächst Adana, dann gibt es noch eine Stichbahn bis Iskenderun, die Hauptgleise queren aber irgendwann unweigerlich nach Syrien, es ist daher verständlich das über diese Grenze hinweg bis auf weiteres kein Zugverkehr stattfindet. Im weiteren Verlauf der Bagdadbahn, wenn diese dann endlich irakisches Gebiet erreicht hat, dürfte diese auch viele derzeit von der ISIS kontrollierte Gebiete durchqueren. Für einen geordneten Bahnbetrieb ist hier der Bleigehalt der Luft eindeutig zu hoch!

So verlasse ich diesen Zug in Yenice und steige nach Mersin um. Mersin liegt nun wirklich direkt an der Mittelmeerküste. Damit endet meine letzte Bahnfahrt in der Türkei auf dieser Reise. Ich schnappe mir nun einen Dolmus nach Westen, immer der Küste lang. Diese ist hier bereits sehr schön, die vielen Ständen locken, nicht-türkische Touristen gibt es aber kaum. Bis Antalya sind es noch weit über 300 Km nach Westen. Mein Ziel heißt aber Tasucu in der Nähe der Kleinstadt Silifke. Tasucu verfügt über einen netten Strandabschnitt, an dem ich mich auch ein wenig von der anstrengenden Nacht erhole, hat aber ansonsten nicht so viel zu bieten. Auch hier sind alle Touristen nur Türken. Im Schatten des Strandes befindet sich ein wichtiger Hafen. Und wegen dieses Hafens wurde das unscheinbare Tasucu auch der letzte Ort, welchen ich in der Türkei besuchte. Ab hier wird ein Großteil des Fährverkehrs mit Zypern abgewickelt, welches deutlich weniger als 100 Km südlich entfernt liegt. Ich habe eine Reservierung für die Mitternachtsfähre nach Girne in Nordzypern. So nutze ich die Zeit zum Müßiggang und Strandbummel, nach langem Warten läßt man mich endlich an Bord. Ich suche mir einen ruhigen Platz an Deck und packe meine Biwakausrüstung aus. Bald ereilt mich der Schlaf des Gerechten. Als ich kurz vor vier Uhr aufwache stelle ich fest das wir den Hafen noch immer noch verlassen haben. Erst kurz nach vier geht es tatsächlich los. Was auch immer der Grund hierfür war, ich werde es nie erfahren. Einige Stunden später, die Sonne ist längst aufgegangen, erscheinen die Berge von Zypern als Schatten am Horizont. Je mehr ich die Details der Berge erkennen kann umso mehr erfassen mich meine Erinnerungen an den Urlaub im letzten Jahr. 2013 verbrachte ich insgesamt zwei Wochen auf dieser Insel, dabei wurde fast jedes Eck der Insel erkundet. Die meiste Zeit verbrachte ich aber an der Nordküste rund um Girne, welches jetzt ja auch das Ziel dieser Fähre ist. Sankt Hilarion, Bellaplais, der alte Hafen, Buffavento mit seinem Paß, all diese Orte sind mit jungen Erinnerungen für mich verbunden, diese nun aber einmal vom Meer aus zu sehen ist trotzdem wieder neu. Rund um die Altstadt von Girne fallen die vielen Villen auf, Girne und Nordzypern boomen. Gerade bei vielen Engländern wurde ein Altersruhesitz an der zyprischen Nordküste während der letzten zehn Jahre immer attraktiver. Ich freue mich nun ein paar entspannte Tage in der Altstadt von Girne zu verbringen. Girne ist einer der schönsten Orte der ganzen Insel, sein alter Hafen mit Kastell gleicht auf verblüffende Weise der korsischen Stadt Bastia, überhaupt ist Girne der Ort welcher am meisten malerischen italienischen Küstenorten ähnelt. Aber bereits von der Fähre kann ich wieder erkennen das der Straßenverkehr links abgewickelt wird. Mußten die Engländer das dieser Insel wirklich antun? Bei der Einreise in die Türkische Republik Nordzypern im Hafen von Girne wird mir der Einreisestempel diesmal ungefragt direkt in den Reisepaß gestempelt. Letztes Jahr wurden hierfür noch separate Vordrucke genutzt um keinen Ärger mit den Behörden anderer Staaten zu riskieren. Und dann wartet auch schon die schöne Altstadt auf mich.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s