Girne und die Türkische Republik Nordzypern, 16.06.-18.06.2014

von Escape Beach auf St Hilarion um den Besparmak herum Stilleben in Girne Stilleben am Hafen von Girne steile Talfahrt ans Meer Sonnenuntergang um den Hafen von Girne 7 Sonnenuntergang um den Hafen von Girne 6 Sonnenuntergang um den Hafen von Girne 5 Sonnenuntergang um den Hafen von Girne 4 Sonnenuntergang um den Hafen von Girne 3 Sonnenuntergang um den Hafen von Girne 2 Sonnenuntergang um den Hafen von Girne 1 privater Hotelstrand des Riviera Hotels bei Girne 3 privater Hotelstrand des Riviera Hotels bei Girne 2 privater Hotelstrand des Riviera Hotels bei Girne 1 Girne Altstadt 1 Escape Beach 3 Escape Beach 2 Escape Beach 1 der Besparmak von seiner schoensten Seite die Bergwelt des Besparmak die Bergwelt von Nordzypern einsame Forststrasse ein Sommertag in der Altstadt von Girne der Besparmak vom Strand Algida aus gesehen der Besparmak im Profil Burg St. Hilarion von Girne aus gesehen Blick auf die Altstadt von Girne 3 Blick auf die Altstadt von Girne 2 Blick auf die Altstadt von Girne 1 Besparmak von der Passtrasse Besparmak Bergrestaurant von innen Besparmak Bergrestaurant von aussen Aussichtspunkt auf die Nordkueste 2 Aussichtspunkt auf die Nordkueste 1 auf den Forstwegen durch die Bergwaelder Algida-SchildkroetenstrandEs gibt keinen besseren Ort einen Aufenthalt auf Zypern zu beginnen als in Girne, in der Mitte der langen Nordküste. Zwar befindet sich diese Stadt in den offiziell verpönten Gebieten der Insel, welche türkisch kontrolliert sind, aber es ist mit Abstand einer der schönsten Orte der ganzen Insel. Die Altstadt schmiegt sich harmonisch rund um den alten Hafen, welcher im Osten durch ein Kastell abgerundet wird. Dieses Kastell war früher einmal gar von Meerwasser umrundet. Die alte Vergangenheit der Insel, in welcher Türken und Griechen gemeinsam lebten, ist noch immer präsent, da im Osten der Altstadt ein Minarett in die Höhe steigt, im Westen dagegen ein schöner, weißer Kirchturm. Viele aktiv genutzte Kirchen gibt es heute in Nordzypern nicht mehr, aber es sind keine Fälle von Verschandelungen oder gar Schändungen von Kirchen bekannt. Es wurden höchstens einige zweitrangige Dorfkirchen in Moscheen umgewandelt, ohne aber den historischen Charakter des Gebäudes zu verändern. Viele Kirchen sind heute Museen, einige davon werden an wenigen Tagen im Jahr noch zu Gottesdiensten genutzt, wenn die alte griechische Gemeinde aus dem Süden zu Besuch kommt, andere dienen als Ansammlungsorte von Ikonen.

Nordzypern stand sehr lange im Schatten von Südzypern. Wirtschaftlich hinkt dieser Teil dem Süden weit hinter her. Nach der Teilung investierte der Süden massiv in den Tourismus und es entstanden viele häßliche Betonbauten, oft direkt am Strand. Der Norden blieb von dieser Entwicklung verschont, auch dies ein Grund weshalb gerade Girne im Norden zu den Juwelen der Insel zählt. Hier sind die alten, historischen Stadtbilder erhalten geblieben. Lange Zeit litt der Norden von der internationalen Ächtung, Reisen dorthin waren nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Und wer sich diese antat wußte das er auf dieser Reise den deutlich größeren Inselsüden nicht betreten kann. Dies änderte sich aber schlagartig im Jahre 2003, als man im Norden beschloß, die Grenze zum Süden einseitig zu öffnen. Der Süden konnte dagegen wenig tun, da dieser seinen Landsleuten und der Welt immer predigte der Norden sei ja gar kein eigener Staat und untrennbarer Teil des Staatsgebietes des Südens. Die Teilung sei ja immer rein der Wunsch und die Schuld des Nordens gewesen. Da wären dann einige Leute zum Nachdenken gekommen wenn nun auf einmal der Süden die eben vom Norden eingerissene Grenzmauer wenige Meter südlich wieder aufgebaut hätte. Man kann nicht um ein Gebiet eine Mauer ziehen, aber gleichzeitig behaupten dieser Teil gehört untrennbar zusammen. Daher mußte die Grenzöffnung zähneknirschend akzeptiert werden. Viele Nordzyprer nutzen seither die Möglichkeiten und kaufen viel in den Supermärkten des Südens ein, da es dort einige Sortimente gibt, die hier billiger sind. Südzyprer, welche sich dagegen aufmachten einmal den Norden zu studieren, gibt es sehr wenige. Mit dem Wunsch, den Norden tatsächlich wieder zu integrieren, scheint es daher nicht so weit her zu sein.

Für Touristen war diese Grenzöffnung aber ein Segen. Seither kann man in jeden Inselteil einreisen und beliebig die gesamte Insel bereisen, ganz nach Lust und Laune. Und wirtschaftlich profitierte der Norden während der letzten Dekade auch vom starken Boom in der Türkei, mit welcher er wirtschaftlich noch immer eng verbunden ist. Als nun Südzypern auch noch in den Negativstrudel der Finanzkrise kam, wurde der Norden auf einmal zum Boomland und Wirtschaftsmotor der Insel, während der Süden seither das Sorgenkind ist. Der Norden besteht aus ca. 38 % des Inselterritoriums, verfügt aber über 55 % der Strände. Und was für Strände man dort finden kann! Die schönsten der ganzen Insel, frei zugänglich, ohne jegliche Verschandelung oder Kommerzialisierung. Gerade am Ende der langen Nordspitze, der Halbinsel Karpaz, liegen traumhafte Strände, welche ihresgleichen auf der Welt suchen. Nur wenig kann der Südzyprer heute noch dem Trend immer mehr Touristen, welche es in den Norden zieht, entgegen setzen. Es wird ahnungslosen Touristen immer geradezu penetrant gepredigt man möge ja nicht in den Norden fahren, dort gäbe es keine Infrastruktur, keine guten Hotels und es sei gefährlich. Dies wird aber derartig einseitig wie ein Mantra vorgetragen das es nicht mehr glaubhaft wirkt. So sagen sich gerade deshalb viele Touristen, wenn einem ein Land derartig madig geredet wird dann muß es interessant sein und fahren gerade deshalb hin. Und wer einmal die nördliche Altstadt von Nicosia hinter sich gelassen hat und das echte Nordzypern kennen lernt der fällt auf solche Lügen nie wieder herein.

Nun ist Nordzypern nicht nur schöner, sondern auch noch billiger als Südzypern, da haben die Griechen nun doppelt Pech gehabt. Aber es ist auch ihre Schuld, sie hätten beim Referendum über eine mögliche Wiedervereinigung im Jahre 2004 einfach mehrheitlich mit „Ja“ stimmen müssen und es gäbe all diese Probleme nicht mehr. Der Norden stimmte mit einer so großen Mehrheit mit „Ja“ mit welcher der Süden „Nein“ sagte. Da lamentierten und heulten die Griechen im Süden über 30 Jahre hinweg über die so ungerechte Teilung dieser Insel und wie böse das doch ist und wie schlecht es ihnen dadurch geht und dann müßten sie nichts anderes tun als in einer freien und geheimen Wahl „Ja“ zur Wiedervereinigung sagen und dann sagen sie einfach „Nein, es war all die 30 Jahre doch nicht so gemeint, im Grunde ist das mit der Teilung eine gar nicht so schlechte Sache, denn mit denen da im Norden wollen wir eigentlich gar nicht so viel zu tun haben“. Lächerlicher und unglaubwürdiger kann man sich nicht machen. Es ist eben doch so das man im Süden das Land des Nordens gerne hätte, aber doch bitte ohne die Menschen, welche dort leben. Ähnlich pharisäisch geht es im Nahostkonflikt zu, nur dort deutlich blutiger.

Ich besuchte in den letzten Jahren meines Lebens einige Staaten islamischer Prägung. In keinem davon wurde dem Islam ein so geringer Stellenwert eingeräumt als in Nordzypern. Viele Imame in diesem Land müssen einem glatt Leid tun, so hoffnungslos verhallen ihre Predigen unter der Bevölkerung. Letztes Jahr hielt ich mich in Nordzypern während des Ramadans auf. Davon war zu keinem Zeitpunkt auch nur das geringste zu bemerken. In den Restaurants sitzen die Einheimischen und es wird herzhaft gegessen, Alkohol fließt in Strömen. In der Türkei ist der Konsum von Alkohol stark besteuert, Glücksspiel und Prostitution stark eingeschränkt. Nordzypern schuf sich sein Geschäftsmodell mit der Freigabe von Glücksspiel und Prostitution nebst billigem Alkohol. Von vielen türkischen Flughäfen gibt es sehr günstige Flugangebote nach Nordzypern, so verbringen viele Türken dort abwechslungsreiche Wochenenden. Das werden wohl meist die Menschen sein, welche in der Türkei vorbildlich den Islam vorleben, dann über ein Wochenende nach Zypern fliegen, dort die Sau raus lassen und ab Montag daheim wieder den Nachbar kritisieren, weil er ja den Islam falsch auslege. Aber egal, so kann auf jeden Fall Geld verdient werden und gerade in Girne zeigt sich der Erfolg dieses Konzepts. Die Stadt ist voll von schicken Hotels und Casinos, Poolbars und Escortgirls.

Da die ganze Insel früher einmal eine britische Kolonie war wird nun die Nordküste als Altersruhesitz von Briten auch immer beliebter. Girne und Nordzypern boomen. Als ich letztes Jahr über eine einsame Autobahn in diesem Land fuhr stand mitten in der Wüste auf einmal eine Ansammlung von Bordellen. Undenkbar, ein solches Bild, in der Türkei. Aber Deutsche brauchen aus keinem dieser Gründe dieses Land aufsuchen, all dies ist im eigenen Land ja genauso freizügig verfügbar. Aber die Strände und historische Orte locken dann doch. Nur im Norden gibt es eine große Ansammlung an alten Ritterburgen und historischen Klöstern. Die wichtigsten historischen Ausgrabungsstätten liegen im Norden ebenso wie die unvergleichlichen Altstädte von Famagusta und Girne.

Ich leihe mir ein Rad um die Strände rund um die Stadt erreichen zu können. Da ist zum einen, im Westen, Escape Beach, die Bucht in welcher 1974 die Invasion der türkischen Armee startete. Heute ein zu tiefst friedlicher Ort voller touristischer Nutzung. Ein Stand mit W-Lan-Anschluß. Oder im Osten die Doppelbucht von Algida, welche auch bei Schildkröten sehr beliebt ist. Auch strampele ich mich in die Berge hinauf zum Paß des Fünffingerberges mit seinem tollen Bergrestaurant. Dann wartet eine kleine Straße durch tolle Bergwälder auf mich. Und jeden Abend das lebendige Girne.

Wer sich für einen Urlaub oder Aufenthalt in Nordzypern interessiert dem sei das deutsche Team von Kaleidoskop empfohlen (http://www.zypernreisen.com/index.php). Eine Enklave von Deutschen, welche von Girne aus die gesamte Tourismusbranche des Landes kennen und jederzeit bei der Vermittlung von Unterkünften, Rundreisen und Mietwägen zur Verfügung steht. Mehr zum Thema Zypern, dem Konflikt, der Politik und der Unterschieden zwischen Nord und Süd im nächsten Beitrag.

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