Nicosia, Lefkosia, Lefkosa und Südzypern, 19.06.-21.06.2014

Sophienkathedrale Moschee Lefkosa 5 Sophienkathedrale Moschee Lefkosa 4 Sophienkathedrale Moschee Lefkosa 3 Sophienkathedrale Moschee Lefkosa 2 Sophienkathedrale Moschee Lefkosa 1 Lefkosia Altstadt Lefkosa Atatürkplatz Lefkosa Altstadt Ledrastr von Lefkosia Lazaruskirche Larnaca bei Nacht ich mach die Fliege und verlassen die Insel die verschandelte Strandpromenade von Larnaca die Lazaruskirche von Larnaca der Stadtstrand von Larnaca Buyuk Han Lefkosa 2 Buyuk Han Lefkosa 1 Bar an der Grenze Lefkosia alter Festungswall Nicosia alte Markthalle LefkosaViele Besucher der Insel Zypern besuchen lediglich den Südteil. Zunächst einmal weil es einfach praktischer ist, es gibt direkte Flüge, der Norden verlangt eine Zwischenlandung in der Türkei. Aber dann auch weil man es uns immer so gesagt hat, der Süden ist gut, der Norden ist böse, genauso wie man uns immer schön eintrichterte die USA sind stets die Guten, der Russe dagegen will stets das Schlechte und man darf ihm niemals trauen. Den Süden findet man in jedem Reisekatalog, den Norden dagegen führen nur ausgesuchte Spezialisten. Und so sieht die Insel heute auch aus. An vielen Stränden des Südens, besonders im Osten um Agia Nappa herum, hat das Mallorca-Syndrom zugeschlagen, Hotelbunker neben Disko neben Hotelbunker. Der Norden dagegen noch viel ursprünglicher und natürlicher. Seit 2003 ist es nun deutlich einfacher auch einmal dem Norden einen Besuch abzustatten. Viele Touristen tun dies als Teil ihres Tagesausfluges in die Inselhauptstadt. Nicosia ist ihr internationaler Name, aber eigentlich heißt die Stadt im Süden (für die Griechen) Lefkosia und im Norden (für die Türken) Lefkosa. Es ist die mit Abstand größte Stadt der Insel, ca. 220.000 Einwohner im Süden und 50.000 im Norden. In der Mitte befindet sich die befestigte Altstadt, welche von den Venezianern mit einem fast kreisrunden Festungswall umzogen wurden. Und mitten durch diese Festung geht heute die Grenzlinie. Seit genau 50 Jahren ist die Stadt in ihrem Herzen geteilt. Das sollte nachdenklich machen, denn die türkische Invasion fand ja erst im Jahre 1974 statt. Wie kann es da sein das die Hauptstadt bereits viele Jahre länger geteilt ist? Vielleicht stimmt ja an der Geschichte von bösen Türken und griechischen Opfern doch nicht alles.

Wer als Tourist nun einen Tagesausflug von seinem Strandhotel in die Hauptstadt macht, findet im südlichen Teil eine ganz normale europäische Großstadt vor, mit den üblichen Einkaufs- und Freßketten. Nicht häßlich, aber auch nicht außergewöhnlich. In dieser Stadt zeigt sich eben im Kleinen, was auch für den Rest gilt. Der Norden ist kleiner, hat aber den schöneren Teil erwischt. Wer in dieser Stadt die wirklichen Sehenswürdigkeiten sehen will, muß über die Grenze und sich dann gleich rechts halten. Da ist zum einen die Sophienkathedrale, welche im 16. Jahrhundert zu einer Moschee wurde, aber noch immer die Architektur der europäischen Gotik ausstrahlt, da sind die historischen Markthallen und da ist Buyuk Han, die Karawanserei. Die restlichen Gassen der Hauptstadt sind allerdings sehr herunter gekommen und vermitteln dem Tagesbesucher einen falschen Eindruck vom Rest des Nordens. Hier scheinen sich die Horroraussagen des Südens zu bewahrheiten, dabei ist der Rest des Nordens genauso gut entwickelt wie der Süden.

Bevor die Insel Zypern entstand muß der Schöpfer das Leid der Teilung, welches diese Insel einmal treffen würde, schon geahnt haben. Denn zunächst erhob sich die Insel Troodos aus dem Meer, etwas später folgte nördlich die Insel Besparmak. Dann senkte sich der Meeresspiegel und beide Inseln wurde durch eine weite Ebene verbunden. In dieser Ebene liegt die Hauptstadt, der Trodoos ist rein im Süden, der Besparmak im Norden. Zypern wurde relativ früh dem oströmischen Reich entrissen, aber nicht durch die Araber, sondern von christlichen Kreuzfahrern, welche dort ihr eigenes Königreich errichteten und nebenbei wurde dort auch noch, rein symbolisch, das Königreich Jerusalem angesiedelt. Die dann aus Osten vorrückenden Türken ließen Zypern lange Zeit links liegen und konzentrierten ihre Anstrengungen auf Konstantinopel. Erst einige Jahrzehnte nachdem die Reichshauptstadt gefallen war eroberten sie schließlich auch Zypern. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand dessen Bevölkerung rein aus orthodoxen Griechen, welche aber von Katholiken beherrscht wurden. Nachdem die Herren der Insel nun Muslime wurden verbesserten sich die Bedingungen für die Orthodoxen paradoxerweise. Die Türken entwidmeten viele katholische Kirchen und Klöster und übergaben diese den Orthodoxen. Aus der Sicht der Rechtsprechung des Osmanischen Reiches bestimmte die Religionszugehörigkeit die Nation eines Menschen. Somit galt Orthodox=Grieche und Muslim=Türke. Und die religiösen Führer jeder Volksgruppe wurde zu deren politischen Vertretern ernannt. Somit waren die Popen auf einmal aufgewertet. Im Laufe der folgenden drei Jahrhunderte stieg der Anteil der Muslime=Türken auf der Insel immer weiter an, bis er schließlich ein Drittel erreichte. Dies geschah aber wohl weniger durch Zuwanderung als vielmehr durch Konvertierung. Dadurch, das nach osmanischem Recht die Religion über die Nation entschied, wurde aus einem Griechen welcher, aus welchem Grund auch immer, konvertierte (meistens dürfte es um Privilegien gegangen sein) durch seinen Übertritt zum Islam ein Türke, auch wenn er der gleiche Mensch mit der gleichen Muttersprache blieb. So verwundert es nicht das es noch in den 60er Jahren in Nordzypern streng türkische Dörfer gab, in welchen aber nur griechisch gesprochen wurde. So ist in meinen Augen auch zu erklären weshalb die Nordzyprer auch keine sonderlich gläubigen und strengen Moslems sind, weil es eben hauptsächlich Nachfahren von konvertierten Griechen sind, denen es auch nicht um Religion ging. Daher wurde der Glaube nie sonderlich von Vater an den Sohn weitergegeben.

Dann pachteten die Briten die Insel und verpassten ihr den noch heute gültigen Linksverkehr. Die Insel blieb auch nach dem Untergang des osmanischen Reiches britisch. Nachdem auf dem Festland Atatürk die moderne Türkei geschaffen hatte schlug der Völkerbund einen Bevölkerungstausch zwischen Türkei und Griechenland vor, um möglichst ethnisch einheitliche Staaten zu schaffen. Da Zypern aber weder zum einen noch zum anderen Land zugehörig war blieben hier die Volksgruppen gemischt. 1960 wurde Zypern in die Unabhängigkeit erlassen auf Basis einer Verfassung, welche beiden Volksgruppen berücksichtigte. Aber schon bald darauf wollte es die griechische Mehrheit nicht mehr einsehen weshalb in der Verfassung auch der Minderheit Rechte garantiert wurden. So versuchte man die Verfassung abzuändern und die Türken zu entrechten. Und damit begann die Gewalt und schon 1964 wurde Nicosia ethnisch geteilt. Die Griechen verübten in diesen Jahren teilweise schreckliche Massaker an den Türken, welcher die Züge von Srebrenica tragen, insbesondere das Massaker von Tochni im Süden. Andere türkische Dörfer wurden komplett eingekesselt und von der Versorgung abgeschnitten. Viele Jahre erlitten die Türken dieses Leid und kein Staat dieser Erde wollte helfen, bis nach zehn Jahren die Türkei dem ein Ende bereitete und in den Norden einmarschierte. Seither können die Türken auf der Insel wieder in Sicherheit leben. Die Griechen sprechen heute noch von einer militärischen Besetzung der Türkei eines Teiles ihres Staatsgebietes. Aber davon kann heute keine Rede mehr sein. Nordzypern ist zu klein für ein eigenes Heer, daher unterhält das türkische Militär noch immer viele Stützpunkte. Aber diese spielen im öffentlichen Leben keine Rolle. Die Soldaten verlassen die Kasernen nicht mehr in Uniform und Nordzypern regelt sämtliche Belange der öffentlichen Ordnung durch seine eigene Polizei. Es herrscht eine demokratische Regierung, es gibt freie Wahlen, Parlament nebst Gewaltenteilung. Und die Alten, welche die schlimme Zeit bis 74 miterlebten, haben heute noch Angst vor den Griechen und sind froh über die Anwesenheit des türkischen Militärs. Nur so sind sie sicher das die Griechen nicht eines Nachts wieder kommen und erneut Massaker verüben. Natürlich droht diese Gefahr real nicht, aber die Vergangenheit war so traumatisch das dies wohl nicht mehr abgelegt werden kann.

Wenn heute touristische Anbieter auf beiden Seiten der Grenze versuchen zu kooperieren agiert der griechische Partner immer unter großem Risiko. Im Süden herrscht nämlich die CTO, Cyprus tourist organisation. Und falls diese herausfindet, ein Mitglied paktiert mit dem Feind, wird man eiskalt rausgeschmissen. Findet in Deutschland eine touristische Messe statt und ein Stand wird z.B. an Kaleidoskop aus Girne vermietet folgt sogleich ein böser Brief von der CTO und dem Veranstalter wird mit schlimmen Konsequenzen gedroht und ob ihm klar sei er paktiere hier mit Besatzern und mache sich des Bruchs des Völkerrechts mitschuldig. Wenn es nicht so tragisch wäre könnte man das Verhalten der CTO einfach nur mit Lächerlichkeit abtun. Wenn sich die CTO unbedingt blamieren will, so soll sie es eben tun, während wir unseren Urlaub im schönen und günstigeren Norden verbringen. Und auch deren Broschüren platzen vor falscher Propaganda. Da heißt es z.B. die Schuld für den Ausbruch der Gewalt nach 1960 läge allein bei den Türken und man könne das noch immer nicht verstehen, da man doch „lediglich Verbesserungen“ an der Verfassung habe vornehmen wollen. Nun ja, die Einführung der Apartheid in Südafrika wurde von den Weißen wohl auch als „Verbesserung“ der Landesverfassung angesehen, es kommt eben ganz auf den persönlichen Standpunkt an! Und noch in diesem Jahr in Berlin, auf der ITB, konnte man bei der CTO nachlesen das der Norden „militärisch besetzt“ sei von „feindlichen Truppen“. So etwas kann nur von Leuten behauptet werden welche noch nie einen Fuß auf den Boden von Nordzypern setzten! Aber dies trifft auf die meisten Verantwortlichen der CTO zu. Kleiner Tipp an die CTO: Es ist besser, bevor man in der Öffentlichkeit etwas schreibt, sich den Ort, über welchen man schreibt, einmal persönlich angesehen zu haben. Nur dazu müßte man eben endlich einmal über den eigenen Schatten springen und es sind schon viele zu kurz gesprungen. Und Zypern als ganzes würde touristisch wohl nur profitieren würde man endlich anfangen die komplette Insel einheitlich zu vermarkten.

Nachdem ich Girne schweren Herzens am 19.06. mit dem Dolmus nach Lefkosa verlasse miete ich mich für eine Nacht in einem Hotel am Atatürkplatz ein. Im Norden sind die Hotels einfach günstiger. Am Abend ist Lefkosa aber eine tote Stadt, also gehe ich die wenigen Meter rüber nach Lefkosia und kann erstmals wieder mit Euro zahlen, seit ich Slowenien Anfang April verlassen habe. Am nächsten Tag kehre ich endgültig in die EU zurück und fahre mit dem Bus nach Larnaka. Hier liegt heute der wichtigste Flughafen. Ansonsten ist es eine durch Hotelklötze leider verschandelte Uferpromenade, wo man nur versucht wird abzukassieren. Häßlicher, frecher, unfreundlicher und teurer als der Norden. Aber mein einziger Weg von dieser Insel runter führt eben über Larnaka. Die durchaus auch schönen Ecken des Südens liegen zum einen weit oben im Troodos und im tiefen Westen der Insel. Aber Larnaka liegt eben im Osten und viele Touristen wollen auch nur in das nahe Agia Nappa. Na dann viel Spaß, ich verzichte freiwillig.

Von der nahen Türkei gibt es viele Fährverbindungen auf die Insel, aber seit der Öffnung der Grenzen gibt es keine Fähren mehr nach Griechenland. Somit muß ich nun eine schwere Sünde begehen und einmalig auf meiner Bahnreise das Flugzeug nutzen. Schande auf mein Haupt.

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