Thessaloniki, ein Wochenende in Griechenland, 21.06.-23.06.2014

uferpromenade spiegelbild von izmir tuerkische hinterlassenschaft strand von patara stadtblick 2 stadtblick 1 PRIDE und der weisse turm PRIDE umzug PRIDE begegnungen 5 PRIDE begegnungen 4 PRIDE begegnungen 3 PRIDE begegnungen 2 PRIDE begegnungen 1 konsumiert wird auf der strasse JIMG_0427 die insel gehoert zu griechenland auf dem festland das tuerkische kas die buergerliche ecke der stadt der intercity nach athen abfahrbereit Costa in der Strassenbar bahnhof von aussen altstadt von rhodos altstadt 3 altstadt 2 altstadt 1 Mein Abstecher über Zypern verfolgte aus zwei Gründen. Zum einen ist es immer nett seiner Reise noch zwei weitere Länder hinzuzufügen. Und zum zweiten wollte ich Zeit gewinnen. Durch einen Umweg? Es ist sehr leicht per Fähre von der Türkei aus Nordzypern zu erreichen. Die Fortsetzung der Reise über die Grenze nach Südzypern ist ebenso einfach zu meistern, aber dann ist man, aus Sicht eines Reisenden auf dem Landweg, in einer Sackgasse angelangt. Es gibt keine weiteren Fährverbindungen, nach nirgendwo hin. So bleibt Reisenden wir mir nichts anderes möglich als die Insel per Flugzeug zu verlassen. Und damit wird durch einen „Umweg“ über diese Insel Zeit gewonnen. Dies ist dann aber die einzige Ausnahme auf meiner ansonsten immer auf dem Land- oder Seeweg durchgeführten Reise, und der per Flugzeug zurück gelegte Weg ist die kürzest mögliche Distanz.

Meine Fluggesellschaft war Cyprus Airlines auf dem Flug Larnaca-Thessaloniki. Aufgrund des Zypernkonflikts besitzt diese Gesellschaft nicht das Überflugrecht über die Türkei. Hierdurch hat der Fluggast das Glück, sollte er auf der richtigen Seite einen Fensterplatz zu haben, auf weiten Strecken einen tollen Blick auf die türkische Südküste zu erleben. So fällt zum einen auf wie eng die östlichste Miniinsel Griechenlands vor der Türkei liegt, dann fällt der Blick auf den tollen Sandstrand von Patara, die Altstadt von Rhodos und noch viele Inseln in der Agäis. Zum Dank für meinen Flug ist mein Gepäck beschädigt. Also hat mich das Schicksal für meinen Ausrutscher im Flugzeug auf den Fuß bestraft.

Jetzt bin ich nach zweieinhalb Monaten wieder endgültig auf europäischen Boden eingetroffen. Zypern ist zwar politisch eher ein Teil Europas, geographisch aber ein Teil Asiens. Mit dem Expreßbus bin ich schnell in der Innenstadt. Schnell im Zentrum in meiner Unterkunft eingecheckt geht es sofort auf die Straßen, denn zufällig findet ausgerechnet an diesem Abend die Gayparade, der PRIDE, statt. Ein farbenfrohes Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte, egal wie man sexuell selbst eingestellt ist. Ein langer Bandwurm zieht sich lautstark durch die Stadt, anschließend gibt es Lifekonzerte direkt am Weißen Turm.

Thessaloniki ist im Grunde das Spiegelbild von Izmir. Die beiden Städte trennt die Agäis, welche hier die Rolle die Scheibe des Spiegels einnimmt. Von der Uferpromenade weg sieht man vor allem eine moderne Stadt, an manchen Stellen versteckt sich noch ein wenig Altstadt dahinter. Aber auch geschichtlich stehen sich die Städte nahe, auch wenn man das heute nur noch ungern wahrnehmen will. Izmir hatte lange Zeit viele griechische Bewohner und trug den Namen Smyrna. Thessaloniki hatte dagegen früher auch viele türkische Bewohner. Ein berühmter Sohn der Stadt, an welchen heute vor Ort aber nur noch wenig verwiesen wird, ist ein Mustafa Kemal, welcher später Atatürk genannt wurde. Dieser war einer der ersten, welcher um den von ihm geschaffenen Staat Türkei völkerrechtlich zu konsolidieren, dem durch den Völkerbund vorgeschlagenen Bevölkerungsaustausch, zustimmte. Häufig wird dies als eine Vertreibung der Griechen durch die Türken aus Anatolien beschrieben. Aber Atatürk gab seine eigene Heimatstadt aus der Hand. So hoch war sein persönlicher Preis um sein eigenes Land zu vereinen.

Warum flog ich überhaupt nach Thessaloniki und nicht nach Athen? Athen besuchte ich bereits im Zuge einer Interrailreise im Jahre 2005. Bei dieser Reise verbrachte ich einen kurzen Aufenthalt auf dem Bahnhof von Thessaloniki, eingetroffen mit dem Nachtzug aus Athen und bald darauf weiter im IC in den Osten Griechenlands um ab Phytion über Uzunköprü Istanbul zu erreichen. Lange gab es auf dieser Route nur diese Tagesverbindung mit Umstieg an der Grenze. Dann kam 2005 noch ein durchgehender Nachtzug hinzu. Aber mit der Finanzkrise und den geforderten Einsparmaßnahmen wurde zeitweise sämtliche grenzüberschreitenden Zugverbindungen eingestellt und bis heute wurde die Verbindung in die Türkei nicht wieder aufgenommen. Aber immerhin nach Belgrad geht es jetzt wieder und Sofia dürfte auch bald folgen. Thessaloniki ist zwar „nur“ die zweitgrößte Stadt des Landes, verfügt aber über den größten und wichtigsten Bahnhof. Weil es relativ zentral im Land liegt, Athen dagegen ist eher ein äußerer Endpunkt. Auch die vor einigen Jahren in Angriff genommene Elektrifizierung wurde von Thessaloniki aus angegangen.

Ich bin nun zum zweiten Mal in Griechenland, aber das erste Mal seit dem Ausbruch der Krise. So bin ich nicht sicher was ich zu sehen bekomme und wie ich als Deutscher empfangen werde. Es beginnt mit einer guten Nachricht. Von einer Feindseligkeit gegenüber Deutschen ist nichts zu spüren. Einige Leute sprechen sogar Deutsch. Überhaupt setzt sich hier der Trend fort, welcher bereits auf meiner Anreise über den Balkan begann, die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Einige Deutsche laufen auch aus Solidarität bei der Gayparade mit. Dann sind nicht wenige Erasmusstudenten aus Deutschland in der Stadt und die Stimmung ist gut. Aber, an diesem Abend, findet im Zuge der Vorrunde der Fußball-WM, das Spiel gegen Ghana statt. Bekanntlich war dies das einzige Spiel, welches nicht gewonnen wurde, teilweise lag Ghana vorne. Und hier merke ich dann das die meisten Griechen doch Ghana lautstark unterstützen. Aber Sport ist Sport und Schnaps ist Schnaps.

Die Stadt ist vital, noch immer, offene Armut fällt mir während meiner 48 Stunden Aufenthalt nicht auf, was nicht heißen soll es gäbe keine Probleme. Eine neue Straßenbar wurde vor kurzem eröffnet. Drinks to go away. Eine komplette Bar mit allem, was das Herz begehrt, aber konsumiert wird auf dem Trottoir. So sind die Preisen niedrig und der Umsatz läuft gut. Da hatte ein innovativer Grieche eine gute Idee zur richtigen Zeit. Und Costa, der Barkeeper, versteht sein Geschäft. Ein lokales Bier, Fix, gibt es für 80 Cents. Viele Imbißbuden ringsum laden zur billigen Verköstigung ein. Und wohl, als Teil der Krise, es läuft.

Viele Gebäude in der Stadt müßten renoviert werden, aber das geht leider nicht, nicht jetzt. Es gibt viele Baustellen, welche nicht richtig voran kommen, vermutlich weil das Budget fehlt. Wieso erzählt uns in Deutschland eigentlich dieselbe Kanzlerin, welche 2008 mit der sog. Abwrackprämie, also indem sie Geld unter das Volk brachte, eine drohende Wirtschaftskrise abwendete, das nun für Griechenland, in einer extrem vergleichbaren Situation, nur durch eisernes Totsparen aus der Krise wieder heraus kämen? Die Bildzeitung sekundiert. An den Stammtischen wird weiterhin der gleich Schnaps getrunken und das Meinungsbild steht. Wir, die Deutschen, müssen für die faulen Griechen unser hart verdientes Geld geben. Und weil Merkel nur im Kanzleramt ist, aber nicht agiert, ihr einziges Ziel ist zu bleiben, aber nicht wegen Inhalten, sondern einfach nur um zu bleiben, bedient sie das Volk mit den Worten, welches es hören will. Und da Griechen bei uns nicht wählen dürfen ist deren Situation leider nur ein bedauerlicher „Kollateralschaden“. „Sorry, dumm gelaufen für euch, aber ich muß an meine Wiederwahl denken“. Gut, das wir im Kanzleramt ein Merkel haben, daß in der Lage ist Prioritäten zu setzen! Wenn der Deutsche morgens weiß, wer der Feind ist und das er selbstverständlich auf der richtigen Seite steht, dann hat der Tag Struktur! Griechen haben in diesem Weltbild nichts weiter zu suchen, höchstens als der Sündenbock, denn diesen braucht man ja immer.

Diese Reise und die vielen Begegnungen mit den Menschen, das ist mein Europa. Diese Krisenpolitik, dieses Merkel und diese EU, das ist nicht mein Europa! Als im Mai die Europawahl stattfand, befand ich mich noch im Iran und konnte an der Wahl nicht teilnehmen. Ich war stolz darauf! Nur nicht auf die Tatsache, daß ich für meine Nichtwahl aufgrund meines Auslandsaufenthaltes eine Ausrede habe. Gerne würde ich es den Leuten mit Argumenten erklären. Durch diese Reise habe ich mich um diese Möglichkeit gebracht. Aber immerhin habe ich noch diesen Blog und Sie, meine Leser, welche es nun aus erster Hand erfahren.

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