Rund um den Golf von Taranto, 27.06.2014

Brindisi Cosanza 11 Cosenza 5 Cosenza 4 Cosenza 3 Cosenza 2 Cosenza 1 Cosenza 6 Cosenza 7 Cosenza 8 Cosenza 9 Cosenza 10Cosenza 13 Cosenza 12 Cosenza 14 Cosenza 15 Cosenza 16 Taranto Altstadt 3 Taranto Altstadt 2 Taranto Altstadt 1 Taranto Altstadt 4 Taranto Altstadt 5 Taranto Industrie Taranto Industrie 2 Taranto Industrie 3 Taranto Industrie 8 Taranto Industrie 7 Taranto Industrie 6 Taranto Industrie 5 Taranto Industrie 4 Taranto Industrie 9 Taranto Insel Taranto Kanal Taranto Zentrum Taranto LaguneZur musikalischen Einstimmung auf den nun folgenden Teil: https://www.youtube.com/watch?v=aJzYF8FXmRE

Nach einer ruhigen Nacht auf See treffe ich am Morgen im Hafen von Brindisi ein. Brindisi liegt im südlichen Teil von Apulien, Italien. Diese Region bildet den Stiefelabsatz, welcher durch den riesigen Golf von Taranto von Kalabrien getrennt ist, welches die Fußspitze des Stiefels bildet und am Ende mit seinen „Zehnnägeln“ fast auf Sizilien stößt. In dieser Gegend hat „Stupor Mundi“, Kaiser Friedrich II von Hohenstaufen, viele Bauwerke hinterlassen und ist noch heute sehr beliebt. Vom Glanz vergangener Zeiten kann man sich aber auch nichts mehr kaufen. Viele Fähren steuern ja das nördlich gelegene Bari an, da ich aber per Bahn noch einen Abstecher eben zur Stiefelspitze machen möchte, paßt es hier mit dem Umsteigen zum Zugfahrplan besser. So halte ich mich in Brindisi auch nicht lange auf, es geht sofort zum Bahnhof und bald darauf fährt der Zug nach Taranto ab.

Taranto liegt in einer wunderbaren Lage. Fast könnte man diese Stadt mit Venedig vergleichen. Die alte Stadt liegt auf einer kleinen Insel und weitere Teile der Altstadt folgen auf einer kleinen Halbinsel. So trennt die Altstadt die Lagune vom weiten Meer, dem Golf. Alles könnte heute eigentlich perfekt für den Tourismus sein. Aber daraus wird leider nie etwas werden. Früh setzte die Stadt auf die Industrie, es entstanden viele Werften, Raffinerien, Hafenanlagen, ein kleiner Marinestützpunkt, von welchem auch die einst malerische Lagune nicht verschont blieb. Und in der Altstadt befinden sich nicht wenige Gebäude zwischenzeitlich in einem ruinenhaften Zustand und können schon lange nicht mehr bewohnt werden. Die Quartiere außerhalb dieser Zone bestehen aber oft aus nichtssagenden Betonklötzen. So kann man Heute die einstige Schönheit nur noch erahnen. Das in den letzten Jahrzehnten mit der Schönheit einer Stadt durchaus mehr Kapital gemacht werden kann, als mit Industrie, wollte man hier leider nicht wissen. Aber wie sagen die Bewohner dieser Stadt: „ Wir hatten die Schönheit über 2000 Jahre – und niemand ist gekommen, sie zu sehen!“

Meine Reise soll weitergehen auf der eingleisigen Bahnlinie, welche den Golf von Taranto umrundet und so, nach einer kurzen Streifung der Basilikata, nach Kalabrien führen. Viele Züge verlassen Taranto in diese Richtung, fast alle biegen in Metaponto aber nach Norden ab, nach Potenza, Salerno, Napoli und Roma. Der Abschnitt, welcher ab Metaponto bis zum nächsten Knotenpunkt, Sibari, führt, wurde teilweise sogar überhaupt nicht mehr im Personenverkehr bedient. Trenitalia ließ noch eine tägliches IC-Zugpaar zwischen Bari/Traranto und Reggio di Calabria fahren, der Rest sollte per Bus abgewickelt werden. Dagegen gab es viele Proteste und letztendlich wurden wieder zwei Regionalzugpaare eingerichtet. Die Hauptlast trägt aber noch immer der Bus. Und überhaupt tut die FS fahrplantechnisch alles was sie kann, um den beiden Zügen das Fahrgastpotential abzugraben. Viele Busse verkehren von Sibari über Metaponto direkt bis Taranto, in den Zügen heißt es in Metaponto umsteigen. Und dann erreicht ein aus Taranto kommender Bus Metaponto um 15:17 zur direkten Weiterfahrt nach Sibari. Und einer der beiden Züge verläßt Metaponto mit gleichem Ziel um 15:20. Wer von Taranto direkt weiter will, wird gleich den direkten Bus nutzen und zum Umsteigen sind diese drei Minuten zu wenig. Ich wollte aber den Zug nehmen und mit einer vorher abfahrenden Zug nach Potenza bis Metaponto fahren. Dieser wird dann aber wenige Minuten vor der Abfahrt ohne Angaben von Gründen gestrichen. So verbleibt nur der Bus und mit meinem Gepäck riskiere ich es nicht in Metaponto auszusteigen, den Zug vielleicht zu verpassen (oder er verkehrt auch nicht), zwischenzeitlich ist aber auch der Bus abgefahren.

Ich sehe teilweise den gleichzeitig verkehrenden Zug und rege mich auf. Der Bus verliert bei den vielen Ortsdurchfahrten Zeit und mein Anschluß in Sibari ist gefährdet. Schließlich erreichen wir Sibari und, welche ein Wunder, der Anschluß nach Cosenza wartet.

Cosenza ist eine der drei Provinzhauptstädte Kalabriens und sie steht komplett im Bann Alarichs, dem sagenumwobenen König der Westgoten. Viele Straßen und Einrichtungen tragen seinen Namen. Alarich führte seine Verbände gegen Ende des vierten Jahrhunderts gegen Rom und ihm gelang die Eroberung von Rom, ein Ereignis, welche das Weströmische Reich tief erschütterte und der Anfang von dessen Ende war. Im Jahr 410 soll er in Cosenza verstorben sein und laut einer Sage in einem Flußbett begraben. Der Fluß wurde hierzu von den Goten umgeleitet. Seither wurde sein Grab nie gefunden, aber noch heute träumen viele Einwohner der Stadt davon, dieses Grab mit seinen Schätzen zu finden. Probleme beim Auffinden dieses Grabes könnte auch sein, das durch die Stadt gleich zwei Flüsse ihren Weg nehmen und sich nahe der Altstadt vereinen. Also, in welchem soll man jetzt suchen? Viele andere Perspektiven gibt es hier leider auch nicht. Die Stadt ist wunderschön, aber das Zentrum weist leider auch verfallende Häuser auf. Trotzdem wird hier das Bild einer heilen Welt gut vermittelt. In den engen Gassen sind viele Wäscheleinen gespannt, auf dem Domplatz spielen die Kinder Fußball, direkt daneben lockt der wunderbare Restaurant „Calabria bella“ mit seiner Außenbestuhlung direkt auf dem Domplatz. Einige Bars gibt es auch noch, aber über zu viel Kundschaft können diese sich nicht beklagen. Viele der kleinen Tante-Emma-Läden versuchen Kundschaft mit Sonderpreisen zu locken. Und ein weitere süditalienische Besonderheit ist zu beobachten: Es gibt viele, meist nur aus einem Zimmer bestehende Wohnungen, welche zur Straße hin offen sind. Ihre Bewohner, so heißt es, verbringen die Hälfte ihres Lebens in diesen Wohnungen und die Andere auf der Straße oder Pizza direkt davor.

Die Außenbezirke der Stadt bestehen nur aus Einheitswohnblocks und leider quillt die Stadt vor Müll über. Vermutlich streikt die Müllabfuhr. Ich selbst liebe Orte wie diesen, kann aber auch die Augen nicht davor verschließen das ein Besuch an einem solchen Ort sehr schön und eindrucksvoll sein kann, hier zu leben und gezwungen zu sein, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist eine ganz andere Geschichte. Dabei war Kalabrien vor sehr langer Zeit nicht das rückständige Armenhaus, sondern eine kulturell weit ihrer Zeit voraus gehende Region. Aber das ist lange vorbei. Mehr dazu bald an dieser Stelle.

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Ein Gedanke zu “Rund um den Golf von Taranto, 27.06.2014

  1. Bin ganz zufällig auf diesen tollen Bericht gestoßen.heuer haben wir-mein Mann und ich -Apulien etwas kennengelernt. Jetzt wollen wir im nächsten Jahr wiederkommen um es auf eigene Faust besser kennenzulernen.
    Liebe grüße aus Österreich von Elfi Goritschnig

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