Ein Tag auf der „Ferrovie della Calabria“, 28.06.2014

alter Staatsbahnhof Cosenza Strassenseite angekommen in Soverato am ionischen Meer Bahnuebergang Marzi Blick auf das spektakulaere Cosenza von den FC-Bahnsteigen Blick aus der Bahn auf die Bergwelt des Südens Cosenza 1 Cosenza Centro Bahnhofsgebaeude, alte Gleisseite, heute Strassenseite Cosenza Centro Ausgang Cosenza am Portal des Doms Cosenza aktueller Staatsbahnhof im Vordergrund die Schmalspurgleise der FC Cosenza 2 Cosenza Centro Blick auf die Stadt Cosenza Centro die obligatorische Bahnhofsbar Cosenza Centro Fahrdienstleitung Cosenza Centro frueher Bahnsteig heute Bordsteig Cosenza Centro frueher lagen die Gleise auf dieser SeiteCosenza Centro haessliche Bahnsteigbedachung ueber dem Schild Cosenza Centro, hier der Verlauf der alten Strecke Cosenza Centro so werden hier die Weichen gestellt Cosenza Centro spektakulaerer Blick auf die Altstadt vom Bahnsteig Cosenza, dessen Einwohner es nicht leicht haben sich durch das taegliche Leben zu kaempfen der aus Cosenza eingetroffen Zug wendet in Marzi Cosenze Centro heute keine besondere Abweichungen im Bahnbetrieb Cosenza Piazza di Duomo Cosenza nahe Centro quert die FC den Fluss der freundliche TW-Fuehrer FC-Bahnhof FC-Bahnhof Catanzaro Cita FC-Bahnhof Cosenza Sued FC-Bahnhof Rogliano, die Weichen werden auf dem Bahnsteig gestellt FC-Strecke 1 FC-Strecke 2 FC-Strecke 3 frueherer Staatsbahnhof von Cosenza gut ausgelasteter Zug lustige Beobachtung im Zug links zweigt hier die alte Strecke in den Sila ab in Marzi endet der betriebsfaehige Abschnitt im Bahnhofsgebaeude Cosenza CentroCosenza zeigt sich mir am Abend von seiner melancholisch-schönen Seite. Es ist, auf ganz persönlicher Sicht für mich als Reisenden, schön so hautnah am echten und authentischen Leben Kalabriens teil zuhaben. Für die Protagonisten, die Einwohner des Mezzogiorno, ist dies dagegen weniger lustig. Aber, wie immer mit der italienischen Mentalität, verlieren sich die Menschen nicht in einseitiger Lamentierung, sondern Leben eben noch dieses Leben, welches das Schicksal ihnen zubilligt. Auf dem Domplatz, welcher leicht schräg abfällt, spielen kleiner Kinder Fußball, während die Eltern auf den Terrassen der Häuser, des Restaurants und der Bars sitzen. Die Stimmung ist zwischen heimelig und tragisch.

Der frühere Bahnhof der Staatsbahn FS von Cosenza entstand nahe an der Altstadt, die FS verbindet die Stadt von Norden her, die Strecke endet in der Stadt. Die Weiterfahrt nach Süden erfolgt über das Streckennetz der schmalspurigen Ferrovie della Calabria, ab jetzt kurz FC genannt. Diese erstellten ihren Schmalspurbahnhof hinter dem Gleisfeld der Staatsbahn. Dann entschied sich die FS gemeinsam mit der Stadtverwaltung den Staatsbahnhof weit vor die Tore der Stadt in die nördliche Neustadt zu legen. Dort entstand ein großer Bahnhof, welcher durch eine nichtssagende Betonklotzarchitektur auffällt. Die alte Bahntrasse wurde frei für die Stadtentwicklung, das Bahnhofsgebäude bei der Innenstadt wurde umgewidmet. Die FC reagierte, indem sie ihr Streckennetz einspurig von der früheren Endstation zum neuen Bahnhof verlängerten und seither auch als Zubringerzug von der Innenstadt zum Bahnhof fungieren. Der frühere Bahnhof „Cosenza“ wurde umbenannt in „Cosenza Centro“, die Schienen und Bahnsteige wurden auf die andere Seite des Empfangsgebäude verlegt, die Straßen- und die Bahnsteigseite wechselten also die Funktion. Die FC überquert den Zusammenfluß der beiden Flüsse direkt bei der Altstadt in spektakulärer Lage.

Die FC verbindet mitten durch die hohen Berge Kalabriens die beiden wichtigen Provinzstädte Cosenza und Catanzaro Innenstadt mit Innenstadt. Trenitalia kann diese Verbindung nur mit Umsteigen anbieten, zusätzlich liegen die beiden Staatsbahnhöfe weit entfernt von den Innenstädten. Die FC bindet dabei sehr viele abgeschiedene Bergdörfer an die Außenwelt an. Ab dem Innenstadtbahnhof „Catanzaro Cita“ fungiert die Bahn als eine Art Stadtbahn und fährt per Zahnradtechnik von der auf einem Bergrücken liegenden Altstadt hinab in die tief liegende Neustadt, dabei werden mehrere Haltepunkte auf Stadtgebiet bedient. Früher lag der Staatsbahnhof in der Unterstadt noch direkt neben einem solchen innerstädtischen Haltepunkt der FC, somit war durch die FC eine Anschlußbedienung zur Oberstadt gegeben. Aber vor einigen Jahren wurde die Bahntrasse komplett verlegt und noch viel weiter draußen, vor den Toren der Stadt, entstand ein moderner, nicht sehr schön wirkender, Bahnhof. Die Strecke der FC verläuft dann bis zur Küste, zum Vorort Catanzaro Lido, wo der Bahnknotenpunkt der Trenitalia zwischen der ionischen Küstenbahn und der Verbindungsbahn zum Thyrenischen Meer, nach Lamezia Terme, liegt. Beide Bahnhöfe sind nahe beieinander. Zwischen Catanzaro Cita und Catanzaro Lido verkehren die Züge meist im Halbstundentakt.

Nur wenige Kilometer südlich von Cosenza zweigt eine Stichbahn hoch in den Sila ab, welche einst bis San Giovanni in Fiore reichte und für welche sich eigentlich eine Verlängerung bis hinunter an die Küste bei Crotone angeboten hätte. Aber schon lange wurden die letzten Kilometer dieser Strecke ab Camigliatello Silano bis San Giovanni komplett stillgelegt. Als ich dieser Bahnstrecke im Jahre 2000 einen ersten Besuch abstattete verkehrten zwischen Cosenza und Camigliatello noch zwei Zugpaare, wovon ich es einrichten konnte eine Bergfahrt mitzumachen. Damals war ich überrascht wie gut ausgelastet dieser Zug doch war. Vor allem stiegen hinter Cosenza nicht wenige Fahrgäste in den Dörfern zu um sich in den kleinen Bergort bringen zu lassen. Heute ist auch diese Strecke komplett ohne Schienenverkehr, aber offiziell noch nicht stillgelegt. Man sprach nun aktuell davon ab nächstem Sommer, zumindest auf einem Teilabschnitt, einen touristischen Dampfzugbetrieb, ähnlich dem Trenino Verde in Sardinien, anzubieten.

Meine aktuelle Fahrt führt somit über die „Hauptstrecke“ Richtung Catanzaro. Ich habe Glück, der Triebwagenführer ist von meiner Bahnleidenschaft begeistert und lädt mich mehrmals ein ihn im Führerstand zu besuchen. Traurig sehen wir den Abzweig hoch in die Berge der einst so schönen Strecke. Nach ca. 40 Minuten ist Rogliano erreicht, die südlichen Ausfahrsignale stehen auf Rot. Die Strecke ist seit mehr als einem Jahr, bedingt durch einen Erdrutsch, über viele Kilometer hinweg komplett unterbrochen und derzeit ist Zugverkehr nur noch bis Marzi möglich. Der Blockabschnitt ab Rogliano geht aber über Marzi hinaus, welches über keine eigene Fahrdienstleitung oder dirigente movimento verfügt. Somit können die Ausfahrsignale in Rogliano nicht mehr auf Grün gestellt werden und der Fahrdienstleiter muß jedem Zug nach Marzi eine schriftliche Autorisierung aushändigen das er die roten Signale überfahren darf. Zwischen Rogliano und Marzi kann sich derzeit immer nur ein Zug auf dem Gleis befinden. Als ich Marzi erreiche verlasse ich den Zug und warte auf den Schienenersatzverkehr. Dieser quält sich über Berge und Kurven, man kann leicht erkennen das die Bahntrasse eigentlich einen viel passenderen Verlauf hat. Durch diese Streckensperrung ist die FC im Durchgangsverkehr zwischen den beiden „Großstädten“ eigentlich bedeutungslos. Trotzdem sind die Züge nicht schlecht ausgelastet, viele Fahrgäste nutzen den Zug aber nur für sehr kurze Strecken, an den Stationen findet viel Fahrgastwechsel statt. Wie viel Potential läge für diese Bahnlinie drin, wenn sie endlich wieder eine Rolle in der Direktverbindung der Stadtzentren spielen könnte. Aber die Haushaltslage des Staates ist klamm, ob und wann die Gelder für eine Sanierung freigegeben werden können, ist noch nicht sicher. Gleichzeitig meint der italienische Staat aber noch immer sich in Florenz einen neuen, zusätzlichen und überflüßigen Bahnhof leisten zu müssen. Firenze Belfiore soll ein neuer unterirdischer Bahnhof für den HGV-Verkehr werden, dabei müssen viele Tunnel unter der Stadt hindurch entstehen, wobei in keinster Weise geklärt ist, ob die historische Bausubstanz der Stadt dem wird standhalten können. Und obwohl mit Firenze Santa Maria Novella eine leistungsfähiger Kopfbahnhof besteht. Und obwohl der Durchgangsverkehr den Kopfbahnhof leicht umfahren kann und mit dem Bahnhof Firenze Campo di Marte einen innenstadtnahen Durchgangsbahnhof zur Verfügung hätte. Parallelen zu Stuttgart 21 sind nicht von der Hand zu weisen, der frühere Stationsvorsteher von Campo di Marte ist auch ein Vorkämpfer gegen diesen Irrsinn und er sprach bereits auf einer Montagsdemonstation in Stuttgart. Sein schwäbisches Pendant ist Egon Hopfenzitz, dem pensionierten Chef des Stuttgarter Hauptbahnhofes und einer der Vorkämpfer gegen Stuttgart 21.

Das Personal im FC-Zug von Cosenza nach Marzi ist mit mir zumindest einer Meinung und wünscht sich auch nichts sehnlicher als die Wiederdurchbindung nach Catanzaro. Der Bus, welcher mich von Marzi bis Soveria Manelli bringt, ist sehr schwach besetzt. Ab Soveria Manelli verkehrt dann wieder der Zug. Spektakulär ist die Strecke in jedem Abschnitt auf jeden Fall. Es fällt auf, das obwohl die FC eigentlich eine eigenständige Bahngesellschaft ist, sie sich hinsichtlich der Farben und dem Design, in welchem die Stationsnamen ausgeschildert sind, sich von der FS durch nichts unterscheidet. Auch funktioniert die Streckensicherung, wo sonst nur bei der FS zu beobachten, mit dem Klingelläutsignal, welches Außen am Bahnhofsgebäude zur Bahnsteigseite angebracht ist und welches für jede Richtung ankommende Züge ankündigt. In Catanzaro Cita muß umgestiegen werden in Fahrzeuge, welche auch den Zahnradabschnitt meistern können. Hier sind nun moderne Triebzüge im Einsatz, während hinein in die Bergwelt noch immer die alten Triebwagen rollen.

In Catanzaro Lido muß ich feststellen das Trenitalia die Zugdichte auf der ionischen Strecke auch ausgedünnt hat und es bereits nach 18 Uhr keinen Zug mehr bis ins nahe Soverato gibt, mein Tagesziel. Glücklicherweise bietet der Busunternehmer Federico noch immer seine Dienste an und mit ihm erreiche ich schließlich Soverato am Golf von Squillace.

Videomaterial von diesem Besuch auf den Strecken der FC ist hier zu finden:

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