Die vergessene Küste Kalabriens im Gegenlicht

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Die blühendste und zugleich sagenumwobendste Stadt dieser Epoche aber war Sybaris. Sybaris war eine Stadt des Protzes, der Verschwendung, der Muse, der Orgien. Während man in Kroton lernte, studierte und arbeitete gab man sich in Sybaris dem Wohlgefallen hin. Aber sage niemand Sybaris hätte nicht auch seinen Teil zur Forschung und Literatur beigetragen. Die Bewohner entwickelten bereits in der Antike ein Verfahren zum kühlen der Weine und als literarisches Werk entstand eine Anleitung über die Kunst der körperlichen Liebe. Selbstverständlich mußten derartige Ausschweifungen das Mißfallen des strengen Kroton erregen. So richteten sich sämtliche Anstrengungen des frommen Kroton ab einem gewissen Zeitpunkt auf die Vernichtung des Sündenpfuhls Sybaris. Als Kroton am Ende erfolgreich war wurde die Stadt nicht einfach nur geplündert, sie wurde bis auf die Grundmauern vernichtet, seine Bewohner vollständig vertrieben oder in die Versklavung gesteckt und dann wurde über die wenigen Reste der einst prächtigen Stadt ein Fluß umgeleitet und die Stadt verschwand für Jahrtausende unter einem Sumpf. Lange Zeit wußte niemand wo sie überhaupt genau lag. Bis, durch einen Zufall, man vor einigen Jahrzehnten, die wenigen Reste hinter einer verlassenen Tankstelle fand. Kroton hatte gesiegt. Dann aber wurde Kroton von Locri besiegt und vernichtet, Locri von Metapont und Metapont wieder von einer anderen Stadt und die gesamte Küste verfiel in einen Tiefschlaf, von welchem sie sich bis heute nicht wieder erholte. Die Römer, welche danach sich den Landstrich einverleibten, hatte niemals das Interesse die Region wieder anzukurbeln. Rom wollte einfach nur Steuern, um die eigene Stadt voran zu bringen. In der griechischen Zeit entstanden viele Tempel, von denen heute nur teilweise noch Reste erhalten sind. Die besterhaltenen Tempelanlagen der Welt liegen nicht in Kalabrien, diese finden sich in Agrigento (Sizilien) und Paestum (Campania). Von einer alten Tempelanlage Kalabriens an der Ostküste ist heute nur noch eine einzige stehende Säule übrig, Capo Colonna. Aber diese eine Säule, welche schwerlich einen ganzen Tempel repräsentieren kann, ist auf ganz eindrückliche Weise ein umso perfekteres Symbol für den Mezzogiorno. Das einzige, das blieb, ist die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit. Vor vielen Jahrzehnten mußte ein Norditaliener, Carlo Levi, unfreiwillig einige Zeit im Mezzogiorno verbringen. Er war über die dortigen Verhältnisse erschüttert und brachte seine Gedanken im Buch „Jesus kam nur bis Eboli“ auf den Punkt. Eboli ist eine Stadt südlich Neapels. Sinnbildlich soll damit ausgedrückt werden, das Jesus als Sinnbild für Erfolg und Entwicklung Italien von Norden her bereiste, er es aber nicht schaffte tiefer in den Süden als bis Eboli zu kommen und der Rest, der Mezzogiono, daher abgehängt wurde.

Mit den Römern kam der christliche Glauben über das Land und fortan zogen sich die Bewohner mit ihren Siedlungen in die Berge zurück. Glücklicherweise besteht Kalabrien nur aus Bergen. Viele Dörfer liegen extrem schwer zugänglich auf den Spitzen der Bergrücken und sterben heute langsam aus, denn Flächen, welche das Potential zur Entwicklung bieten könnten, gibt es nicht. Aber die christliche Stadt liegt eben auf dem Berg, im Gegensatz zur „Hure Babylon, die in vielen Betten schlief“, welche am Wasser lag. Auf dieser Weise war die Bevölkerung aber auch besser gegen die Piratenangriffe geschützt. Denn das südliche Mittelmeer wurde im Mittelalter zum Zankapfel zwischen Ostrom (Byzanz) und dem Kaiserreich deutscher Nation und als lachender Dritter nutzen die Araber dies für ihre Piratenfeldzüge. Ganz Sizilien wurde von ihnen sogar für mehr als ein Jahrhundert beherrscht und es waren die Araber, welche Palermo zur Inselhauptstadt erkoren haben, ein Privileg, welches bis dahin seit der griechischen Epoche eigentlich Syrakus/Siracusa zustand.

Viel zu erzählen gibt es ansonsten nicht mehr, die Geschichte der Welt ging weiter, Kalabrien kam darin nicht mehr vor. Zwar entstanden viele alten griechischen Städte neu, wie Locri, Crotone, Metaponto, diese Orte sind aber nicht die Kontinuität der alten Städte aus der Blütezeit, es sind Neugründungen, welche sich eher als ein Produkt des Zufalls der Namen der nahen Ruinenfelder bedienten. Besonders hart traf dieses Schicksal Sybaris. Fünf Kilometer entfernt der einst prächtigsten Stadt liegt heute ein sehr kleiner Weiler mit dem Namen Sibari. Bedeutung hat diese Ansammlung von ein paar Häusern nur noch im Kursbuch von Trenitalia, zweigt hier doch von der ionischen Küstenbahn die Zweigstrecke nach Cosenza ab. Für die Menschen vor Ort gibt es heute zwei Säulen, welche das Leben bestimmen. Die Kirche, ganz besonders die Verehrung von Maria. Am 15. August schmücken sie ihrer Dörfer festlich und tragen in vielen Prozessionen Statuen der Gottesmutter über die Berge. Und die zweit Säule ist die ‚Ndrangheta, die kalabresische Mafia. Auch John F. Kennedy findet heute noch viel Verehrung, suchten doch viele Männer aus diesem Land ihr Glück in der Emigration nach Amerika. Und brachten damit die Krake ihrer Heimat gleich mit in die Neue, die Mafia. Diese Mafia konnte aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts erst durch die unglaubliche Ausbeutung der armen Bevölkerung durch wenige Großgrundbesitzer entstehen. Um die Arbeitsbedingungen ein klein wenig zu verbessern schlossen sich die Tagelöhner zu einer Art „Gewerkschaft“ zusammen, bestimmten ihren Chef und dieser nahm dann Verhandlungen mit den Herren auf. Relativ schnell hatten diese Verhandlungsführer mehr Macht als die alten Herren und fortan bestimmten sie, wie es lief. Damit war die Stunde der „Paten“ geboren, und sie dauert noch immer an.

Aber, gerade in den Zeiten der Haushaltskrisen, Bankennotstände und Sparpaketen, soll niemand sagen die Mafia hätte nicht auch ihren Nutzen. Brüssel bestimmt regelmäßig das BIP seiner Mitgliedsländer und setzt dies in ein Verhältnis mit der Gesamtsumme aller Staatsschulden. Offiziell soll dieser Schuldenstand 60% des BIP nicht übersteigen, dies ist in den letzten Jahren aber eher ein theoretischer Wert geworden. Nun hatten ein paar geniale Bürokraten im fernen Brüssel Anfang dieses Jahres eine geniale Idee: Warum nicht einfach die Schattenwirtschaft in die Summe des BIP miteinrechnen? Gerade für Länder wie Italien ergeben sich da unglaubliche Potentiale. Auf einmal trägt der Süden womöglich mehr zum staatlichen BIP bei als der Norden. Jetzt gibt es nur ein Problem, die Mafia deklariert ihre Umsätze leider nicht beim Finanzamt. So müssen also ungefähre Schätzungen herhalten. Zum Beispiel so: Die illegale Prostitution hat sich dieses Jahr verhalten Positiv entwickelt, hier haben wir eine Steigerung um 3% auf 35 Milliarden Euro, der Menschenhandel hat dieses Mal die höchste Steigerungsrate mit 9% auf 43,4 Milliarden, starke Rückschläge mußte dagegen der Handel mit Kokain und Herion verkraften, hier ist eine Wachstumsdelle von 15% auf nur noch 29 Milliarden in den Bilanzen. Makaber? Aber leider wahr! Und eben weil man die genauen Umsätze dieses Wirtschaftszweiges nie genau auf die Milliarde festsetzen kann ist nun Tür und Tor geöffnet das Landes-BIP nun jedes Jahr so zu drehen bis es paßt. Ein bißchen Menschenhandel und Prostitution mehr oder weniger, immer so, wie es die Statistiker und Mario Draghi gerade brauchen.

Aber jetzt fällt es uns Deutschen ja immer leicht auf die Südländer zu schimpfen. Gerade der Süden Italiens macht es uns leicht mit der Mafia. In Sizilien herrscht die Cosa Nostra, in Kalabrien die ‚Ndrangheta und in Neapel die Camorra. Wie heißt es so schön, bei uns in Deutschland wäre so was niemals möglich, wir sind ja fleißig, intelligent und modern. Aus dem Süden kommt heute oft die Antwort das Problem mit der Mafia hätte sich erledigt. Und beim Blick durch die Zeitungen bestätigt sich diese Tendenz auch, kaum noch Morde oder Entführungen, es scheint, die Mafia habe sich in Luft aufgelöst. Das wäre aber zu kurz gedacht. Die Mafia ist einfach anpassungsfähig. Sie hat erkannt, das keine Nachrichten gute Nachrichten sind. Und Mord landet nicht selten auf Seite eins. Aber gerade die ‚Ndrangheta hat ein neues Betätigungsfeld gefunden, wo sie Milliarden ganz ohne Mord und Erpressung machen kann, unter den Augen des Staates und daher ganz legal. Sie hat sich neuerdings auf die Baubranche Spezialisiert. Sie hat sich mit ihren Gewinnen aus früheren Geschäften ganz legal und viele große Baukonzerne eingekauft und ist seither insbesondere in Deutschland aktiv. Nicht im privaten Bausektor, im Öffentlichen! Durch gute Bestechung von Politikern aller Parteien, Schmierung der Medienlandschaft, wird dem deutschen Volk vermehrt die Notwendig zu großen Bauprojekten verkauft, welche eigentlich niemand braucht. Selbstverständlich werden diese zunächst billig gerechnet, was so in der Privatwirtschaft niemals funktionieren würde. Ziel ist es, auf diese Weise Milliarden an Steuergeldern freigegeben zu bekommen. Und sobald die Bagger vor Ort sind, gibt es Verzögerungen, Fehlplanungen und Preissteigerungen um ein Vielfaches. Das ist ganz im Sinne der Mafia. Die Projekte sollen nie wirklich fertig werden, so kann das Geld fast über viele Jahrzehnte hinweg ganz automatisch fließen. Kommt Ihnen das bekannt vor? BER, Elbphilharmonie, Stuttgart 21, Stadtmitte am Fluß, Hamburg-Altona,… Ja, man kann nicht ignorieren, die Mafia ist sehr erfolgreich mit dieser Strategie. Weshalb sich die Hände mit Mord schmutzig machen wenn das Geld so viel einfacher fließt? Dies ist aber nur möglich, weil unsere deutschen Politiker hier freiwillig gegen Vorkasse oder unfreiwillig wegen Dummheit die Handlanger geben. Und weil unsere Presse längst von raffgierigen Oligarchen aufgekauft wurde und seither Order hat, solche Projekte nicht zu durchleuchten, sondern wohlwollend zu begleiten. Und weil wir, das Volk der Steuerzahler, das mit uns machen lassen. Mit unserem Geld! Wir segnen solche Plünderungsfeldzüge der Mafia auf unsere Staatskasse auch noch in einer Volksabstimmung ab! Dummheit tut eben nicht nur manchmal weh! Ist nun also die Ausbeutung der Großgrundbesitzer im Süden Italiens vor über 100 Jahren schuld an Stuttgart 21? Es wäre aber zu billig, hier nur einseitig auf die Mafia zu schimpfen. Wir sind alle selbst schuld. Die Mafia nutzt unsere Unwilligkeit und Unfähigkeit einfach nur aus. Während wir immer noch glauben Deutschland sei etwas besseres und der Süden von Italien doch selbst schuld an seiner Misere und überhaupt, was soll man von einem Land halten, das es über Jahrzehnte nicht schafft die Mafia in den Griff zu bekommen, lachen sich die Paten nur ins Fäustchen und räumen die Konten mit unseren deutschen Steuermilliarden einfach ab. Und wir meinen noch immer die besseren Menschen zu sein! Billig und erbärmlich!

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Ein Gedanke zu “Die vergessene Küste Kalabriens im Gegenlicht

  1. Zur Geschichte Kalabriens fehlt einer der wichtigsten Punkte, die eminente Bedeutung der Lukaner. Sie eroberten den italischen Süden bis auf zwei Griechenkolonien und brachten eine Blütezeit in die marode „griechische“ Gegend. Es kam der verrückte Pyrrhus, die Römer kamen,und der einäugige Hannibal – das Ende des blühenden Südens für immer!
    Der Name Italia ist aus der gleichen sabellisch-samnitischen Sprache wie die der Lukaner. Eine griechische Verballhornung des Originals, „Víteliú“, das bedeutet: Land der Jungstiere. !
    Das ist die wahre Geschichte.
    MfG, Thyra, im Studium der italischen Geschichte und Sprachen .

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