Auf nach Südtirol, 04.07.2014

Roma Termini Abfahrt NZ nach Bozenzurueck in den AlpenBozen direkt aus dem Bahnhof heraus Bozen Bahnhofsplatz Bozen Bahnhofskiosk BF Bozen Schalterhalle BF Bozen etwas versteckt die DB BF Bozen eher italienisch anmutend BF Bozen Brenner ECBozen Walther von der Vogelweide Bozen tiroler Markt 2 Bozen tiroler Markt 1 Bozen Fruehstueck in einem feschen Cafe Bozen 5 Bozen 4 Bozen 3 Bozen 2 Bozen 1 auch das ist Bozen, Suedtirolauf dem Weg nach Meran 2 auf dem Weg nach Meran 1Wuerstchenbude in Meran meine erste deutsche Mahlzeit seit Monaten tiroler Markt Meran 2 tiroler Markt Meran 1 Meran 5 Meran 4 Meran 3 Meran 2 Meran 1 LDSCN0945 Bahnhof Meran der letzte Trenitalia faehrt abMeran von oben Ausfahrt im Zug ins VinschgauBegegnung in Shriaz, rechts von mir Zari links der Italiener mit Mutter aus Suedtirolvinschgauer Bahnhoefe nur die Stationsnamen sind noch zweisprachig vinschgauer Bahnhoefe 2 vinschgauer Bahnhoefe 1 Vinschgau 2 Vinschgau 1 die Vinschgau-Gleise enden in Mals der schweizer Postbus am Bahnhof Malsmitten im  hohen Vinschgau im Postbus unterwegs ins Val Mustair das hohe VinschgauSta Maria Val Mustair meine rustikaler Unterkunft Rom verlasse ich am Abend in der Stazione Termini mit dem Nachtzug nach Norden. Dabei könnte ich den Nachtzug der Deutschen Bahn, CNL, bis München nehmen. Allerdings sind hier die guten Preise oft schon lange im voraus verkauft und dann können die Preise doch empfindlich steigen. Aber es Sta Maria Val Mustair Buendner Stubegibt noch immer nationale Nachtzüge der Trenitalia, welche nach Norden fahren. Um 23 Uhr startet der ICN nach Bozen, zwar noch in Italien, dafür aber bereits deutschsprachig. Nach Bozen verkehren zusätzlich noch tagsüber etwa vier Freccia-Zugpaare, diese brauchen dafür ca. viereinhalb Stunden. Dem Nachtzug gesteht der Fahrplan immerhin acht Stunden zu. Und selbst im Liegewagen sind für diesen Zug teilweise günstigere Angebote zu erhalten als für die modernen Tageszüge.

So erblicke ich beim Aufwachen eine Alpenlandschaft. Seit dem 02. April, als ich von Trieste nach Ljubljana aufbrach, komme ich nun erstmals wieder in die Alpen. Bereits die Provinz Trento mutet mit ihrem Landschaftsbild deutsch an. Aber erst beim vorletzten Halt des Zuges sind die Lautsprecheransagen auch in Deutsch zu hören – wir sind in Ora oder Auer. Der Bahnhof von Bozen mutet in seiner kompletten Ausstattung sehr italienisch an. Egal ob in der Bar, am Fahrkartenschalter, das Personal oder die Reisenden, es wird so gut wie nur italienisch gesprochen. Und trotzdem, etwas versteckt neben der Haupthalle des Empfangsgebäudes, entdecke ich einen Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn. Seit die DB und die ÖBB in Sachen Brenner-EC nicht mehr mit Trenitalia zusammen arbeiten, läuft die Vermarktung getrennt. Als Partner in Italien wurde die Ferrovie Milano Nord gewählt, welche normalerweise im Nahverkehr von Milano auf eigenem Streckennetz tätig ist. Aber vor einigen Jahren fusionierte die Personenzugsparte dieser Gesellschaft mit der Regionalverwaltung von Trenitalia in der Region Lombardia zur gemeinsamen Gesellschaft Trenord. Seither läuft auch der Brenner-EC-Verkehr in Italien unter der Verantwortung von Trenord, aber paradoxerweise ist Trenitalia jetzt an diesem Konkurrenzunternehmen nun selbst beteiligt. Trotzdem braucht es in Bozen und vielen anderen Bahnhöfen noch immer die getrennte Vermarktung.

Da in der Provinz Bozen (Administrativ für Südtirol) Deutsch gleichberechtigte Amtssprache neben Italienisch ist müssen auch sämtliche Bahnsteigansagen in beiden Sprachen durchgeführt werden. Dies führt teilweise zu lustigen Ansagen. Beispiel?

https://www.youtube.com/watch?v=Xk2ejIoj5Bg

Südtirol ist laut Statistik zu zwei Dritteln deutschsprachig. Bozen, seine Hauptstadt ist dagegen ebenso zu zwei Dritteln italienischsprachig. Die Südtiroler wurden mit dem ersten Weltkrieg vom restlichen Tirol abgetrennt und kamen gegen ihren Willen zu Italien. In den ersten Jahren dieser Zwangsvereinigung war ihre Sprache nicht anerkannt und insbesondere Mussolini bemühte sich um eine „italienisierung“ der Region. Im Zuge dieser Maßnahme wurden viele Italiener insbesondere in Bozen angesiedelt, so erklärt sich die heutige Dominanz der Minderheitensprache in Bozen, welches von der Mehrheit seiner Einwohner Bolzano genannt wird. Zwischenzeitlich sind die Tiroler vom italienischen Staat anerkennt und genießen eine komplette kulturelle Autonomie. Es gibt ein Regionalparlament mit Landeshauptmann (die österreichische Bezeichnung für Ministerpräsident), jedem Einwohner wird in der Schule die Sprache der jeweils anderen Volksgruppe beigebracht, das hat zumindest theoretisch die Folge das jeder „echte“ hier lebende Italiener deutsch spricht und auch jeder Südtiroler italienisch.

In Bozen selbst zeigt sich kein einheitliches Bild darüber, welche Sprache und Kultur dominierend ist. Gleich wenn man den Bahnhof verlassen hat erwartet den Besucher ein komplett deutsch wirkendes Stadtbild. Sämtliche Ausschilderungen sind in beiden Sprachen, man hört aber teilweise mehr das italienische. Aber es kommt immer darauf an, an welcher Straßenecke man sich gerade befindet. Auf jeden Fall mit dem erreichen des Straßenmarktes dominiert Deutsch. Die meisten Standbetreiber haben deutsche Namen und schildern ihre Ware nur in Deutsch aus. Da nähert sich ein Bettler, welcher sicherlich weder Tiroler noch Italiener ist. Er spricht einen in tiroler Tracht gekleideten Marktverkäufer in der italienischen Sprache an und bittet um eine Spende. Die Sprachwahl war wohl sein Fehler. In Deutsch hätte er vielleicht Erfolg gehabt. So aber erntet er wüste Beschimpfungen in tirolerischem Dialekt, er möge „sich schleichen, aber möglichst schnell und weit“. Im Café überwiegt deutsch, die Bedienung spricht in einer Weise von den „Italienern“ das klar wird, sie sieht sich selbst nicht als Teil dieses Volkes. Sie sieht sich auch nicht als Deutsche oder Österreicherin, aber sie spricht von den Deutschen nur mit Bewunderung. Viele Ladenbesitzer scheinen die deutsche Sprache zu bevorzugen, da sie ihre Namen und Auslagen meist oder bevorzugt in Deutsch wählen.

Dann fahre ich weiter nach Meran. Im Zug wird nur Deutsch gesprochen, der Schaffner spricht allerdings nur Italienisch. Vor dem Bahnhof von Meran wartet ein Wochenmarkt. Hier werden original tiroler Trachten angeboten, alles ist Deutsch, die Würstchenbude, das Bier, die Stadt, Italien scheint verschwunden zu sein. Einfach nicht mehr vorhanden. Als ich weiter durch das Vinschgau hoch in die Berge fahre gibt es gar kein Italien mehr. Zwar sind die Bahnhöfe noch in beiden Sprachen ausgeschildert, aber niemand mehr lebt diese Zweisprachigkeit. Gerade die Eisenbahn ist ein gutes Symbol für den Wandel. Unten im Tal, bis Bozen, brachte mich noch Trenitalia. Zwischen Bozen und Meran nutzte ich einen Zug der SAD, aber hier verkehren Trenitalia und der SAD noch gemeinsam, aber hinter Meran ist auch Trenitalia verschwunden und das Design der SAD unterscheidet sich doch stark.

Da erinnere ich mich an eine kurze Begegnung in Shiraz. Ich war mit den beiden Iranerinnen Elham und Zari am Grab des Dichters Hafes als wir auf eine italienische Reisegruppe trafen. Ich konnte ein paar wenige Worte meiner Sprachkenntnisse in Italienisch anbringen, als ich mich ein Mann dieser Gruppe plötzlich in gutem Deutsch ansprach. Er lobte meine Kenntnisse seiner eigenen Sprache. Er meinte er stamme aus und lebe ebenso in Mailand/Milano. Aber sein Deutsch klang einerseits so gut und hatte andererseits so einen gewissen Akzent, so einen tirolerischen Akzent. Ich sprach ihn darauf an und traf ins Schwarze. Seine Mutter würde aus Südtirol stammen, hätte aber einen Italiener geheiratet und sei ihm in das „echte“ Italien gefolgt. So ergab das Alles wieder einen Sinn.

Die Gleise der SAD ins hohe Vinschgau enden in Mals. Hier übernimmt der Bus den Anschluß, und es gibt viele Linien. Der SAD bindet viele Orte des hohen Vinschgau an, eine Linie führt sogar über das Stilfser Joch hinweg, der österreichische Postbus verbindet nach Nauders und ins Inntal Richtung Landeck und der schweizer Postbus ins Val Mustair und das Engadin. Ich nehme den Anschluß in die Schweiz, das Ziel dieses Tages liegt in Santa Maria Val Mustair, die Grenze zum schweizer Kanton Graubünden ist nicht weit. So verbringe ich im schönen Südtirol keine Nacht, ich kam nur morgens aus dem Nachtzug von Rom an, durchquerte das Vinschgau und verlasse es am Abend wieder Richtung Westen. An dieser Stelle der Welt spielt die Sprachgrenze wieder ein paradoxes Spiel. Auf der italienischen Seite der Grenze spricht man Deutsch, auf der Schweizerischen Rumantsch. Eine ähnliche Situation gibt es auch im Nordwesten der Schweiz, an der Grenze vom Kanton Jura zum französischen Elsass. Der Kanton Jura ist fest in der französischen Sprache verankert, während das Elsass noch enge kulturelle und sprachliche Bindungen zum alemannischen Raum aufweist. Aber mehr dazu im nächsten Beitrag, jetzt passiere ich erst einmal das rhätische (Drei-)Eck um den großen und insgesamt dreisprachigen Kanton Graubünden einen Besuch abzustatten.

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