Milano Centrale, Freude schöner Kopfbahnhöfe

stazione-di-milano-centrale Milano Centrale die VorhalleMilano Centrale, das ist noch REISEN Milano Centrale die Haupthalle Milano Centrale Haupthalle Milano Centrale immer im Mittelpunkt Milano Centrale in der HaupthalleMilano Centrale, Treppe zur HaupthalleMilano Centrale mein ankommender Zug aus Tirano Milano Centrale Bahnsteighalle Milano Centrale am Prellbock Milano Centrale am Bahnsteig Einsteigen und Tueren schliessenMilano Centrale in alten Zeiten Milano Centrale, die alte westliche Fahrkartenausgabe Milano Centrale Bodenmosaik roemische Art Milano Centrale altes ReiterstellwerkTrenitalia oder Trenord, nur der Gruenton unterscheidet sich leichtFreunde schöner Kopfbahnhöfe
Lasst uns Kopf an Köpfchen steh’n,
Laut und bunt, mit Krach und Tröte
Soll man unser Sträuben sehn:
Alles sträubt sich und mit Freude,
Dass es piekst und stupft und hakt –
Wir sind viele tausend Leute
Und wir wachsen Tag für Tag.

Freunde schöner Parks und Bäume
„Unumkehrbar“ ist ein Wort.
Eins nur woll’n wir nicht versäumen:
Hier zu schützen diesen Ort.die neue Verbindung von Stuttgart nach Milano von MeinFernbus
Denn das Rad, das sie beschwören,
Seinen „unhaltbaren Lauf“,
Werden wir, die Bürger, stören,
Notfalls setzen wir uns drauf!

Freunde schöner Grundgesetze
Und des freien Volksentscheids
Niemand will das Recht verletzen,
Wir woll’n nur ein bisschen Schweiz:
Etwas mehr beteiligt werden
Was und wer, warum, wofür?
Drum, mit friedlichen Gebärden
Stell’n den Fuß wir in die Tür.

Freunde, dieser Stadt zu Ehren
Holt den Kehrwisch aus dem Schrank!
„Unumkehrbar“ umzukehren
Und die Zukunft sagt uns Dank!
Keine Angst vor Zwang und Zahlen,
Wir sind das Volk, wir sind das Geld.
Seht, wie unsre Augen strahlen:
So verändern wir die Welt!

Der Zug, die Alpen in die weite Ebene nach Süden verlassend, nähert sich einer großen Agglomeration. Die Gleise vereinen sich mit immer mehr Gleisen, welche aus anderen Richtungen kommend zum selben Ziel führen, viele Vorortbahnhöfe, wie Greco Pirelli, werden mit hohem Tempo durchfahren, bis ein sehr großes Gleisvorfeld erreicht wird, welches selbst den schnellsten Zug zu einer geringen Geschwindigkeit zwingt, geht es vorbei an alten Reiterstellwerken und beim Blick nach vorne kann man langsam eine immer größer wirkende Bahnsteighalle erkennen, dann beginnt bereits der Bahnsteig, der Zug verschwindet unter dem Dach der Halle, Stimmen, Menschen und Ansagen wirken wie ein babylonisches Gewirr, bis der Zug am Prellbock zu stehen kommt. Dieser Bahnhof, diese Stadt, diese Metropole ist so groß, das hier jeder Zug zum Halten gebracht wird. Selbst wenn der Zug nun noch zu einem entfernten Ziel weiterfahren würde, mindestens 70% aller Reisenden würden hier aussteigen. Willkommen in Milano Centrale – dem Kopfbahnhof!

Die Zeilen zum Einstieg, welche wie ein Gedicht klingen, sind eigentlich ein Lied, welches zu Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ gesungen wird. Das würde dann in echt so klingen:

https://www.youtube.com/watch?v=kZEot5uJkdk

Das Original von Beethoven ist, ganz passend, auch noch die Europahymne. Milano Centrale ist ein faszinierender Bahnhof. Und auch für mich, auf dieser langen Reise, etwas ganz besonderes. Denn diesen Bahnhof erreiche ich gleich zwei mal. Gleich zum Start meiner Reise, gerade aus Frankreich gekommen, noch viele Kilometer bevor ich überhaupt einen Fuß in den Iran setzen werde, machte bereits mein Thellonachtzug aus Frankreich hier Station. Und nun, auf der Rückfahrt, komme ich wieder, auch wie damals aus dem Alpen. Große Städte zeigen durch ihre Kopfbahnhöfe dem Reisenden das er jetzt in einer Weltstadt angekommen ist. Ein Kopfbahnhof gibt seinem Architekten immer deutlich mehr Freiraum und Möglichkeiten die Bahn und ihre Bedürfnisse mit einer attraktiven Architektur zu vermischen. Durchgangsbahnhöfe haben deutlich weniger Potential zur Absetzung vom Standard. In einem Kopfbahnhof kommt man an, ein Durchgangsbahnhof ist nur eine Fußnote auf einer langen Reise. Milano ist allerdings nur die zweitgrößte Stadt des Landes, Rom oder Roma steht an erster Stelle. Auch dort unten, weit im Süden, gibt es einen Kopfbahnhof, aber Roma Termini ist nur ein moderner Neubau, welcher in nichts an das goldene Zeitalter der Eisenbahnen erinnert. Und noch weiter südlich, Napoli Centrale, ist gar ein Tiefpunkt in Sachen Bahnhofsarchitektur. Milano Centrale ist einfach der schönste aller großen Bahnhöfe Italiens. Hier werden Maßstäbe gesetzt. Von Norden, meist aus dem Ausland, treffen viele Züge ein und hier werden diese Reisenden zu den inneritalienischen Reiserouten und -zielen im Süden weiterverteilt. Neben dem Hauptbahnhof hat die Stadt noch eine Vielzahl weiterer Bahnhöfe, meist für bestimmte Nahverkehrsrichtungen, manche davon auch wieder als Kopfbahnhof ausgeführt. Milano Centrale, obwohl ca. 20 Gleise zur Verfügung stehen und hier bereits mehrere hunderttausend Reisende täglich durchkommen, wäre überfordert den gesamten Zugverkehr der Stadt allein aufzunehmen. Aber das ist jetzt kein Argument gegen einen Kopfbahnhof, denn wäre der Bahnhof Milano Lambrate, größte Durchgangsstation der Stadt, etwa der Hauptbahnhof, hier wäre die Überforderung gar noch viel größer. Was ein monumentaler Bahnhof wie dieser seinen Reisenden zu bieten hat, zeigen diese Eindrücke:

https://www.youtube.com/watch?v=3kB1UGpjFHc

https://www.youtube.com/watch?v=ZkgntW5Xwbs

https://www.youtube.com/watch?v=ngaRFpL2dIE

Ich selbst kam zum ersten Mal in meinem Leben im Jahre 1995 in diesem Bahnhof an. Und ich sage bewußt ankommen, obwohl sich mein Zug auf der Durchfahrt befand und ich in ihm noch bis Genova weiter fahren konnte. Damals gab es täglich vier bis fünf Direktverbindungen ab Stuttgart Hauptbahnhof bis Milano Centrale, Fahrtdauer knapp unter acht Stunden. Aber diese Fahrt hatte es in sich! Kaum ein Zug oder eine andere Linie, welche Stuttgart verließ oder noch immer verläßt, bietet seinen Reisenden mehr landschaftliche Eindrücke als die Route bis Milano. Zuerst die Ausfahrt aus Stuttgart, einmal auf der Panoramabahn rund um die Innenstadt herum. Die Gäubahn ist die einzige Strecke, welche aus dem Zugfenster Blicke auf die Stadt ermöglicht. Dann der Blick auf die Stiftskirche von Herrenberg, die Einfahrt ins Neckartal vor Horb, das herrliche Neckartal zwischen Horb und Rottweil, die Querung der Alb bei Spaichingen mit Sicht auf den Dreifaltigkeitsberg, der Blick auf die Kulisse von Engen, dann kurzer Aufenthalt in Singen mit Lokwechsel auf die SBB, bei Schaffhausen Blick auf den Rheinfall direkt aus dem Zug, dann der größte Bahnhof der Schweiz, Zürich HB, auch ein Kopfbahnhof, die Ausfahrt, Blick auf den Zuger See, am Horizont der Rigi, der Beginn der Alpen, die Gleise führen direkt am Ufer des Vierwaldstädter Sees vorbei, der dreifache Blick auf die Kirche von Wassen, der Gotthardtunnel, dann die vielen Kurven und Kehren hinunter ins Tessin, von der Ferne ein Blick auf den Lago Maggiore, die Überschreitung des Lago di Lugano mittels eines Seedamms, der Halt in Chiasso mit Übergabe an die FS, kurz darauf noch ein schneller Halt in Como, dann Blick auf dem Comer See und die Alpen sind verschwunden und 40 Minuten später Einfahrt in Milano Centrale. Oder wie die Züge der Gegenrichtung immer angesagt wurden:

Treno Intercity numero trecento-ottanta per destinazione di Stoccarda delle ore dodieci venticinque est in partenza all binario nove. Ferma a Como San Giovanni, Chiasso, Lugano, Bellinzona, Arth-Goldau, Zug, Zurigo, Bulach, Schaffhausen, Singen, Tuttlingen, Rottweil, Horb.

Das war noch Reisen, das war noch das Leben und Fühlen anderer Länder. Und dann kam der Neige-ICE und die meisten Zugläufe wurden in Zürich gebrochen. Einzig der Cisalpino fuhr noch selten durch, aber wegen zu vieler Pannen wurde auch er abgezogen. Dann wurde die Bahn von den „Achsen des Bösen“ heim gesucht und sie mußte sämtliche Neigetechnik einstellen. Grube versprach zwar der ICE würde wieder auf die Gäubahn zurück kehren, aber Grube, der „ehrbare hanseatische Kaufmann“, hält in etwa genauso viele Versprechen wie Mehdorn als Chef des BER. Stuttgart hat sämtliche seiner Verbindungen nach Italien verloren, wie auch die Rheintalbahn. Lediglich ab München, über den Brenner, wird Italien noch angesteuert. Wobei, sage niemand es gäbe keine Direktverbindung von Stuttgart nach Mailand mehr, gerade jüngst in diesem Jahr wurde wieder eine eingerichtet. Diese Verbindung startet zwar nicht mehr am Hauptbahnhof, sondern am Bahnhof Stuttgart-Vaihingen, welcher auch an der Gäubahn liegt und durch welchen die früheren Direktzüge nur durchgefahren sind. Aber ein Halt der Gaubähnzüge in Vaihingen wird ja schon lange gefordert, kann man von hier ja den gesamten Stuttgarter Süden erschließen, selbst die östliche Altstadt ist mit der Stadtbahnlinie 1 sehr gut zu erreichen und es würden sich perfekte Umsteigeverbindungen zum Flughafen anbieten. Aber, es heißt, dies wäre zu kompliziert, man müsste ja einen zusätzlichen Bahnsteig bauen. Und weil dies nicht geht, der Flughafen aber unbedingt besser angebunden werden muß, werden jetzt eben 60 Km Tunnel unter der Stadt hindurch gegraben, der gesamte Hauptbahnhof um 45 Grad gedreht und in einem Durchgangsbahnhof verwandelt, usw. Denn Grube hat ja versprochen, das wäre billiger, schneller und einfacher zu haben. Das Wort eines „ehrbaren hanseatischen Kaufmanns“ eben! Man sieht ja am Beispiel der Gäubahn-ICE was es wert ist, wenn es darauf ankommt! Aber ich schweife ab, kommen wir wieder zurück zur neuen Direktverbindung nach Mailand. Diese wird angeboten von „Mein Fernbus“:

http://meinfernbus.de/unser-angebot/linien/bus-tuebingen-freiburg-mailand.html

Herzlich Willkommen in der Zukunft. Ich würde eher sagen, Endstation Zukunft! Ich möchte dies jetzt nicht als Beitrag gegen Mein Fernbus verstanden haben wissen. Dieses Unternehmen bemüht sich um eine gute Arbeit und wir müssen uns fast glücklich schätzen, das es so eine Privatinitiative überhaupt noch gibt. Was oder Wen ich aber anklage, sind die Verantwortlichen in Politik, Mafia und Lobbyismus, welche uns diesen Käse ständig einbrocken wollen. Welche uns erzählen wollen so und nur so sähe Fortschritt aus. Da kann ich nur sagen, manchmal scheint unser Rückschritt fortschrittlicher zu sein als euer Fortschritt! Egal welche Partei man wählt, nichts ändert sich. Mutti sucht sich eben alle vier Jahre einen neuen Koalitionspartner aus und Kretschmann und seine Grünen bringen auch keine andere Negativperformance heraus als die CDU. Im Grunde werden wir regiert von der KED. Zu jeder Wahl wird uns eine Einheitsliste vorgelegt, welche wir nur in ihrer Gesamtheit komplett annehmen können oder eben komplett ablehnen müssen. Aber wer es wagt abzulehnen, der ist entweder ein Antisemit, ein Rechtsradikaler, ein Verschwörungstheoretiker oder „nur“ ein Antidemokrat. Ach ja, KED steht für Kapitalistische Einheitspartei Deutschlands, in enger Anlehnung an die SED.

Milano Centrale entstand in seiner heutigen Form unter der Ära Mussolini, welcher einen Prachtbau wollte. Und er bekam einen! Niemals würde man in dieser Stadt auf die Idee kommen den Kopfbahnhof abzuschaffen, die Flügel zu schleifen und die Reisenden in den Untergrund zu zwingen. Dann würde sich Milano ja in seiner unendlichen Rivalität gegenüber Rom abstufen. Sieh an, die da oben halten sich jetzt nicht einmal mehr wert für einen Kopfbahnhof. Das wäre ein Schuß ins eigene Bein. Aber Stuttgart ist gerade dabei, genau das zu tun, sich selbst unwichtig zu machen, damit der Reisende zwischen den Metropolen (mit Kopfbahnhof) Frankfurt und München vom unwichtigen Stuttgart möglichst wenig mit bekommt. Und zahlen tun dies nicht etwa die Münchner oder gar die Frankfurter, nein, die Stuttgarter meinen auch noch, das sei gut so. Frei nach Wowereit „Ich bin … – und das ist gut so!“ Nichts gegen die privaten Neigungen von Wowi, aber das, was er in seiner Stadt an Flughafen brachte brauchen wir jetzt eigentlich nicht als Bahnhof. Aber retten kann Stuttgart jetzt nur noch einer, der heilige Edmund Stoiber! Er möge einfach eine Rede für den tiefergelegten Bahnhof halten und alles wäre gut. Wie das gehen könnte? Vielleicht so:

https://www.youtube.com/watch?v=E9_ijbgHKaE

Und diese fiktive Rede ist folgender, diesmal wirklich von Stoiber stammend, nachempfunden:

https://www.youtube.com/watch?v=9Vg2h_nW0bA

Nach einem kurzem Aufenthalt geht meiner Fahrt weiter nach Osten, ich verlasse Milano Centrale auf derselben Strecke, wie damals im April am ersten Reisetag, Richtung Venedig. Auch dies ein seltsames Wiedersehen. Und trotzdem, ich befinde mich noch immer auf meiner Rückreise, und das Ende der Reise ist nun nahe.

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